Nach Elbe-Hochwasser

ICE-Strecke gesperrt: Kaserne für Pendler

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Bahnpendler brauchen weiter Geduld.

Hannover - Die Stadt Wolfsburg will gestrandete Bahn-Pendler nun in einer Kaserne unterbringen. Wegen der gesperrten ICE-Bahnstrecke Berlin - Hannover müssen Fahrgäste lange Umwege in Kauf nehmen.    

Bahnreisende auf den Strecken vom Ruhrgebiet und Frankfurt am Main nach Berlin müssen derzeit noch mit zeitraubenden Umwegen rechnen. Für Pendler, die das nicht bewältigen können, will die Stadt Wolfsburg eine Unterbringung nicht nur in einer Kaserne, sondern wenn es sein muss, auch in Wohnwagen oder Wohnmobilen organisieren.

„Die ICE-Anbindung ist für Wolfsburg und Volkswagen ein wichtiger Standortfaktor - deshalb dürfen wir nicht über Monate vom ICE-Netz abgeschnitten sein“, schimpfte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). Von der Bahn forderte er schnelle Übergangslösungen. Und die wird es zumindest ab Monatsende geben. Die Hunderten Berliner, die zur Arbeit nach Wolfsburg pendeln, können zumindest alle zwei Stunden wieder in einen ICE Richtung Niedersachsen steigen, auch wenn dieser wegen einer Umleitung über Wittenberge länger unterwegs ist.

„Uns sind Fahrgäste bekannt, die zur Zeit Hotelübernachtungen in Kauf nehmen, um ihren Arbeitsplatz zum Beispiel in Kassel zu erreichen - weil die ICE-Linie fehlt“, empörte sich auch der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Björn Gryschka. „Bis zu 60 Minuten Fahrzeitverlust je Richtung lassen hier aber keine Wahl.“ Auch diesen Reisenden kommt der ab dem 29. Juli geltende neue Notfahrplan entgegen, nach dem zweistündlich Göttingen, Hildesheim und Wolfsburg wieder ICE-Anschluss nach Berlin erhalten.

Am Bahnsteig im Hauptbahnhof von Hannover versuchen regelmäßige ICE-Fahrer, sich mit der Lage zu arrangieren. „Die ständigen Verspätungen beeinträchtigen mich schon extrem. Nach 36 Stunden, die ich mittlerweile wach bin, würde ich jetzt gerne ohne Umwege nach Hause. Andererseits bin ich in einem ähnlichen Geschäft unterwegs und weiß, dass die Natur manchmal nicht mitspielt. Die Bahn hat sicher auch ein Interesse daran, dass es bald wieder reibungslos läuft“, sagt Wiebke Geismann. Die 46 Jahre alte Flugbegleiterin fährt vier- bis fünfmal im Monat nach Berlin zur Arbeit.

„Ich pendle regelmäßig zwischen Berlin und Kassel. Jetzt muss ich immer viel früher fahren und bekomme die zusätzliche Fahrzeit nicht bezahlt und kann sie durch ständiges Umsteigen auch nicht richtig nutzen“, meint Ulrich Lange. Der 52-Jährige arbeitet in der ambulanten Pflege und pendelt wöchentlich. „Ich finde die Verspätungen sehr nervig. Ich muss pünktlich in die Uni und es ist schwierig, rechtzeitig zu den Kursen da zu sein“, meint auch Studentin Anja Belte (23). „In der Zeit, in der ich warte, würde ich lieber in der Sonne liegen.“

Von Michael Evers und Friederike Vogel, dpa

Bahn-Umleitungen im Fernverkehr nach dem Hochwasser

Die Sperrung der Bahn-Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin an einer Elbebrücke in Sachsen-Anhalt führt dazu, dass vier ICE-Linie umgeleitet werden müssen.

  • Die ICE-Linie 10 führt normalerweise von Köln oder Düsseldorf über Hamm (Westfalen), Hannover und Wolfsburg nach Berlin. Solange die Elbebrücke in Sachsen-Anhalt gesperrt ist, werden die Züge ab Hannover über Braunschweig und Magdeburg nach Berlin geleitet. Fahrzeit: plus 60 Minuten.
  • Die ICE der Linie 11 fahren ab Frankfurt über Fulda, Kassel-Wilhelmshöhe, Braunschweig und Wolfsburg nach Berlin. Bis auf weiteres werden sie auf dem Abschnitt Wolfsburg-Berlin über Wittenberge umgeleitet. Fahrzeit: plus 60 Minuten.
  • Die Route der ICE-Linie 12 entspricht von Frankfurt nach Berlin jener der Linie 11. Die Züge werden nun ab Fulda über Erfurt nach Berlin umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.
  • Täglich ein Zug der Linie 77 (Amsterdam-Hannover) fährt weiter nach Berlin und von dort zurück. Hier wird über Magdeburg, Stendal und Wolfsburg umgeleitet.

dpa

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