Eine Genussreise durch Liguriens Bergdörfer

Italienische Steilvorlage

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Liguriens-Küste: Es geht steil ins Meer hinab.

Sassello - Warum nur ist man bei diesen Dörfchen in den Bergen oberhalb der Ligurischen Riviera zwangsweise an Asterix und die Gallier erinnert? Christoph Ulrich über Ein- und Ausblicke in der nordwestlichsten Provinz des Stiefels.

Die Reise-Infos

REISEZIEL Die Region Ligurien zieht sich von der Hafenstadt La Spezia entlang der italienischen Riviera bis an die Grenze zur französischen Riviera. Gleich hinter der Küste beginnen die Gebirgskämme der Ligurischen Alpen und des Ligurischen Apennin. Ligurien leitet seinen Namen von seinen vorrömischen Bewohnerm, den Liguren, ab.
ANREISE Air Dolomiti fliegt täglich von München nach Genua (Hin- und Rückflug ab ca. 200 Euro pro Person). Ein Mietwagen, z.B. über Europcar (www.europcar.de) kostet ab 191 Euro/Woche.
ORANGE FLAGGEN Orange beflaggte Ortschaften erfüllen strenge Kriterien in Bezug auf Umwelt und Tourismus. Dazu gehören qualitativ hochwertige Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und Umweltschutz.
KLIMA An der italienischen Riviera sind die Temperaturen von Ende April bis Anfang September angenehm (zwischen 14 und 27 Grad). Mitunter weht ein starker Wind vom Meer her. Auch im absoluten Hochsommer übersteigt das Thermometer selten die 30-Grad-Grenze. REISETYP Das ligurische Hinterland eignet sich hervorragend zum Wandern, Bergsteigen, Klettern und Mountainbiken. Für Naturfreunde sind die begehbaren Höhlen und die vielfältige Flora interessant. WOHNEN Vom Appartement bei einer Familie bis zur Einliegerwohnung in einem historischen Palast bietet das Hinterland Unterkunftsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel. Info: www.turismoinliguria. it.
FILMTOUR Eines der erfolgreichsten Kinderbücher, Cornelia Funkes „Tintenherz“, wurde in Ligurien verfilmt. „Capricorns Dorf“ ist in Wirklichkeit das Örtchen Balestrino und liegt zehn schwindelerregende Serpentinenkilometer vom Meer entfernt.
WEITERE INFOS Italienisches Fremdenverkehrsamt Enit in München, Tel. 089/53 13 17, www.enit.de, oder direkte Website www.turismoinliguria.it.

Ganz Italien ist blau beflaggt. Ganz Italien? Nein! Ein von Geschichte und Genuss geprägtes Hinterland hört nicht auf, den Reizen von Meer und Strand die Stirn zu bieten. Lassen sich die Badeorte vom italienischen Umweltverband mit einer blauen Flagge auszeichnen, so setzen die Bergdörfer in der Region Ligurien diesem maritimen Gütesiegel ein eigenes dagegen: die orange Flagge. Sie zeichnet historische, kulturelle und landschaftliche Besonderheiten im Hinterland aus. Alles Eigenschaften, auf die sie hier mächtig stolz sind.

Kulinarische Superstars der Region sind die Amaretti, weiche Mandelplätzchen aus Armelline (das Innenleben eines Pfirsichkerns), weißem Zucker, Eiern und Mandeln. Remo Taramaco aus Sassello stellt sie seit 36 Jahren in seinem Familienbetrieb her, bis zum heutigen Tag ausschließlich von Hand. Die Dolce sind ein weltweiter Exportschlager, und darauf ist Remo mächtig stolz. „Da lohnt sich die Fahrt herauf, was?“, fragt er siegessicher in die Runde.

Die Fahrt über enge Haarnadelkurven bietet atemberaubende Ausblicke aufs Meer und wird vom Duft der Zitrusblüten und Mittelmeerkräuter begleitet. Dicht bewaldet sind die sattgrünen Ausläufer der Seealpen und des ligurischen Apennin, dessen graue Schieferwände sich hie und da fast senkrecht ins blaue Meer stürzen. Auf buckligen Höhenrücken drängen sich Buchen, Eschen, Kastanien und Erlen, in ihrem Schatten bleibt es auch im Hochsommer angenehm kühl– zur Freude der Wanderer und Radfahrer, die in der Region auf ein kleines Paradies stoßen. Dem schmalen Streifen zwischen dem südlichen Piemont und der Mittelmeerküste trotzen die Bewohner terrassiertes Ackerland ab und pflanzen dort Oliven-, Feigen-, Haselnuss- und Mandelbäume. In der waldreichen Gegend, aus der mittelalterliche Burgen herausspitzen, wachsen Pilze, Beeren, Feigen, Kräuter und Artischocken – Zutaten für deftige Gerichte aus Wildschwein, Rind und Kaninchen, dazu hervorragende Weine.

In den Lokalen der orange beflaggten Ortschaften isst man ausgezeichnet. Die Ravioli haben ihren Ursprung in Ligurien. Von Kräuterpesto hat beinahe jedes Dörfchen ein Geheimrezept. Zuccarello, Bussana Vecchia, Castelbianco, Toirano und Balestrino sind die Orte, in denen man auf einer Tour durch Liguriens Hinterland vorbeikommt, letzterer auch Schauplatz der Roman-Verfilmung „Tintenherz“. Ihre Wurzeln reichen weit in die Geschichte – ihr Schicksal ist oft dasselbe. Nach Erdbeben in der Mitte des 20. Jahrhunderts zogen die Bewohner hinunter ans Meer. Mit dem aufkommenden Tourismus war an der Küste mehr Geld zu verdienen. Die Dörfer verkamen zusehends.

Heute erwachen sie zu neuer Blüte. Ein gutes Beispiel für eine sanierte und wiederbelebte Stadt ist Castelvecchio di Rocca Barbena, rund um eine Burg auf 1100 Meter Höhe gelegen, 60 Kilometer von der Hafenstadt Savona entfernt. Oder Dolceaqua in der Nähe der französischen Grenze unweit von San Remo. Idyllisch in einer Flussebene zwischen hohen Bergen liegt die historische Altstadt. An der Kirche vorbei und durch einen Torbogen eröffnet sich ein mittelalterliches Gassengewirr, das steil hinauf zur Ruine des Castello Doria führt.

Legenden ranken sich um die Stadt, deren einziger Zugang, eine Spitzbogenbrücke aus dem 15. Jahrhundert, schon Claude Monet als Motiv diente. Schmal und dunkel sind die Gassen, die mit Flusskiesel gepflastert sind, klein die Türen hinein in die Wohnhäuser, die fast alle im Originalzustand erhalten sind. Liebevoll bepflanzte Blumentröge säumen den Weg hinauf zur Burg. Es ist das Spannungsfeld zwischen dem weiten Meer, der engen Hügellandschaft und den hohen Bergen, das den Zauber dieser Gegend ausmacht. Oder anders gesagt: zwischen dem dem gallischen und dem römischen Teil Liguriens.

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