Felsenstadt Petra

Traum aus Stein

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Felsenreich: „Unbeschreiblich schön“ fand D.H. Lawrence die Stadt der Nabatäer.

Der erste Eindruck, das ist wie ein Blick durchs Schlüsselloch in eine riesige Schatzkammer. Nur einen Spalt öffnet sich der enge Felsenzugang durch die Schlucht nach Petra, die Felsenstadt in Jordanien...

...die in der Antike blühendes Handelszentrum des Nabatäer-Reichs war. Wer schließlich davorsteht vor dem aus Stein gemeißelten Monumantalfassade, ist überwältigt von der Größe und Schönheit, zumal wenn Petra bei Nacht mit 1000 Lichtern in Szene gesetzt wird. Unsere Autorin Ann-Cathrin Karg hat es erlebt.

Ganz leise schleicht eine Katze vorbei, sieht eher wie ein schmaler Schatten aus, der sich grazil vor Hunderten von Windlichtern abzeichnet. Die sind umwickelt mit transparentem Papier, und wenn es mit der Flamme in Berührung kommt, tanzt es in glimmenden Fetzen über den Boden.

Man hat den Klang des Flötenspielers noch im Ohr, als der alte Mann beginnt, zu erzählen: Vom Königreich der Nabatäer, dem einst mächtigsten Volk Arabiens, das sich hier ein unvergleichliches Denkmal geschaffen hat – die Felsenstadt Petra mit dem berühmten Schatzhaus des Pharao an ihrem Eingang.

Nachts im Kerzenschein sieht man nur die Umrisse des 43 Meter hohen und 30 Meter breiten Gebäudes, herausgehauen aus dem Sandstein, der bei Tageslicht rötlich schimmert. Filmfans kennen die Kulisse aus der letzten Szene von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Da findet Harrison Ford den Heiligen Gral.

Das haschemitische Königreich Jordanien liegt zwischen Israel, Syrien und Saudi-Arabien auf der Arabischen Halbinsel.

Gebaut wurde die Felsenstadt wohl im 1. Jahrhundert v. Chr. als Grabmal eines nabatäischen Königs. Es verschlägt einem noch heute die Sprache, wenn man am Ende der 1,2 Kilometer langen Felsenschlucht, des sogenannten Siq (zu Deutsch: Schacht), das Schatzhaus erblickt. Es ist wie der verstohlene Blick durchs Schlüsselloch in ein Prunkgemach. Man kann sich in diesem Moment vorstellen, welchen Eindruck der Bau vor 200 Jahren auf den Schweizer Arabienreisenden Johann Ludwig Burckhardt gemacht hat.
Ihm und seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass Petra, „der rosarote Traum aus Stein“, wie es die Einheimischen nennen, wiederentdeckt wurde. Seit der Zeit der Kreuzzüge hatte kein Europäer mehr die 100 Quadratkilometer große antike Stadt zu Gesicht bekommen, und auch Burckhardt schaffte es nur mit einem Trick: Nachdem er zwei Jahre zuvor schon einmal am Eingang der Felsenschlucht von den dort lebenden Beduinen abgewiesen worden war, kam er 1812 getarnt zurück, gehüllt in die traditionellen weiten Gewänder, mit einem langen Bart und mit fließenden arabischen Sprachkenntnissen. Er hatte zwei Jahre im benachbarten Syrien verbracht.

Tausende Gebäude und Gebäudereste taten sich vor Burckhardt auf – Grabmäler, Wohngebäude und Sakralbauten. Über vier Jahrhunderte (3. Jh. vor Chr. bis 106 n. Chr.) hatten die Nabatäer von Petra aus ihr riesiges Imperium regiert, das sich über einen Großteil Arabiens erstreckte. Sie verloren ihre Macht erst, als die Römer ihre Hauptstadt einnahmen und sie ins Römische Reich zwangen.

Die Stadt war ein Knotenpunkt. Für Händler, die auf ihren Eseln und Kamelen Weihrauch und Myrrhe aus Arabien durch die Wüste brachten, Gewürze und Seide aus Indien oder Elfenbein und Tierfelle aus Afrika. In Petra fanden sie Schutz vor Plünderern und vor allem ein ausgeklügeltes Wassersystem, mit dem die Nabatäer die umliegenden Quellen in ihre Stadt leiteten. Ein unschätzbarer Wert.

Tempel und sogar ein Theater gab es in Petra, gepflasterte Straßen und angelegte Terrassen. Baumeister aus Ägypten, Italien und Griechenland hatten die Stadt durch ihre Einflüsse einzigartig gemacht. So einzigartig, dass sie der britische Offizier T.E. Lawrence, bekannt als Lawrence von Arabien, als den „herrlichsten Ort der Welt“ bezeichnete. Beschrieben aber hat er ihn nicht in seinem berühmten Werk „Die sieben Säulen der Weisheit.“ Er war der Meinung, es müsse sich jeder selbst ein Bild machen, jede Beschreibung würde vor dem direkt Erlebten verblassen.

Eine Woche bräuchte man, um sich alles anzusehen, und noch sind erst 20 Prozent der erhaltenen Gebäude ausgegraben. Bis Petra 1985 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde, lebten noch die Beduinen des Stammes B’doul in den Felsenwohnungen. Sie wohnen heute in Wadi Musa, der modernen Stadt neben Petra.

Eid Nawafleh kann sich noch erinnern, wie er und seine zehn Geschwister als Kinder auf Eseln in die Schule geritten sind. Der 41-jährige Inhaber einer Filmproduktionsfirma ist der Erfinder der Illuminationsschau „Petra by Night“ und er hat die Kochschule Petra Kitchen gegründet. „Essen ist die beste Gelegenheit, anderen Menschen die eigene Kultur näherzubringen“, sagt er. „Da hat jeder was zu erzählen, und das Beste: am Ende kann man gleich genießen, was man gemacht hat.“

Spuren im Sand - Jordanien ist ein Wüstenstaat

Aber erst mal ist Schwitzen angesagt. Unter der Anleitung von Profis hacken und schnibbeln die rund zehn Hobbyköche drauflos. Ganz klein müssen die Zwiebel- und Tomatenwürfel für den Vorspeisensalat Tabbouleh sein, ganz fein die frische Petersilie und Minze, die in Jordanien für viele Gerichte verwendet wird. Die Kanadier am Tisch nebenan machen Baba Ganuj, eine Paste aus Auberginen, die wie das Kichererbsenpüree Hummus oder die scharfe Chili-Sauce Galayat Bandura zu jeder Vorspeise gehört. Einen Tisch weiter versucht sich eine englische Familie an Hühnchen, im Ofen zubereitet. Es riecht nach Zimt und Muskat, nach Kardamom und Cumin, Pinienkerne werden über dem Feuer geröstet und Käse und Thymian in kleine Blätterteigtaschen gefüllt.

Eid Nawafleh ist hier in seinem Element, er liebt das Kochen, seit er es als Kind von seiner Mutter gelernt hat. Seine Kochkurse bietet er auch für eine ganze Woche an. Man geht dann morgens mit zum Einkaufen auf den Markt. Herzlich und interessiert wird man als Tourist überall in Jordanien empfangen, es herrscht eine entspannte Atmosphäre, die weder Berührungs- noch sonstige Ängste auslöst. Und dennoch gehen die Touristenzahlen seit Beginn des Arabischen Frühlings zurück. Denn obwohl Jordanien als sicheres und stabiles Land gilt, liegt es inmitten mehrerer Krisengebiete: Im Westen Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete, im Norden Syrien, im Osten Saudi-Arabien und der Irak. Erzählt man Freunden, dass man nach Jordanien fährt, fragen sie deshalb besorgt, ob es da nicht gefährlich sei. Zumindest die, die noch nie selber da waren. Die anderen sagen, es sei toll dort!

Ann-Cathrin Karg

Reise-Infos zu Petra

REISEZIEL Das haschemitische Königreich Jordanien liegt zwischen Israel, Syrien und Saudi-Arabien auf der Arabischen Halbinsel. Im Süden grenzt das Land, das mit 89 500 Quadratkilometern etwa so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen, an den Golf von Aqaba.

ANREISE Royal Jordanian und Lufthansa fliegen zweimal wöchentlich (Mittwoch und Samstag) von München nach Amman, täglich ab Frankfurt. Ab 660 Euro. Von Amman nach Petra sind es 260 Kilometer, in das Wadi Rum 100 Kilometer, ans Tote Meer 50 Kilometer.

REISEZEIT/KLIMA Jordanien hat trockenes Mittelmeerklima. In der Hauptstadt Amman liegen die Durchschnittstemperaturen zwischen Mai und Oktober bei 23 Grad und von November bis April bei 12 Grad. Am Toten Meer und im Jordantal herrschen auch im Winter milde Temperaturen, die Sommer sind heiß und trocken.

SEHENSWERT Jerash, eine der am besten erhaltenen römischen Städte der Welt, das Tote Meer, der tiefste Punkt der Erde, das Rote Meer, ein Paradies für Taucher, Wadi Rum, die Salzwüste mit ihren bizarren Felsformationen und Kreuzritterburgen wie Kerak oder Shobak.

ESSEN Die jordanische Küche ist typisch arabisch. Fleischgerichte bestehen meist aus Lamm oder Hühnchen. Empfehlenswert sind Mezzeh, eine Auswahl aus meist kalten vegetarischen Vorspeisen. Das Nationalgericht heißt Mansaf und besteht aus Lamm mit Joghurtsoße und Reis. Der Kochkurs Petra Kitchen dauert zwei Stunden und kann gebucht werden unter www.jordanjubilee.com. Kosten inklusive Essen und nichtalkoholischen Gentränken: 30 Jord. Dinar, umgerechnet 32 Euro.

PETRA BY NIGHT Jeweils Montag, Mittwoch und Donnerstag erleuchten Windlichter von 20.30 bis 22 Uhr die Felsenwände des einen Kilometer langen Zugangs und das Schatzhaus selbst. Beduinenmusiker spielen traditionelle Lieder und erzählen die Geschichte Petras. Karten zum Preis von 11 Jord. Dinar (zirka 12 Euro) gibt es vor Ort.

WEITERE INFOS Fremdenverkehrsamt Jordanien, München, Tel. 089/689063825, visitjordan.com.

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