Das einfache Leben

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Genuss mit Kalorien: Die Kreta-Diät ist nicht zum Abnehmen gedacht, sie bringt das Beste der Insel auf den Tisch.

Für ihr gutes Essen und Trinken sind die Griechen schon lange bekannt, und die als besonders gesund geltende Kreta-Diät ist legendär.

Reiseredakteur Volker Pfau war auf der griechischen Insel, hat das einfache Leben kennengelernt und natürlich auch die Kreta-Diät ausprobiert.

Experte für Kreta-Diät: Dimitris Kalaitzidakis ist ­Direktor des Grecotel Creta Palace und exzellenter Kenner der Kreta-Diät. Hier zeigt er auf der Agreco-Farm, wie gefüllte Zucchiniblüten hergestellt werden.

Früher, in seinem ersten Leben, hat sich bei Joannis Papadakis alles um Cola gedreht. Er hat halb Griechenland mit der koffeinhaltigen Brause versorgt. Vor knapp zehn Jahren hat der 59-Jährige aber seinen Job als Vertriebsmanager von Coca Cola an den Nagel gehängt, er ist ausgestiegen, von Athen nach Kreta gezogen und hat gemeinsam mit seiner Frau Fanni im Dorf Axos das Landgut Enagron eröffnet, ein ökologisch geführtes Urlaubsdomizil.

„Ich wollte ein Hotel, das das Leben von früher bietet“, erklärt Joannis Papadakis seine Philosophie. Es ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Denn er stammt aus dem ländlichen Kreta, aus einem dieser winzigen Bergdörfer, von denen es hier so viele gibt, und aus dem er wegzog zum Studium nach Athen und der Faszination der Großstadt erlag, wo er die Karriereleiter erklomm. Doch irgendwann hatten er und seine Frau das Gefühl, dass ihnen die wirklich wichtigen Dinge fehlen: die Natur mit ihren Farben, Geräuschen, Düften, die Ruhe, die Gemeinschaft der Menschen.

Joannis und Fanni kehrten zurück und begannen mit dem einfachen Leben. „Unsere Gäste müssen nicht auf modernen Standard verzichten“, betont der spätberufene Hotelier. Die Apartments haben Klimaanlagen, Fernseher, Kühlschrank, Zentralheizung, im Aufenthaltsraum gibt’s Internetanschluss und im Pool können sich die Urlauber erfrischen. Aber deswegen kommen die Gäste nicht. Sie suchen das einfache Leben, die Ursprünglichkeit, das Authentische.

Hier gilt das Motto „man darf, muss aber nicht“. Gäste können an geführten Wanderungen teilnehmen, einen Kochkurs belegen, beim Brotbacken oder Käse machen zur Hand gehen, im Herbst bei der Weinlese helfen und erleben, wie gekeltert und dann aus dem Trester der hochprozentige Raki destilliert wird. Oder sie bleiben einfach auf der weiltläufigen Anlage und genießen den Tag.

Erst Cola-Manager, jetzt Hotelier: Joannis Papadakis.

Beim Essen sind aber dann alle garantiert wieder da. Wenn auf dem Freisitz neben dem Hauptgebäude das Beste aus der traditionellen kretischen Küche serviert wird, wenn das Fleisch behutsam nach der Antikrysto-Methode gegrillt wird, also langsam neben dem Feuer gart, so wie es die Hirten früher machten, und wenn das Brot frisch aus dem Ofen kommt und noch warm serviert wird. „Unsere Gäste legen Wert auf gesundes Essen“, sagt Joannis Papadakis. Was auf den Tisch kommt, stammt aus der Umgebung und ist biologisch angebaut. Es ist quasi die komplette Kreta-Diät.

Was aber hat es nun auf sich mit dieser vielgepriesenen Ernährungsform? Wer anders als Dimitris Kalaitzidakis könnte uns das erklären. Der nicht ganz leichtgewichtige Direktor des Grecotel Creta Palace begleitet uns zur Agreco-Farm beim kleinen Ort Adele und zeigt uns dort, wie früher Getreide gedroschen und gemahlen, Oliven gepresst, Honig gewonnen und Brot gebacken wurde. Die vor zehn Jahren gegründete Anlage ist quasi ein aktives Bauernhofmuseum, denn es werden hier auch Obst und Gemüse nach biologischen Richtlinien angebaut, die sowohl den Besuchern vor Ort in der Taverne kredenzt werden, als auch den Gästen in den Grecotels an der nur wenige Kilometer entfernten Küste.

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Eines wird spätestens beim Verkosten der hofeigenen Produkte klar: Die Kreta-Diät hat nichts mit kalorienreduziertem Essen zu tun. Abnehmen geht anders. Wäre der Tisch nicht aus so stabilem Holz, er würde sich unter Tellern und Platten biegen. Es beginnt mit dem obligatorischen griechischen Bauernsalat, eingelegten Oliven, Artischockensalat, gefüllten Zucchiniblüten, warmem Feta-Käse, dazu wird frisch gebackenes Brot aus dem Holzofen serviert. Dann gibt’s Fleischgerichte vom Rind, Schwein, Lamm, Kaninchen – mal kross gebraten, mal mariniert, mal in der Sauce, mal mit frischen Kräutern, mal mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Kartoffeln. Und danach gefüllte süße Teigtaschen, Joghurt mit Walnüssen und Honig sowie eingelegte Früchte. Den Abschluss bildet der obligatorische Raki.

„Esst!, Esst!“, fordert Dimitris Kalaitzidakis immer wieder auf, und wenn seine Gäste seiner Meinung nach zu wenig von den köstlichen Speisen auf ihrem Teller haben, legt er höchstpersönlich nach. Die Einwände bezüglich der viel zu üppig genossenen Kalorienzahl kontert er mit Philosophie: „Man darf nicht immer nur an die Sünden denken, die man begeht, sondern muss auch an die schönen Dinge denken, die man womöglich nicht genießt.“ Er selbst hat das Agreco-Menü zusammengestellt, das auf der Farm serviert wird.

Der gebürtige Kreter, der in Rethymnon aufgewachsen ist, hat ein enormes Wissen über das Essen auf der Insel gesammelt und kennt alle Variationen und lokalen Besonderheiten der kretischen Küche. So war es nur logisch, dass er von Nikos Daskalantonakis, dem Gründer der Grecotel-Kette, als Berater hinzugezogen wurde, als die Idee der Agreco-Farm realisiert wurde. Wie in einem kretischen Dorf soll hier das ursprüngliche Leben gezeigt werden. Es soll aber kein Museum sein – die Felder werden bewirtschaftet, Dreschplatz, Mühle, Backofen und Kelter sind immer wieder in Betrieb, dazu ein kleiner Streichelzoo. „Die Farm ist eine Abbildung der Natur“, sagt Dimitris Kalaitzidakis.

Das pädagogische Prinzip, die Authentizität und natürlich die opulenten Genüsse kommen an bei den Urlaubern in den Grecotels. Viele nutzen das Angebot, als Gäste einen kostenlosen Tagesausflug auf die von Rethymnon nur rund zehn Autominuten entfernte Farm machen zu können. „Wir gewinnen mit unserer Bio-Farm keine neuen Kunden“, schätzt der Hoteldirektor die Situation realistisch ein, „aber sie macht aus Kunden Stammkunden.“ So einfach kann das sein mit dem einfachen Leben.

REISE-INFOS ZU KRETA

REISEZIEL Die größte griechische Insel und die fünftgrößte Insel im Mittelmeer hat eine Fläche von rund 8200 Quadratkilometern und etwa 600 000 Einwohner.

ANREISE Während der Sommersaison fliegen mehrere Gesellschaften an unterschiedlichen Wochentagen von München nach Heraklion. Preisbeispiel: TUIfly ab 79 Euro einfache Strecke.

MIETWAGEN Ein Auto der Kategorie A (z.B. Chevrolet Matiz) kostet bei TUI Cars pro Tag ab 28 Euro, pro Woche ab 196 Euro (inkl. Steuern, Vollkasko, alle Kilometer).

WOHNEN Eine Woche im Grecotel Creta Palace (fünf Sterne) kostet bei TUI mit Flug ab/bis München und Halbpension ab 777 Euro pro Person (im DZ, Reisetermine ab 20. April). Info und Buchung im Reisebüro. Eine Woche in der Villa Enagron kostet bei Attika Reisen mit Flug ab/bis München und Frühstück bei Buchung bis 31. März ab 715 Euro pro Person (im DZ, Reisetermine ab 15. April). Info und Buchung unter der Gratis-Hotline 08 00/ 167 18 00 oder im Internet unter www.attika.de.

SEHENSWERT KNOSSOS Das Dorf westlich von Heraklion war in minoischer Zeit die Hauptstadt. Heute können die bis zu 5000 Jahre alten Ruinen besichtigt werden. Eintritt: 6 Euro.

SPINALONGA Von 1903 bis 1954 lebten auf der kleinen Felsinsel, auf der bis 1715 Venezianer eine Festung hielten, Leprakranke aus ganz Griechenland. Boote fahren von Elounda, Kalidon und Plaka.

AGIA GALINI Der beschauliche Fischerort an der Südküste hat sich trotz Tourismus seinen Charme bewahren können.

FESTOS Neben den Ausgrabungen von Knossos ist der minoische Palast auf Messara-Ebene der bedeutendste archäologische Fundort der Insel. Hier wurde nur das Nötigste restauriert. Eintritt: 4 Euro.

REISEZEIT Im Juli und August kann es deutlich über 30 Grad heiß werden. Im Frühsommer und Herbst sind die Temperaturen erträglicher, im Dezember und Januar gibt es die meisten Regentage.

INFO Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Pacellistr. 5, 80333 München, Tel. 089/22 20 35, E-mail: info-muenchen@gzf-eot.de.

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