An Bord der Disney Magic

Die Kreuzfahrt mit der Maus

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Kreuzfahrt als Kinderspiel: Die Disney-Schiffe sprechen vor allem Familien an. Im Sommer kommt die Disney Magic ins Mittelmeer.

Mickey Maus nimmt Kurs auf Europa. Die berühmteste Maus der Welt steuert 2013 mit der Disney Magic, einem von vier Schiffen des US-Konzerns, das Mittelmeer an.

Unser Reporter Andreas Werner erlebte die Kreuzfahrt, die eine schwimmende Disney-Show ist, noch in der Karibik.

Clayton Lyndsey sieht man nicht an, dass er am Abend zuvor bis spät in die Nacht den Freibeuter gespielt hat. Der Cruise Director der Disney Dream hat die Piratennacht gut weggesteckt, seine weiße Uniform sitzt faltenlos, er ist bereit für den neuen Tag. Das ist er immer.

Neben ihm sitzt der Direktor der Disney Dream Lloyd Mechado, auch er adrett im Offiziersoutfit. „Clayton ist der König der Nacht“, schmunzelt Lloyd neidlos. Was er selbst denn gerne wäre im großen Repertoire der Disney-Figuren? Lloyd, der Inder ist, grinst: „Mogli. Der Junge aus dem Dschungelbuch.“ „Und ich wäre gerne Simba – nur die Mähne fehlt mir“, kontert Clayton und fährt sich mit der Hand über die Glatze. „Aber selbst das würden wir hinkriegen.“

Mogli oder Mickey Maus

Die Disney Magic ist das erste von vier Schiffen, das für die Reederei Disney Cruise Line 1998 in Dienst gestellt wurde.

Vor drei Tagen hatten wir mit der Disney Dream in Port Canaveral in Florida abgelegt. Majestätisch durchkreuzt das Schiff, das länger ist als der Eiffelturm hoch, gerade die Gewässer der Bahamas. Inzwischen ist jedem Passagier klar, dass der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt sind. Alles Disney – bis ins Detail, vom Bug bis zum Heck. Die Köpfe der berühmten Comicfiguren sind in Gläser eingefräst und zieren Tellerränder, und zum Frühstück gibt es Ahornsirupdurchtränkte Waffeln in Form von Mickeys Gesicht – auch (Fan-)Liebe geht eben durch den Magen.

Die Figuren und Geschichten aus dem Disney-Universum sind auf dem Schiff allgegenwärtig. An den Wänden hängen Zeichnungen von Dumbo, Donald und Co., auf der Videowand über den Kinderpools laufen pausenlos Zeichentrickfilme, und abends treten in Musicals Tarzan und Arielle auf, der Glöckner von Notre-Dame und der König der Löwen.

Erinnerungsfoto knipsen mit der Maus.

Natürlich ziehen die Disney-Schiffe damit deutlich jüngere Urlauber an als die meisten anderen. „Wenn das Schiff ausgebucht ist, sind 1500 bis 1800 Kinder an Bord“, sagt Taylor Jack. Die Kanadierin führt durch die diversen Clubs für Kinder und Jugendliche. Kinder von drei Monaten bis zu drei Jahren werden in der Nursery betreut. Sie können spielen, in einem Ruhebereich schlafen und bekommen die Windeln gewechselt. Im Oceaneer’s Club toben sich die Drei- bis Zwölfjährigen aus, klettern über den Dinosaurier, malen unterm Plastikbaum oder spielen im gelben U-Boot am Computer.

Die Disney-Schiffe sind stilistisch den Ozeandampfern des 19. Jahrhunderts nachempfunden – die Titanic lässt grüßen. Für das italienische Restaurant Pablo schickte man die Maler extra nach Venedig, damit sie sich von den Fassaden der Lagunenstadt inspirieren lassen.

Im Sommer erobert die Mickey Maus mit der Disney Magic nun die Kreuzfahrtziele im Mittelmeer. Auch Griechenland steht auf dem Plan.

Jetzt wechselt das Schiff selbst von der neuen in die alte Welt. Europa ist derzeit ein großes Schlagwort in der Kreuzfahrtsparte des Konzerns. In der Regel steuern die Disney-Schiffe von Port Canaveral an der Ostküste der USA die Bahamas, die mexikanische Riviera oder Alaska im Norden an. Ab Mitte 2013 wird Barcelona ein Ausgangshafen für Disney-Touren im Mittelmeer sein. Ziel der vier, sieben und zwölf Nächte langen Kreuzfahrten von der katalanischen Hauptstadt aus werden unter anderem Venedig, Dubrovnik, das türkische Ephesos sowie Athen und Mykonos sein.

Dann wird sich auch das Kreuzfahrtpublikum an Bord ändern. Auf der zwischen den Bahamas pendelnden Disney Dream waren europäische Touristen bisher eher in der Minderzahl. Die letzten Deutschen, die an Bord mitreisten, waren im vergangenen Sommer ein paar Ingenieure, die unter Deck zu arbeiten hatten.

„Wir freuen uns sehr, ins Mittelmeer zurückzukehren“, sagt Kristina Szolar, die bei Disney für das Marketing zuständig ist. „Aber wir müssen uns da ändern“, weiß Cruise Director Clayton. Auch die Programme werden kulturell umgestellt. Während auf den Bahamas die Piratenshow steigt, dreht sich dann in Italien alles um die Pizza.

Aber das Wesentliche ist bei Disney ohnehin nicht das Ziel, sondern das Schiff selbst, egal ob in der Karibik oder vor den Küsten Europas. Jeden Tag liegt eine Broschüre in der Kabine, damit man nichts verpasst an Bord. Und man könnte einiges verpassen. „Wir sind ein Unterhaltungsbetrieb, der auf eine Kreuzfahrt einlädt“, sagt Clayton. Morgens bitten die porzellangesichtigen Prinzessinnen Schneewittchen, Cinderella, Tiana, Pocahontas und Arielle zum Fotoshooting, nachmittags rauschen die Passagiere in der 233 Meter langen Wasserrutsche Aqua Duck rund ums Deck (ein Teil führt sogar jenseits der Reling in 45 Metern Höhe übers offene Meer), und abends locken die Musicals.

Jung und Alt, es wird an alle gedacht: Den Kids stehen Spielräume auf mehreren Decks zur Verfügung, aber genauso gibt es Bereiche, die nur für Erwachsene zugänglich sind. Die Cocktailbar in der Sky Lounge etwa. Hinter der Bar – es sieht aus, als würde man aus einem Panoramafenster schauen – blinkt an der Wand die Skyline von Rio. Sogar die Autoscheinwerfer bewegen sich. Und alle 15 Minuten rieselt ein Sternschnuppenregen über das imaginäre Fenster, um ein neues Stadtbild anzukündigen: Hongkong, Chicago, Paris, New York ...

„Disney war ein Geschichtenerzähler“, sagt Clayton. „Deshalb ist an Bord alles eine Show.“ Sogar in den Innenkabinen, wo künstliche Bullaugen ständig wechselnde Bilder zeigen, was wirkt, als würde man aus dem Fenster schauen.

Cruisedirektor Clayton hat eine siebenjährige Tochter, die in den Ferien gerne mal eine Kreuzfahrt mitmacht. Ihr Daddy spielt dann nur die Nebenrolle. „Sie sagt immer, wir sehen uns später beim Dinner“, erzählt er und schmunzelt. Und wo verbringt er seinen Urlaub, wenn er mal von Bord geht? „Sie werden lachen – ich mache eine Kreuzfahrt. Auf einem anderen Disney-Schiff“, sagt Clayton. „Manchmal“, meint Lloyd, „denke ich, wir sind alle selbst längst zu Disney-Figuren geworden.“

Infos zur Disney-Kreuzfahrt

DAS SCHIFF Die Disney Magic ist das erste von vier Schiffen, das für die Reederei Disney Cruise Line 1998 in Dienst gestellt wurde. Das Schiff ist 294 Meter lang, 32,20 Meter breit und hat 877 Kabinen, die bis auf wenige Ausnahmen mit bis zu vier Passagieren belegt werden können.

DIE ROUTEN Ab 1. Juni kreuzt die Disney Magic ab/bis Barcelona auf verschiedenen Routen von unterschiedlicher Dauer im Mittelmeer. Für vier Nächte geht es nach Nizza und Palma de Mallorca, für sieben Nächte nach Nizza, Florenz, Rom und Neapel, für zwölf Nächte bis Athen und Mykonos oder nach Venedig, Dubrovnik und Malta.

PREISE Vier-Nächte-Kreuzfahrt ab 796 US-Dollar (umgerechnet 583 Euro) in der Standard-Innenkabine. Sieben-Nächte-Kreuzfahrt ab 1015 US-Dollar (743 Euro), Zwölf-Nächte-Kreuzfahrt ab 2244 US-Dollar (1643 Euro).

KINDER AN BORD Ein ganzes Deck ist für Kinder zwischen 3 und 17 Jahren reserviert. Schon Babys ab zwölf Wochen werden in der Kindertagesstätte betreut. Ein Mickey Band am Handgelenk der Buben und Mädchen macht es möglich, den Nachwuchs per GPS jederzeit zu orten. In den Kabinen liegen zudem sogenannte Wave Phones bereit, mit denen Eltern und Kinder an Bord kommunizieren können.

KULINARISCH Es gibt verschiedene Restaurants mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Gäste können jeden Abend in ein anderes der drei Bordrestaurants wechseln – und das jeweilige Kellner-Team kommt mit. Das bedeutet, dass auf die Wünsche der Passagiere noch individueller eingegangen werden kann.

PREMIEREN AN BORD Wenn Disney-Filme in den USA im Kino anlaufen, können die Gäste der Disney-Schiffe sie per Disney Digital 3 D an Bord sehen.

REISETYP Kreuzfahrer, die mit der Mickey Maus aufgewachsen sind, werden ihre Freude an einem Aufenthalt an Bord des Disneyschiffs haben, und dem Alter sind dabei keine Grenzen gesetzt. Natürlich liegt der Fokus mehr auf Familien, aber Erwachsene finden durchaus ihre Bereiche auf den Schiffen, wo sie ungestört sind. Wer einen Trip auf den Disney-Schiffen in der Karibik bucht, sollte Englisch sprechen. Bei Reisen in Europa wird zwar die offizielle Bordsprache Englisch bleiben, doch man wird auch andere Sprachen abdecken. Die Menükarten in den Restaurants gibt es beispielsweise in fünf verschiedenen Sprachen.

INFO/BUCHUNG über verschiedene Kreuzfahrt-Reiseveranstalter, im Reisebüro oder unter www.disneycruise.disney.go.com.

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Die neuen Kreuzfahrtschiffe 2013

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