Studenten, Bier und Spitze

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Kaum ein Weg führt am Groten Markt vorbei - am späten Nachmittag streichen hier die Sonnenstrahlen über die Rathausfassade.

Leuven ist berühmt für seine Uni und seine vielen Kneipen. Beim Thema Bier lässt es Brüssel locker hinter sich.

Leuven ist eine Stadt, in der es sich viele gut gehen lassen - in den Kneipen und Cafés sitzen Touristen genauso gerne wie Studenten.

Donnerstags am Abend tobt das pralle Leben auf dem Oude Markt in Leuven in Belgien: In 45 Restaurants, Kneipen und Cafés rund um den Marktplatz sitzen Alt und Jung beisammen und lassen den Tag entspannt ausklingen. Auf den Terrassen vor den Kneipen bleibt kaum ein Stuhl leer. “Donnerstag ist der traditionelle Ausgehtag für die Studenten“, erläutert Stadtführer Luc Philippe beim Rundgang durch das historische Zentrum. “Denn am Freitag nach den Vorlesungen reisen die jungen Leute ins Wochenende zu ihren Eltern.“

Leuven - oder auch Löwen - mit seinen mehr als 90 000 Einwohnern ist Belgiens Studenten- und Bierstadt: Rund 35 000 junge Leute besuchen die im 15. Jahrhundert gegründete Universität, die älteste Belgiens. Am Rande des Stadtzentrums ist die Zentrale des Bierkonzerns Anheuser-Busch InBev, der bedeutendsten Brauereigruppe der Welt.

Junges Leuven, altes Leuven: Schon die Wikinger sollen der Überlieferung nach mit ihren kleinen Seeschiffen das Flüsschen Dijle bis Leuven heraufgeschippert sein. Zur großen Blüte kam die Stadt im späten Mittelalter. An der Handelsstraße von Köln nach Brügge gelegen, brachte der Handel mit Luxusgütern den Wohlstand in die Stadt. 1425 wurde die Universität gegründet. Mit dem Rathaus und der Sint-Pieterskerk gegenüber am Grote Markt entstanden in jenen Jahren zwei der schönsten gotischen Bauwerke in Belgien.

Baukunst aus dem Mittelalter: Das Rathaus gehört zu den markantesten Gebäuden Leuvens und zu den schönsten gotischen Häusern in ganz Belgien.

“Hoch hinaus wollten die Leuvener damals: Die Peterskirche sollte mit 175 Metern Höhe den damals höchsten Kirchturm der Welt bekommen“, erzählt Stadtführer Philippe. Das Vorhaben scheiterte kläglich - das kaum höher als das Kirchendach geratene Bauwerk stürzte teilweise ein, der Untergrund war zu schwach. “Der Grote Markt ist wie eine Theaterbühne: Hier inszeniert sich die Stadt selbst“, sagt Luc Philippe.

Besucher sollten spät auf den Platz gehen, rät der Stadtführer: Dann streichen flache Sonnenstrahlen über die Rathausfassade mit den 236 Sandsteinstatuen, die Künstler, Gelehrte, Heilige und bedeutende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte darstellen. Zu dieser Uhrzeit lohnt auch der Besuch der Peterskirche ganz besonders: Durchs helle Glas der Kirchenfenster tanzen die Lichtstrahlen über die Mauern des Hauptchores und bieten ein prächtiges Schauspiel von Licht und Farben.

Altes Leuven, lebendiges Leuven: Die Hochschulstadt ist auch Einkaufsmetropole in der Provinz Flämisch-Brabant. Während in der Fußgängerzone der Diestsestraat die Warenhausketten angesiedelt sind, halten sich in der Mechelsestraat zwischen der Sint-Pieterskerk und dem Vismarkt die kleinen Läden. Bei der Spitzenklöpplerin Lieve Lams im Laden “Serena“ gibt es nicht nur Geklöppeltes, sondern auch feine, kalorienreiche Leuvener Pralinen. 

Radfahren hat hier Tradition: Leuven ist eine Stadt, in der Studenten das Sagen haben.

Ein paar Häuser weiter lassen sich die Leuvener von den Fachfrauen der “Tafel van Feliz“ bei den Vorbereitungen ihrer Familienfeiern helfen. Gegenüber bietet der beliebte Laden “Elsen“ hunderte Sorten Käse an. Und noch ein paar Schritte weiter gibt es für die Liebhaber gezeichneter Geschichten im “Stripwinkel“ die neuesten Comic-Hefte. “AutentHip Leuven“ heißt der zweistündige Stadtspaziergang, bei dem Leuvens Besucher mit einem Cityguide die kleinen, versteckten Boutiquen und Geschäfte neuerdings entdecken können. Darüber hinaus erfahren die Gäste eine Menge über die Geschichte und die Tradition des Leuvener Handels und Handwerks.

Kunstfreunde sollten sich viel Zeit nehmen für den Besuch des Stadtmuseums in der Leopold Vanderkelenstraat mit dem einfachen Namen “M“ für Museum. Der 2009 eröffnete futuristische Neubau des Genter Architekten Stéphane Beel bietet einen reizvollen Kontrast zu den bedeutenden Malereien und Plastiken aus dem 15. und 16. Jahrhundert und Kunstwerken des 19. Jahrhunderts. Beim Rundgang eröffnen sich von den verschiedenen Etagen des Baus aus überdimensionalen Glasflächen überraschende Ausblicke auf das Häusermeer der Studentenstadt.

Bernd F. Meier, dpa

Zurück zur Übersicht: Reise

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser