Wo der Nikolaus wirklich herkommt

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Vor allem Brassen und Tintenfische fangen die Fischer von Üçagiz.

Kommt der Nikolaus mit einem Schlitten vom Himmel geflogen? Aus Lappland? Der Legende nach lebte der heilige Nikolaus vor über 1700 Jahren im Dorf Myra an der lykischen Küste. Spuren gibt es dort noch.

Update vom 5. Dezember 2016: Am Nikolaustag am 6. Dezember 2016 beschenkt der Heilige Nikolaus die Kinder. Wir haben zusammengefasst, was Sie zum Heiligen Nikolaus und den Bräuchen wissen müssen.

Der Sarkophag ist aufgebrochen und leer. Die Gebeine des heiligen Mannes, der hier einst begraben lag, haben räuberische Kaufleute schon vor 1000 Jahren ins italienische Bari geschafft. Trotzdem ebbt die Welle der Gläubigen nicht ab, die sich in der Nikolaus, dem Bischof von Myra, gewidmeten Basilika Glück, Gesundheit und Reichtum wünschen. Unablässig treten Menschen vor die Grabplatte und lehnen im Gebet ihren Kopf daran.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der russische Zar Alexander II. die Basilika wieder ausgraben und restaurieren lassen. Einst hatte der Schlamm des Flusses Demre das Gotteshaus unter sich begraben. Auch das alte Myra heißt heute so wie der Strom: Demre. Die, die hier wohnen, haben erkannt, dass sich mit Nikolaus gutes Geld verdienen lässt. Vor der Basilika steht ein rundlicher, von Kindern umringter Weihnachtsmann.

Nikolaus-Kitsch in Demre - der Heilige, der Bischof von Myra war, kann sich gegen solche Geschmacklosigkeiten nicht mehr wehren.

Hundert Meter weiter in der Fußgängerzone, durch die der Duft frischen Gebäcks zieht, steht unter Palmen eine Ausgabe des heiligen Mannes in leuchtendem Weiß und Rot. „Das ist der von Coca-Cola“, seufzt Fremdenführer Nejdet Akçali. Bei den Händlern sind Säckchen voll vermeintlich heiliger Erde ebenso im Sortiment wie kleine Nikolaus-Teppiche mit Flokati- Rauschebart. Immerhin halten es andere traditionell und verkaufen den Nikolaus als goldfarbene Ikone, in der unbeholfenen zweidimensionalen Darstellung des Mittelalters.

Der moderne Weihnachtsmann geht auf den Bischof von Myra zurück, der am 6. Dezember 345 oder 351 gestorben sein soll und sein ererbtes Vermögen an Bedürftige verteilte. Vor den Toren von Demre liegt die Ausgrabungsstätte von Myra. Wer die Verkaufsstände am Eingang hinter sich gelassen hat, tritt auf ein Gelände, auf dem der Wind vom Meer durch Olivenund Zitronenbäume streicht. Am Ende sind zahlreiche Felsgräber in den Stein des Gebirgsausläufers gehauen. „Die Lykier glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen von Vogeldämonen in den Himmel getragen werden“, erklärt der Fremdenführer. Deshalb wollte jeder möglichst hoch bestattet werden. Einst schiffte Rom Gefangene und Sklaven für das Reich in Myra um. Später verlor der Ort an Bedeutung. Erdbeben taten ein Übriges.

Malerische Fischerhäfen, schroffe Felsen, sehenswerte Ruinen

Sarkophag zwischen Oliven- und Zitronenbäumen - Myra ist heute eine Ausgrabungsstätte. In der Antike lebte hier der heilige Nikolaus.

Viele Relikte der prunkvollen Zeit liegen heute im Untergrund von Demre und Umgebung. Bauern spekulieren auf den Verkauf ihrer Grundstücke zu Ausgrabungszwecken. Nie ganz verschwunden war das griechisch-römische Theater mit 32 Reihen, 7000 Sitzen und dem dreistöckigen Bühnenhaus neben den Felsengräbern. Von den oberen Reihen schweift der Blick über Minarette und Zypressen. Das Zwitschern der Vögel hallt im Trichter des Theaters wieder. Rund 20 Kilometer westlich liegt der Ort Üçagiz und davor, auf einer Insel das halbversunkene Kekova. Die Straße dorthin führt am Meer entlang. An der gewundenen Zufahrt hinab nach Üçagiz wartet ein Imker auf Käufer für seinen Pinienhonig. Es gibt nur wenige, meist alte Häuser im Dorf. Neu gebaut werden darf hier nicht mehr.

An den Anlegern ankert eine Armada hölzerner Ausflugsboote. Sie übertreffen die Zahl der Fischerboote bei Weitem. Mit einem der Boote geht es hinaus in die Bucht. Der Ort Simena mit seiner alten Festung und dem kleinen römischen Theater zieht am Horizont vorbei. In den Hügeln sind die Felsquader lykischer Sarkophage zu sehen. Dazwischen taucht eine Gruppe Wanderer auf, die auf dem 500 Kilometer langen lykischen Pfad unterwegs ist, der von Antalya nach Fethiye führt.

kristallklares Wasser und antike Stätte.

Glasböden in den Booten erlauben bei ruhiger See einen Blick in die Vergangenheit: Krüge und andere Spuren sind längs der sieben Kilometer langen Insel Kekova zu sehen. Die gleichnamige lykische Stadt wurde von einem Erdbeben zerstört, dabei versank ein Teil der Insel. Wer genau hinsieht, erkennt die Grundrisse von Häusern.

Tauchen ist hier nicht erlaubt, baden und schnorcheln vom Boot aus schon. An Land geht es zurück nach Osten in den Olympos-Nationalpark. Die überwucherten Ruinen der gleichnamigen Stadt liegen an einem plätschernden Bach unweit des Strandes. Olympos war in der Antike berühmt für seinen Kult um den Feuergott Hephaistos. Es müssen mächtige, weithin über das Meer sichtbare Flammen aus den Chimaira genannten Feuerfeldern geschlagen sein.

Auch wenn heute weniger Gas aus dem Erdinneren austritt und sich an der Luft entzündet, so ist das Naturschauspiel immer noch beeindruckend. Einer der höchsten Berge im Park ist mit 2365 Metern der Tahtali. Seit einem Jahr fährt eine Seilbahn von Tekirova aus hinauf. Auf dem ab November bis Juni schneebedeckten Gipfel wartet ein Restaurant mit Sonnenterrasse auf Ausflügler – fast wie daheim in den Alpen. Doch eine spektakuläre Sicht entlang der Riviera in Richtung Antalya und zurück bis tief hinein nach Lykien holt uns zurück zur Geburtsstätte des Nikolaus.

Dirk Averesch

REISE-INFOS ZUR LYKISCHEN KÜSTE

Türkei - Die Küste von Lykien. 

REISEZIEL Das alte Myra war eine der sechs größten Städte des Lykischen Bundes. Sie heißt heute wie der Strom Demre und liegt an der Südküste der Türkei. Die alte Region Lykien ist als Reiseziel nicht nur wegen ihrer 43 antiken Stätten interessant. Badeurlauber können sich an kristallklarem Wasser erfreuen, Naturfreunde an der spektakulären Landschaft, die von den bis zu 3000 Meter hohen Ausläufern des Taurus-Gebirges geprägt wird.

ANREISE Zahlreiche Ferienflieger fliegen von allen großen deutschen Flughäfen in dreieinhalb Stunden nach Antalya.

WOHNEN Individualreisende finden in den Touristenzentren rund um Antalya und Kemer Hotels aller Kategorien und auch in den kleineren Orten zumindest Pensionen.

MIETWAGEN Am Flughafen von Antalya bieten alle namhaften Verleihfirmen Mietwagen an.

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