Baulicher Akzent in Mainz

Römisch-Germanisches Zentralmuseum präsentiert sich ganz neu

Die Bauarbeiten am Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz sind in vollem Gange. Foto: Thomas Frey/dpa
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Die Bauarbeiten am Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz sind in vollem Gange. Foto: Thomas Frey/dpa

Die Römer gehören zu Mainz wie der Dom, die Fastnacht der Wein. Die Landeshauptstadt beherbergt dazu das Römisch-Germanische Zentralmuseum. Das 1852 gegründete Haus geht ab 2021 neue Wege.

Mainz (dpa) - Rötlicher Klinker nach römischem Muster und riesige Fenster: Der rund 60 Millionen Euro teure Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) setzt zusammen mit dem benachbarten Museum für Antike Schifffahrt einen neuen städtebaulichen Akzent in Mainz - zwischen Altstadt und Rhein.

Das 168 Jahre alte Museum und Forschungsinstitut soll nach dem Willen seiner Generaldirektorin Alexandra W. Busch zudem "ein Ort des kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Austauschs werden". "Mit dem Neubau macht unser Institut einen Quantensprung", sagte die Wissenschaftlerin am Mittwoch bei einem Rundgang über die Baustelle.

Moderne Arbeitsbedingungen für die Spitzenforschung, wie ein auf die Archäologie zugeschnittener Computertomograph gehörten auch zu dem "epochalen Schritt der Weiterentwicklung" des RGZM, sagte Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD).

Im Sommer 2021 wird das lichtdurchflutete Museums- und Forschungsgebäude voraussichtlich bezugsfertig sein - gut vier Jahre nach der Grundsteinlegung. Der Umzug der rund 200.000 Ausstellungsstücke vom alten seit 2016 geschlossenen Standort im Kurfürstlichen Schloss werde etwa drei Monate dauern, sagte Busch. Dazu kommt die archäologische Forschungsbibliothek - eine der bedeutendsten in Europa - mit rund 200.000 Monografien und Zeitschriften. Sie sei international gefragt und werde künftig 80 statt bisher nur 26 Arbeitsplätze für Forscher und Studenten haben.

Für die Restaurierung von Metall, Glas, organischen Materialien und Keramik oder zur Abformung von Funden entstehen moderne neue Räume. Diese zwölf Werkstätten seien gefragte Partner in internationalen Projekten. Den Ötzi und die Maske Tutanchamuns nannte Busch als Beispiele.

Die neue Dauerausstellung werde zwar erst 2023 fertig sein, das Haus aber bereits nach dem Bezug auch der Öffentlichkeit offen stehen. Ein Café, ein Foyer mit Freitreppe und ein begrünter Platz vor dem Neubau sollen dazu dienen. Eine riesige LED-Leinwand und Kunst am Bau sollen die Aufmerksamkeit auf das Gebäude und die Inhalte lenken. Neu ist auch eine museumspädagogische Abteilung mit Angeboten für Jung und Alt. Die Dauerausstellung werde sich in sechs Themen aufteilen mit je 150 bis 200 Ausstellungstücken, sagte Busch, ohne schon Einzelheiten zu nennen. Daneben ist ein Extra-Raum mit einer Ausstellung über die Geschichte des RGZM geplant. Eine 4 mal 13,5 Meter große Installation aus rund 1200 Objekten soll darin die Vielfalt der Forschungsthemen zeigen und "zum Staunen einladen". Ein Schwerpunkt werde auch die Provenienzforschung sein, als die Forschung zu der Herkunft von Kunstwerken. "Vieles ist nicht rechtmäßig in den Kunsthandel gekommen."

Den Besuchern würden aber nicht einfach Artefakte präsentiert, "sie sollen verstehen, was wir in der Archäologie tun", sagte Busch. "Wir forschen über 2,6 Millionen Jahre Menschheitsgeschichte auf drei Kontinenten - Europa, Afrika und Asien." Ziel sei es das Zusammenspiel individueller Bedürfnisse und Verhaltens aufzuzeigen. "Was festigt Gesellschaften? Was führt zu Umbrüchen?" Dabei würden moderne Medien so eingesetzt, dass sich die Besucher auch einbringen könnten.

© dpa-infocom, dpa:200930-99-773343/3

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