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Vom Schwarzen Meer bis Kiew: Fluss für Fortgeschrittene

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Breiter Fluss: Nicht jeder Vogel schafft es bis zur Mitte des Dnjepr, besagt ein urkrainisches Sprichwort.

Rhein und Donau, das sind die Klassiker unter den Routen, sozusagen Flüsse für Anfänger. Fortgeschrittene wagen sich an den Dnjepr.

Es ist eine faszinierende Tour der Gegensätze: Prachtvolle Paläste aus der Zarenzeit und Plattenbauten aus der Stalin-Ärä säumen seine Ufer. Autor Heinz Wilhelm reiste von Odessa stromaufwärts nach Kiew.

Odessa im Frühling

Rhein und Donau haben sie bereits mit dem Schiff erkundet. Jetzt ist der mit 2285 Kilometern drittlängste Strom Europas dran, der Dnjepr. Klaus Lichtenberger (80) und seine Frau Friedburg (76) legen die 1642 Kilometer von Odessa am Schwarzen Meer bis in die ukrainische Hauptstadt Kiew an Bord der MS Watutin zurück. Acht Tage Fahrzeit. Ihr persönlicher Höhepunkt: ein Abstecher auf die Krim-Halbinsel, bekannt als die Riviera des Schwarzen Meeres.

Die beiden rüstigen Schwaben sind mit die ältesten unter den rund 200 vornehmlich deutschen Gästen an Bord. In ihrer Begleitung ist auch der jüngste Passagier: ihr Urenkel Nick (7), der kleine Fußballfan. In der Ukraine findet schließlich 2012 die nächste Fußball-Europameisterschaft statt. Kiew ist Spielort, sogar für das Finale am 1. Juli.

Die Einrichtung der Watutin ist einfach: Fünf Passagierdecks mit zweckmäßig ausgestatteten Außenkabinen, alle mit Klimaanlage und großen, zu öffnenden Fenstern. Im großen Panoramasaal gibt’s neben täglichen Folkloredarbietungen auch Sprach- und Malkurse, an der Bar am Bug wird abends getanzt, auf dem Sonnendeck morgens Frühsport gemacht. Ansonsten ganztägig: der Genuss der vorbeiziehenden Landschaft.

Bevor das Schiff ablegt, ist Odessa ein Muss: In der Hafenstadt residierte einst Zarin Katharina die Große mit ihren Liebhabern – unter anderem Graf Potemkin, nach dem auch die 192-Stufen-Treppe vom Hafen hinauf in die Innenstadt benannt ist. Man entdeckt wunderschön restaurierte Kirchen und Prachtalleen, Paläste und Jugendstilhäuser. Wer um die Ecke blickt, sieht allerdings auch den Verfall.

Krim-Wahrzeichen: das sogenannte Schwalbennest

Vor der Fahrt in das Dnjepr-delta kreuzt die MS Watutin über das Schwarze Meer zur Halbinsel Krim. Hier im Süden des Landes herrscht mildes Klima, das wie eh und je Kurgäste anzieht. An der Riviera des Schwarzen Meeres liegen so geschichtsträchtige Orte wie Jalta und Sewastopol. Erst seit 1996 ist die einst geheime Stadt, in der die ukrainische und russische Schwarzmeerflotte liegt, für jedermann zugänglich. Sehenswerter als die wiederaufgebaute Stadt mit den vielen pompösen Heldendenkmälern sind die nahegelegenen Ruinen von Chersones – eine griechische Kolonie aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, die reich an archäologischen Zeugnissen ist.

Per Bus gehts nach Jalta an der südlichen Krim. Eine unglaublich schöne, hüglige Landschaft, die mit ihren Zedernwäldchen an die Toskana oder die französische Mittelmeerküste erinnert. Stopp vor dem Wahrzeichen der Krim: Dem berühmten Schlösschen namens Schwalbennest, das auf einem Felsenvorsprung über dem Meer thront. Es wurde 1912 vom deutschen Ölbaron Steingel errichtet. Jetzt beherbergt es ein italienisches Restaurant. Am steinigen Strand von Jalta tummeln sich die Badegäste.

Zurück über das Meer in Richtung Dnjepr-Delta. Die MS Watutin gleitet durch die Lagune, am Ufer Schilf, Enten, Frösche, Fischreiher und brütende Vögel. Ab und zu winken Fischer oder Sonnenbadende vom Ufer herüber. Schön still ist es hier. Viel Grün und viel Weite – eine wundervolle Landschaft.

Bei Cherson teilt sich der Dnjepr in drei Arme. Die Gäste steigen in kleinere Ausflugsschiffe. Beim Übersetzen auf die Fischerinsel Zierl spielen Musiker in Tracht „Kalinka“. In ihren alten Höfen auf Zierl verbringen einige Ukrainer den Sommer. Die Gäste werden von Kindern mit Feldblumen begrüsst.

Nächster Tag. Schon beim Frühsport macht sich auf dem Oberdeck der Watutin ein unangenehmer Geruch breit. Die Industriestadt Saporoschje ist in Sichtweite. Ausflug zu einer Reitershow im Kosakenmuseum. Dann gehts weiter in Richtung Kiew – 555 Kilometer.

Durchsetzt von Goldkuppeln der Kirchen und Kathedralen erscheint am Horizont die Skyline der Millionen-Metropole mit ihren Wolkenkratzern. Auf der MS Watutin stehen die Passagiere Schlange bei der Ausflugbuchung. Die Sophienkathedrale wollen sie sehen, das Höhlenkloster und das Freilichtmuseum. Doch Nick, den kleinen Fußballfan, interessiert vor allem eins: „Wo ist das Stadion, wo Sebastian Schweinsteiger und Philipp Lahm im Sommer mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Finale spielen?“ Er ist sich ganz sicher, dass sie da spielen werden ...

REISE-INFOS ZUM DNJEPR

REISEZIEL Der Dnjepr ist mit 2200 Kilometern der drittlängste Strom Europas. Die rund 1000 Kilometer lange Kreuzfahrt zwischen Odessa am Schwarzen Meer und Kiew führt durch ausgedehnte, tierreiche Wald- und Steppenlandschaften, vorbei an historischen Kosakensiedlungen. Die Ukraine ist seit 1991 unabhängig und nach Russland der zweitgrößte Staat Europas. Länderinfos zur Ukraine lesen Sie hier

ANREISE Linienflug von München nach Odessa mit Cech Airlines (über Prag) oder mit Malev (über Budapest) nach Kiew.

DAS SCHIFF Die MS Watutin ist 129 Meter lang und 16,7 Meter breit. Das Mittelklasseschiff hat 156 Außenkabinen für maximal 280 Passagiere. Panorama-Restaurant, zwei Bars, Sonnendeck mit Liegestühlen, Bordfriseur und Bordarzt. Zahlungsmittel an Bord ist die Griwna. Die Betreuung und Information der Gäste erfolgt auch in Deutsch und Englisch vornehmlich durch engagierte und liebenswerte ukrainische Studenten, die Deutsch studieren.

ROUTE Die Reise „Dnjepr-Dreiklang“ (10 Tage) startet in Odessa am Schwarzen Meer. Von dort geht es zunächst auf die Krim nach Sewastpol und Jalta. Schließlich durch das Dnjeprdelta nach Cherson, Saporschje bis nach Kiew.

PREISE inklusive Linienflug und Vollpension ab 1149 Euro pro Person in einer Zweibettkabine. Ausflugspaket (acht Ausflüge) 179 Euro.

REISEZEIT/KLIMA Die Saison der Dnjepr-Kreuzfahrten beginnt Mitte Mai und endet im September (letzte Abfahrt am 18.9.). In dieser Zeit ist das Klima an der Schwarzmeerküste und an der Krim mediterran warm.

REISETYP Für Naturfreunde und Flusskreuzfahrtenliebhaber, die die klassischen westeuropäischen Ströme bereits befahren haben. Ideal speziell für ältere Reiselustige, die rundum versorgt auf der Krim sowie in Kiew und Odessa auf Entdeckungstour gehen wollen.

INFO & BUCHUNG über den Flussschiff-Veranstalter Nicko Tours, Service-Hotline 0180/3444300 (9 Cent/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent/Min.), unter www.nicko-tours.de oder im Reisebüro.

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