Reise

Shanghai auf Münchnerisch

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Die Fotomontage des Architekturbüros Gensler zeigt den künftig höchsten chinesischen Wolkenkratzer in Shanghai.

Shanghai - Nach den Olympischen Spielen steht China 2010 wieder einmal im Focus: Dann beginnt in Shanghai die Weltausstellung Expo, und es soll die größte der Expo-Geschichte überhaupt werden.

Schließlich ist Shanghai auch die größte Stadt im Reich der Mitte – und zugleich seine weltoffenste. Viele der jüngeren Einheimischen sprechen zumindest ein paar Brocken Englisch – ein Ort also, an dem sich das auf den ersten Blick so fremde Land gut kennenlernen lässt. Der Münchner Journalist Robert Zsolnay erarbeitete für den Michael Müller Verlag einen detailgenauen Reiseführer für die Mega-City am Jangtse-Fluss. Seine persönlichen Tipps aus einem Münchnerisch-bayerischen Blickwinkel stellt er hier vor. Denn bekanntermaßen sucht der Fremde in der Ferne ja immer das Vertraute – unterbewusst zumindest.

Prachtmeile Bund

Was dem Münchner seine Leopoldstraße ist dem Shanghaier die koloniale Prachtmeile Bund. Einmal diese Uferpromenade entlang zu flanieren und die Parade der architektonischen Schönheiten abzunehmen, sollte sich niemand entgehen lassen. Vor allem die Hongkong and Shanghai Banking Corporation mit ihrer üppig verzierten Eingangshalle zeugt von der reichen Geschichte der Stadt.

Paradiesischer Yuyuan Garten

Der im 16. Jahrhundert von einem reichen Kaufmann angelegte Garten war Glanzstück der einst von einer Stadtmauer geschützten Altstadt. Die Mauer ist, wie weite Teile der Altstadt, inzwischen abgerissen. Der rund 20 000 Quadratmeter große Garten mit seinen Mondtoren, Hügeln und Teichen jedoch ist geblieben – ein Paradies, viel kleiner als unser Englischer Garten, aber auch verspielter, abwechslungsreicher, kunstvoller.

Huxinting Teehaus

Wir Münchner haben ein Seehaus, die Shanghaier ein schmuckes Teehaus. Inmitten eines Teichs nahe des Yuyuan-Gartens steht der alte Huxinting-Pavillon, erreichbar über eine Zickzack-Brücke mit neuen Biegungen, die östlichem Aberglauben zufolge für böse Geister unpassierbar ist. Wer früh kommt (geöffnet ab 8 Uhr), genießt eine einmalige Atmosphäre.

Kunststück Longhua-Pagode

Shanghai besitzt mit der Longhua-Pagode ein Musterstück alter Baukunst aus der Song-Dynastie (960-1279), das mit knapp 41 Metern Höhe unseren geschätzten China-Turm (25 Meter) im Englischen Garten bei weitem überragt.

Pu-La-Na im Biergarten

Wer von Heimweh geplagt wird und sich mit einer Maß Hellem trösten möchte, kann das Paulaner-Bräuhaus aufsuchen, das in Shanghai gleich mit drei Filialen vertreten ist. Biergarten-Atmosphäre verbreitet jedoch nur jene in der Fenyang Lu, wo bedirndelte Chinesinnen die mit Pu-La-Na gefüllten Krüge servieren – zu Wiesn-Preisen. Man sollte allerdings unbedingt auch die einheimische Biermarke Tsingtao probieren.

Aussicht vom Jinmao Tower

Noch eine Pagode, aber was für eine! Der wohl schönste Wolkenkratzer in der futuristischen Skyline der Stadt misst knapp 421 Meter und hat ein Aussichtsdeck. Das Bauwerk im Stadtteil Pudong ist besonders gelungen, weil es Elemente traditioneller chinesischer Baukunst mit westlicher Architektur vereint. Der Blick vom Münchner Olympiaturm (291 Meter) kann da nicht mithalten.

Sundowner mit Höhenrausch

Der Blick über die Wolkenkratzer-Landschaft gehört zu jenen Momenten, in denen Shanghai einem die Sprache verschlägt. Solche Momente zelebriert man am besten abends mit einem Drink in der Hand. Einer der schönsten Aussichtspunkte ist die Bar im Royal Le Meridien Hotel in der Nanjing Dong Lu: Hinter der Glasfassade der 61. Etage kommt man sich vor wie ein Pilot im Landeanflug. Irgendwo hinter dem Häusermeer muss die Landebahn liegen. Bei allem Patriotismus: So etwas hat München nicht zu bieten.

Maglev-Magnetschwebebahn

Maglev steht für magnetic levation – magnetisches Schweben: Mit 420, 425, 430 Kilometer pro Stunde werden Ankömmlinge vom Flughafen Pudong in Richtung Innenstadt katapultiert. Die Blicke der Passagiere haften gebannt auf der Geschwindigkeitsanzeige. Auch Edmund Stoiber war Mitte des Jahrzehnts mal hier, um zu erleben, wie sich’s im Transrapid in Wirklichkeit so fährt. Zuhause in München konnte er sein Lieblingsspielzeug, den umstrittenen Flughafen-Transrapid, ja bekanntlich nicht durchboxen.

Geschichte im Shanghai-Museum

Wer sich für alte chinesische Kunst und Kultur interessiert, für den ist dieses wohl beste Museum im Reich der Mitte ein Muss. Bronzen, Skulpturen, Tuschemalereien – Kunstwerke einer knapp 4000 Jahre alten Hochkultur werden spannend und zeitgemäß präsentiert. Das Ganze steht dem Reiz der Münchner Pinakotheken in nichts nach.

Einkaufsmeile Huaihai Lu

Gucci, Pucci, Fiorucci – Modebegeisterte kommen in der Einkaufsstraße Nummer eins der Shanghaier voll auf ihre Kosten. Neben Fashion-Shops mit internationalen Marken gibt es auch einheimische Designer zu entdecken. Wer es eher alternativ mag, besucht die trendigen Boutiquen der Xinle Lu – da kommt Glockenbach-Viertel-Stimmung auf.

Party im Club Attica

Definitiv die Party-Location mit dem faszinierendsten Ambiente (15 Zhongshan Xi Lu). Von der Dachterrasse genießt das internationale Publikum den Blick auf eine atemberaubende Wolkenkratzer-Kulisse – Shanghais Nachtleben misst sich mit Tokio, New York und London. Dagegen ist München tiefste Provinz. P1 go home!

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