Harmlos oder giftig

Quallen - Glibbertiere auf Expansionskurs

+
Quallen können einen den Urlaub vermiesen.

Schöne Urwesen oder einfach nur glibbrig? Quallen können vielen Strandurlaubern den Sommer vermiesen. Plötzlich bevölkern die Wassertiere ganze Küstenabschnitte, doch viele Arten sind harmlos.

Update vom 3. Juli 2018: Wie gefährlich sind sie für Urlauber? Wir verraten Ihnen alles, was Sie zu der Portugiesischen Galeere, der giftigen Qualle auf Mallorca, wissen müssen.


Sommerurlauber an den deutschen Küsten müssen sich das Wasser häufig mit zwei Glibbertieren teilen: der harmlosen Ohrenqualle und der gelben Haarqualle. Mit letzterer hat so mancher Badegast schon Erfahrung gemacht. Unter Urlaubern ist sie unter dem Namen Feuerqualle berühmt-berüchtigt.

Die verbrennungsähnlichen Hautblessuren durch Feuerquallen seien vor allem schmerzhaft, sagt Quallenforscher Lutz Postel vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Wirklich gefährliche Arten gebe es in Europa nicht. Ganz anders an der australischen Nordküste: Die Begegnung mit der dort heimischen Würfelqualle endet nicht selten mit einem Herzstillstand.


Die in der Ostsee heimischen Ohrenqualle sind für Menschen ungefährlich.

Trotzdem graust es auch vielen europäischen Badegästen vor den glibberigen Meerestieren. Fischer stören sich an von Quallen verstopften Netzen, Kinder zerhacken die am Strand angeschwemmten, scheinbar leblosen Medusenkörper mit der Schaufel. Beinahe wie von einem anderen Stern erscheinen die seltsamen Wesen, die zu 90 Prozent aus Wasser bestehen und weltweit in unterschiedlichsten Farben und Formen vorkommen.

Die Quallen sind nur ein Stadium in der Entwicklung der Nesseltiere: Mit dem Wechsel in die nächste Generation geht für die Tiere ein Gestaltwechsel vor sich. Während die eine Generation aus winzigen Polypen besteht, die am Meeresgrund und auf Steinen siedeln, schwimmt die folgende Generation in Gestalt glibberiger Medusen durch die Meere.

Schrecken am Strand: Die Leuchtquallen (Pelagia noctiluca), auch Feuerquallen genannt, kommen im Mittelmeer vor. Die Nesselzellen der Fangtentakel durchdringen die Haut.Das Nesselgift löst stechende Schmerzen aus.

Welche Form gerade am Zug ist, hängt in Europa von der Saison ab. Im Winter gibt es Polypen, im Sommer Quallen. Und die betreiben Brutpflege wie andere Tiere auch. Mit ihrem Sehsinn unterscheiden sie hell und dunkel. „Das sind so Sachen, die man normalerweise nicht so kennt und weiß, und daher sind die Tiere einem nicht so sympathisch“, sagt Postel. Wann es zu besonders quallenreichen Jahren kommt, hätten die Wissenschaftler mittlerweile herausgefunden, erläutert der Forscher. „Bei kalten Wintern pflanzen sich die Polypen besonders gut fort. Und wenn es kalte Winter sind und wir warme Sommer haben, wo dann die Schirmquallen gut wachsen, dann haben wir, was die Biomasse angeht, biomassereiche Quallenjahre.“

Vermehrt treten Quallen aber auch dann auf, wenn natürliche Fressfeinde fehlen. Die Überfischung der Ozeane ist für Quallen eine positive Entwicklung. Auch die Klimaveränderung mit wärmeren Sommern könne den Medusen zugute kommen, sagt Postel.

Es sind äußere Bedingungen, die entscheiden, an welchen Stränden die Quallen in besonders großer Zahl auftauchen. „Es ist so, dass sie zum Plankton gehören und planktische Organismen sind von der Meeresströmung abhängig, sie können sich in gewisser Weise selbst bewegen, aber sich nicht gegen die Strömung durchsetzen oder Wanderungen vornehmen wie beispielsweise die Fische.“

Reisekrankheiten -  Souvenirs die unter die Haut gehen

durchfall
Die mit Abstand häufigste Reiseerkrankung ist  Durchfall. In den meisten Fällen ist der Reisedurchfall eine Schutzreaktion des Körpers. Gifte und Krankheitserreger sollen auf schnellstem Wege ausgeschieden werden. Ruhe ist das beste Therapeutikum. Schutz: Bevorzugung gekochter Speisen, Obst schälen, Eiswürfel vermeiden, Körperhygiene © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Ulcus Molle oder Weicher Schanker ist eine sexuell übertragbare, vor allem in den Tropen häufig auftretende Krankheit. Sie äußert sich wenige Tage nach Ausbruch durch Hautgeschwüre an den Geschlechtsorganen. Vor allem Männer sind gefährdet. Schutz: Verhütung mit Kondom © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Fußpilz lauert überall im Urlaub, wo sich viele Menschen barfuß bewegen. Denn, Schwimmbad, Hotelzimmern- und Kabinenböden tummeln sich Hautpartikel, die mit Pilzsporen versehen sein können. Eine Wunde am Fuß oder ein schwaches Immunsystem genügen um sich zu infizieren. Der Pilz löst starken Juckreiz aus und ist sehr hartnäckig. Schutz: Haus- und Badeschuhe, Flip Flops, Desinfektion © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Madenwürmer leben im Dickdarm des Menschen. Sie sind ein häufig vorkommender Parasit der vor allem Kinder befällt und starken Analjuckreiz auslöst. Nach dem Baden in unreinen Hotelpools oder dem Spielen am Sandstrand ist die Gefahr besonders groß.  © dpa
Schutz: Die Fingernägel kurzhalten- und die Hände oft und gründlich mit Seife gewaschen. Stuhlgang beobachten, Hygiene nach dem Toilettengang, Familienmitglieder vorbeugend mitbehandeln  © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Die  Feuerqualle ist ein Nesseltier und lebt in Nord- und Ostsee sowie im Atlantik. Gefahr besteht durch Kontakt mit dem Tier, aber auch durch abgestoßene, frei schwebende Tentakel. Das Nesselgift verursacht rote brennende Striemen auf der Haut. Im schlimmsten Fall können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl oder sogar Herzprobleme auftreten. Schutz: Auf Gefahrenschilder achten, Schutzcreme © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Hepatitis A ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-A-Virus verursacht wird. Die Infektion kommt vor allem in bestimmten Regionen wie Süd- und Südosteuropa, Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika vor. Symptome sind Durchfall, Abgeschlagenheit, Gelbsucht sowie Kopf- und Gliederschemrzen. Die Krankheit wird durch unreines Trinkwasser und Schmierinfektion übertragen. Schutz: Impfung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Lungenegel: Die Krankheit tritt in Ostasien, im tropischen Afrika sowie in Mittel- und Südamerika auf. Nach dem Verzehr roher infizierter Krabben oder Krebse, wandern die Larven aus dem Darm über die Lebervene in die Lunge. Hauptsymptom ist ein blutiger- und schleimiger Hustenreiz. Die Egel können in der Lunge bis zu 20 Jahre überleben. Schutz: In gefährdeten Gebieten Krabben- und Krebsarten ausschliesslich gekocht verzehren. © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Vor allem bei Tauchurlauben besteht erhöhte Gefahr für eine Ohreninfektion. Sie entsteht wenn bakteriell infiziertes Wasser in den Gehörgang kommt. Der Gerhörgang ist eine perfekte Brutstätte für die Bakterien. Kinder sind eine Hochrisikogruppe. Es empfiehlt sich nach Schnorchel- und Tauchgängen die Ohren mit Süßwasser zu spülen. Schutz: Ohrenreinigung beim HNO vor Abreise, Süßwasserspülung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Schimmelpilze können einen Vielzahl von negativen körperlichen Reaktionen hervorrufen. Diese treten relativ bald nach Sporenkontakt auf. Husten, Bronchitis, Fieber, Hautreizungen und Magen-Darm-Krankheiten sind nur eine Auswahl der möglichen Folgen. Besonders Kinder sind sehr gefährdet. Schutz: intensives Stoßlüften © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Mallorca-Akne entsteht durch das Zusammenwirken von UV-Strahlung und fetthaltigen Sonnenschutzmittlen. Sie äußert sich durch starken Juckreiz und Pustelbefall. Nach dem ersten intensiven Sonnenbad treten Ausschläge und Pusteln am Dekolleté, der Haut und den Beinen auf. Betroffen sind häufig junge Menschen mitteleuropäischer Herkunft. Schutz: fettfreie Sonnenschutzmittel, Vitamin E, Beta-Karotin-Einnahme, zu Urlaubsbeginn auf ausgiebige Sonnenbäder verzichten © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
In Afrika, Ostasien, Mittel- und Südamerika leben Mückenarten, die für uns weitaus gefährlicher als europäische Mücken sind. Sie übertragen lebenbedrohliche Krankheiten wie Malaria und das Denguel-Fieber. Nach Einbruch der Abenddämmerung, empfiehlt es sich lange Ärmel und Hosenbeine zu tragen. Schutz: Moskitonetze, Fliegengitter, Mückenschutz, Aufenthalt in klimatisierten Räumen © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Blutegel leben vorzugsweise in Gewässern und Wäldern tropischer Regionen Afrikas, sowie in Süd- und Mittelamerika. Mit ihren Saugnäpfen an den Körperenden saugen sie sich an der Haut fest. Um ans Blut zu gelangen schneiden sie mit ihrem Kiefer eine kleine Wunde in die Haut. Sind sie satt, lassen sie sich  fallen und hinterlassen eine Hautrötung. Schutz: Ätherische Öle, Zitronensaft, Essig, Nylonstrümpfe © dpa
Sonnenbrand
Der "klassische" Sonnenbrand zählt zu den unterschätztesten Hauterkrankungen überhaupt. Diese Entzündung zeigt sich durch eine Rötung oder Schwellung der betroffenen Stellen. Es können über Jahre sogar Tumore und Geschwülste entstehen. Schutz: Meidung von starker Sonnenbestrahlung, Wahl des geeigneten Lichtschutzfaktors der Sonnencréme  © dpa

Es könne durchaus sein, sagt Postel, dass an einem Tag in einer deutschen Bucht tausende Quallen auftreten, die dann eine Woche später an der dänischen Küste auftauchen - je nach Wind und Strömung. Die flachen Küstengewässer, in denen es für Badegäste oft zu unerfreulichen Begegnungen kommt, sind jedenfalls nicht das Gebiet, in dem sich die Nesseltiere bevorzugt herumtreiben: Feuerquallen fühlen sich in sehr salzigem, kaltem Tiefenwasser wohl.

In weniger kühlen und verregneten Sommern als in diesem Jahr können Menschen auch weit ab vom Meer Quallen zu Gesicht bekommen: Etliche Berliner waren überrascht, als 2006 plötzlich abertausende Quallen Havel und Wannsee bevölkerten. Süßwasserquallen seien in dieser Region und bei warmen Wassertemperaturen keine Seltenheit, sagt die Direktorin des Berliner Fischereiamts, Susanne Jürgensen.

Die große Zahl der Quallen, die vor sechs Jahren in Berliner Binnengewässern auftauchten und die nicht größer als eine Zwei-Cent-Münze waren, sei allerdings schon etwas besonderes gewesen - und eigentlich ein Grund zur Freude. „Die Quallen sind ein Zeichen für gute Wasserqualität.“

dpa

Was tun bei Kontakt mit Quallen?

Quallen - nach Kontakt mit einer Nesselqualle die brennenden Hautstellen nur mit Essig oder Meerwasser übergießen!

Bei Kontakt mit Würfelquallen nur Essig verwenden. Hautstellen auf keinen Fall mit den Händen abreiben oder mit Süßwasser abspülen. Denn meist befinden sich noch ungeplatzte Nesselkapseln auf der Haut, die durch das Reiben aufgehen können.

 

Mehr zum Thema:

Spanien: Quallen-Alarm an der Costa del Sol

Finger weg von toten Quallen!

Giftquallenplage an spanischen Stränden

Reise: Die besten Gesundheitstipps für den Urlaub

 

Kommentare