Das Spiel des Lebens

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Die Botschaft lautet: „Erarbeite dir, was du willst. Was auf dem Platz klappt, klappt auch im Leben.“

Für Südafrikaner ist Fußball zum Bindeglied zwischen Arm und Reich geworden. Es bedeutet Zukunft. Tanja Weimer berichtet über zwei Hotelbesitzer und deren Projekte mit Kindern aus den Townships.

Ein paar Häuser, eine holperige Straße, ein paar hundert Einwohner. Mehr gäbe es über Huntington, ein Kaff in der Provinz Limpopo vor den Toren des Krüger Nationalparks, kaum zu sagen. Wäre da nicht dieser staubige Acker am Ortsrand mit den zwei Toren. Und jenes Projekt mit dem bezeichnenden Namen Dreamfields – Traumfelder.

Südafrika - Natur pur

Südafrika - Natur pur

In Huntington findet an diesem Tag das große Endspiel zwischen der heimischen Hundzukani Primary School und der Vuyelani Primary School aus Lillydale statt. Beim Stand vom 1:1 geht es ins Elfmeterschießen, der Platz tobt. „Endlich ist hier mal was los“, grinst James, neun Jahre alt. James trägt Schuluniform und zerfledderte Sandalen. Die Spieler tragen zu ihren funkelnagelneuen Trikots funkelnagelneue Fußballschuhe.

Hilton Loon, Chef der Sabi Sabi Private Game Reserve

Das ist Hilton Loon, Besitzer der Fünf-Sterne-Lodge Sabi Sabi, zu verdanken. Der 67-Jährige ist Sponsor des Turniertages und hat die komplette Ausrüstungen für je 15 Spieler finanziert. 6000 Rand, 640 Euro, hat ihn das gekostet. Geld das gut invesiert ist in die Zukunft Südafrikas. Seit drei Jahrzehnten betreibt Loon sein Privatreservat am Krüger-Nationalpark. Dass die Menschen aus den umliegenden Ortschaften in seiner Lodge Arbeit finden, ist für Loon selbstverständlich, dass sie bei ihm Karriere machen können, ebenso. Das ist in Südafrika auch fast 20 Jahre nach Ende der Apartheid eher die Ausnahme. Neben Dreamfields unterstützt Hilton Loon ein Waisenhaus, einen Kindergarten, ein Projekt für Näherinnen und Fortbildungen für Lehrer. „Schätzungsweise 60 Prozent unserer Einnahmen“, sagt er, „fließen in die Projekte. Nur so kann es funktionieren. Denn Herz und Seele einer guten Lodge sind die Menschen, die hier leben.“ Ihren Alltag, die Freuden und die Sorgen will der Unternehmer auch seinen Gästen näher bringen, die zum Safari-Aufenthalt auch eine Tour durch Lillydale, Huntington und Justicia buchen können – für 320 Rand (34 Euro) pro Person; ein Betrag, der komplett an die Gemeinden geht. Der Besuch des heutigen Turniers ist inklusive.

Südafrika

Seine Initiative für Dreamfields erklärt Loon mit wenigen Worten: „Das ist ein toller Weg, die Menschen zu erreichen. Hier, in diesen Dörfern, stecken unsere künftigen Fußball-Talente. Wir müssen ihnen helfen, entdeckt zu werden.“ Fußball – Spiel des Lebens. Auch, wenn der Spaß bei Dreamfields ganz weit oben steht, ohne Disziplin läuft es nicht. Auf den Platz darf nur, wer an sich arbeitet. Drogen, Prügeleien, Schule schwänzen bedeuten das Aus für die Spieler, von denen, sagt Susan, „manche ihr Trikot besser in Schuss halten als die Schuluniform“. Mit ein Grund, weshalb alle Teilnehmer eines Turniertages mit Medaillen ausgezeichnet und die besten Spieler im Internet vorgestellt werden, wo sie vielleicht ein professioneller Talentsucher entdeckt. „Man muss diesen Kindern ein Gefühl dafür geben, was es bedeutet, zu gewinnen.“

Landesweit hat Dreamfields bislang zwölf Fußballplätze gebaut, 104 Turniere ausgerichtet und mehr als 1300 Spieler ausgestattet. Alles in allem in einem Wert von mehr als zwei Millionen Euro.

Zahlen, die den Spielern aus Huntington heute aber vollkommen egal sind: Sie entscheiden das Elfmeterschießen und damit das Turnier für sich und versinken nach dem entscheidenden Tor in einer Masse aus Menschen, Vuvuzela-Gedröhn – und Staub.

Am anderen Ende des Landes, in einem Ort namens Gansbaai, anderthalb Autostunden von Kapstadt entfernt, wird nicht auf einem staubigen Platz gespielt. Der sattgrüne Kunstrasenplatz hat FIFA-Standard. Das an sich ist für ein 13 000-Seelen-Nest wie Gansbaai bereits bemerkenswert. Zu etwas Besonderem wird der Platz aber durch seine Lage in der Mitte dreier Wohngebiete: dem Masakhane Township, Armenviertel der Schwarzen, Blompark, wo der farbige Mittelstand lebt, und der weißen Gansbaai-Gemeinde. Berührungspunkte gibt es kaum. Jeder Ortsteil hat seine eigene Schule, man bleibt unter sich, denn alles andere bedeutet nur Ärger.

Der neue Sportplatz indes ist neutrale Zone. Hier kommen Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, aus allen Gebieten zusammen. Das verbindende Element: Fußball.

Öko-Idealist Michael Lutzeyer von der Grootbos Lodge

Initiator ist der deutschstämmige Hotelier Michael Lutzeyer (58), ein Öko-Idealist, der bisher vorwiegend grüne Projekte in Arbeit hatte. Lutzeyer lässt schwarze Jugendliche zu Gärtnern ausbilden, bringt schwarzen Frauen den Gemüseanbau näher, unterstützt Baumpflanzungen in den Townships und Recycling-Projekte – und ist alles in allem so naturbegeistert, dass man ihm die Luxus-Lodge Grootbos an einem der schönsten Plätze der Walker Bay eigentlich gar nicht zutraut.

Das Grootbos Private Nature Reserve liegt etwa 160 Kilometer östlich von Kapstadt mit Panoramablick über die Walker Bay zum Kap der Guten Hoffnung.

„Als sicher war, dass die WM 2010 nach Südafrika geht, war klar, dass hier in Sachen Sport etwas passieren muss“, sagt Lutzeyer. Er rang der Gemeinde das Land und Sponsoren wie dem südafrikanischen Fußballverband das Geld ab und gründete „Spaces for Sport“. Professionelle Coaches ermöglichen es seitdem Kindern der ärmeren Bevölkerungsschichten, regelmäßig am Fußball-Training teilzunehmen. Koordinatorin Léan Terblanche: „Die Jugendlichen in den Townships hängen ansonsten einfach rum. Langeweile aber führt zu Kriminalität, zu Drogenmissbrauch und Alkoholsucht.“ Was der 19-jährige Singata nur bestätigt: „Nachdem ich mit der Schule fertig war, habe ich nichts mehr gemacht. Hier habe ich eine Aufgabe und lerne dazu.“

Denn allein mit Training und Turnieren ist es bei „Spaces for Sports“ nicht getan: Auch Unterricht steht auf dem Plan, und nur, wer sich engagiert, kommt auch sportlich weiter. Terblanche: „Über ihr Engagement in Naturschutz- oder Recycling-Projekten können sich die Jugendlichen Punkte erarbeiten. Die wiederum können dann in eine Fußball-Ausrüstung getauscht werden.

Michael Lutzeyer führt die Gäste seiner Lodge gern persönlich zu seinen Projekten. Auch das ist Teil des Konzepts: „Manche kommen genau deswegen wieder.“ Die Rechnung sei ganz einfach: „Nur wenn das eigentliche Geschäft, der Tourismus, läuft, laufen auch die Hilfsprojekte. So und nicht anders ist es nun mal. In Südafrika und überall auf der Welt. So spielt das Leben.“

DIE REISEINFOS

REISEZIEL Gansbaai (Grootbos Lodge) liegt etwa 190 Kilometer von Kapstadt an der Ostküste Südafrikas. Huntington (Sabi Sabi Private Game Reserve) liegt vor den Toren des Krüger-Nationalpark und etwa 600 Kilometer von Johannesburg entfernt. Die nächste größere Stadt ist das etwa zwei Autostunden entfernte Nels­pruit (Mbombela), dessen neu gebautes Stadion einer der WM-Austragungsorte ist.

ANREISE Die Lufthansa fliegt nach Johannesburg (ca. 790 Euro) und Kapstadt (ca. 960 Euro). Ab Oktober fliegt auch Air Berlin wieder einmal wöchentlich von München nach Kapstadt (ca. 600 Euro). Im Reisebüro oder online unter www.lufthansa.de und www.airberlin.com.

EINREISE Reisepass mit einer Gültigkeit mindestens 30 Tage über die Reise hinaus; mindestens zwei freie Seiten im Pass.

GELD Ein Euro entspricht derzeit 9,34 Rand.

SABI SABI Das private Game Reserve mit der Bush Lodge, den Selati Camps, den Little Bush Camps und der Earth Lodge liegt ca. fünf Autostunden von Johannesburg entfernt am Südwestrand des Krüger-Nationalparks. Ein Aufenthalt mit Game Drives kann z.B. über den Veranstalter Meier’s Weltreisen gebucht werden (ab 329 Euro pro Person und Tag mit Vollpension, zwei Pirschfahrten und einer Buschwanderung). Eine Dorftour durch Lillydale, Huntington und Justicia kann man für rund 320 Rand (34 Euro) pro Person buchen; das Geld geht an die Dörfer.

GROOTBOS LODGE Das Grootbos Private Nature Reserve liegt etwa 160 Kilometer östlich von Kapstadt mit Panoramablick über die Walker Bay zum Kap der Guten Hoffnung. Von Juli bis November kann man Wale in der Bucht beobachten.

Der Name Grootbos bedeutet „großer Wald“ und steht für den hier noch vorhandenen größten Milkwood-Wald Afrikas. Tel. 00 27/28/384 80 00, www.grootbos.com, bei Direktbuchung ab 210 Euro pro Person mit Vollpension und Aktivitäten wie Reitausflügen, geführten Wanderungen und Küstentouren mit Walbeobachtung. Buchbar auch über Airtours (ab 218 Euro pro Person).

INFOS IM NETZ

www.southafrica.net www.suedafrika.org www.tourismgansbaai.co.za www.gansbaaiinfo.com www.grootbosfoundation.org www.dreamfieldsproject.org www. sabisabi.com

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