Brückenschlag in die Steinzeit

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Kunstpark der Natur: Allein im Arches Nationalpark gibt es 2000 solcher spektakulärer Steinbrücken.

Utah im Südwesten der USA ist knochentrocken – und steinreich. Was Farmer zermürbt, stellt sich Urlaubern als eine der faszinierendsten Regionen dieser Erde dar.

Rory hat gesagt, dass er noch einen anderen Weg zum Delicate Arch kennt. „Der ist auch ganz schön“, das waren seine Worte. Und jetzt das. Wir wandern dahin, fast benommen vom intensiven Rot der Felsen. „Sieht es hier nicht aus wie auf dem Mars“, sagt Rory. Ein letzes Stück – und plötzlich ist da der Delicate Arch, das Wahrzeichen des amerikanischen Südwestens. 14 Meter streckt er sich in den Himmel, erschreckend schön.

Nüchterne Gemüter würden sagen: Der Delicate Arch ist nur ein Loch in einem Fels. Doch wer kann hier schon nüchtern bleiben? Im Arches-Nationalpark hat die Natur mit Zauberhand 2000 solcher spektakulärer Steinbögen entstehen lassen, eine Skulpturensammlung mit dem Delicate Arch als aufregendstem Exponat. Durch seine Öffnung sieht man ferne Schneegipfel glänzen, zu seinen Füßen breitet sich ein Canyon aus.

Mond oder Erde?

Mond oder Erde?

Utah im Südwesten der USA ist eines der kleinsten Länder des amerikanischen Kontinents, etwa so groß wie die alte Bundesrepublik. Doch was heißt schon klein in Amerika. Grenzenlos dehnt sich die Wüste vor einem aus. Im Norden, rund um die Hauptstadt Salt Lake City am Fuß der Rocky Mountains leben die meisten der knapp drei Millionen Einwohner. Richtung Süden wird es heiß und trocken. Die Autos werden weniger, die Dörfer winziger. Und die Anzahl an Nationalparks nimmt zu. Es sind fünf, so viele wie nirgends sonst in Amerika. Im Süden können nur die anspruchslosesten Pflanzen (etwa eine Sorte Wacholder) überleben, und nur die zähesten Tiere (etwa eine Leguanart) halten es hier aus. Die Wüste schillert in tausend Farben, vor allem in Rot, wegen des Eisens, das in den Steinen steckt. In Reiseführern steht: wie auf dem Planeten Mars. Rory hatte Recht.

Momentaufnahmen der Erdgeschichte

In den Reiseführern ist auch nachzulesen, wie das alles entstanden ist. Vor Urzeiten – Experten reden von 20 Millionen Jahren – rutschte die pazifische unter die nordamerikanische Platte. Ergebnis: das heutige Colorado-Plateau (das den Großteil von Utah ausmacht). Flüsse wie der Colorado River gruben sich tief in die Erde, bis in den kristallinen Untergrund – so entstanden die berühmten Canyons.

So geht es von Ewigkeit zu Ewigkeit, wir Touristen des 21. Jahrhunderts sehen nur eine Momentaufnahme der Erdgeschichte. Rory formuliert es auf seine Weise, während er sich vor dem Delicate Arch einen Apfel schält: „Ihr habt euch einen guten Zeitpunkt ausgesucht, um Utah zu besuchen. In ein paar Millionen Jahren schaut es hier schon wieder ganz anders aus.“

Der Bundesstaat Utah im Südwesten der USA (220 000 Quadratkilometer, 2,8 Millionen Einwohner) bietet eine der aufregendsten Landschaften der Welt.

Der Mensch hat es sich heutzutage in dieser Öde bequem gemacht. Man erkundet das Land im klimatisierten Auto, steigt aus, um zu wandern, zu raften oder auch nur zu staunen. Das war früher anders, der Überlebenskampf brutal. Jahrhunderte lang trotzten die Anasazi-Indianer den Widrigkeiten der Wüste. Um 1300 verschwanden sie, niemand weiß, wohin. Später kamen spanische Mönche, sie dachten, die Hölle hätte sie verschlungen. Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten die Mormonen das Land. Alles nahmen sie in Kauf, um hier ihren Glauben leben zu können, auch sengende Hitze und unfruchtbaren Boden. Für sie war die Gegend ein Himmel, ihre Städte nannten sie nach Orten der Bibel. Zion etwa, gelobtes Land.

Noch heute sind 60 Prozent der Bewohner von Utah Mormonen, so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Der Vielweiberei mussten sie abschwören, als das Land Ende des 19. Jahrhunderts den USA beitrat. Auch das berüchtigte Alkoholverbot ist gelockert. Ein Spruch über das spröde Land bedient das alte Klischee: „Drink and be happy, tomorrow you could be in Utah“ („Trink und sei glücklich, morgen könntest du in Utah sein.“). Besonders stolz sind sie hier auf den Bryce Canyon. Er liegt auf etwa 2500 Metern Höhe, dem höchsten Punkt des Colorado Plateaus.

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In Reih und Glied stehen

lange, schmale Felsnadeln da, schimmern rot und weiß und der Himmel darüber ist tiefblau. Wer die Ohren aufsperrt, hört es manchmal knacken, dann modelliert die Natur wieder an ihrem Kunstwerk. Der Zion-Canyon im Südwesten liegt ein paar hundert Meter tiefer, das Klima ist wärmer und der Virgin River murmelt freundliche Worte zur Begrüßung. Hier kann man auf Eseln reiten, dem Fluss zu türkis leuchtenden Gumpen folgen – oder das Gebiet erwandern. Zwei Stunden sind es hinauf zu Angels Landing, dem „Landeplatz der Engel“ hoch über dem Fluss. Wie Seiltänzer klettern wir an den Sicherungen nach oben. Jäh klafft der Abgrund jenseits der grauen Schieferplatten. So rau sind sie, dass man für die Engel nur hoffen kann, dass sie hier nicht barfuß landen müssen. Wir ziehen unsere dicken Wanderschuhe aus. Die Berge glänzen im Abendlicht, der Virgin River verliert sich in der Ferne. Es herrscht himmlische Ruhe, nicht einmal ein Knacken ist zu hören. Mutter Natur legt eine Künstlerpause ein.

Volker Ufertinger

DIE REISE-INFOS ZU UTAH

REISEZIEL Der Bundesstaat Utah im Südwesten der USA (220 000 Quadratkilometer, 2,8 Millionen Einwohner) bietet eine der aufregendsten Landschaften der Welt. Im Norden liegen Ausläufer der Rocky Mountains, der Süden ist wüstenhaft. Utah gehört zu den „Four Corner States“: Utah, Arizona, New Mexico und Colorado treffen an einem Punkt zusammen.

ANREISE United Airlines fliegt täglich von München über Chicago oder Denver nach Salt Lake City, Hin- und Rückflug ca. 1000 Euro. Auch eine Anreise über Las Vegas ist möglich.

REISEZEIT/KLIMA Utah hat fast 300 Sonnentage im Jahr und es herrscht Steppenklima. Die beste Reisezeit sind Frühjahr (April, Mai) und Herbst (September, Oktober). Im Sommer kann es ziemlich heiß werden.

REISETYP Wer sich für Landschaften begeistert, ist hier richtig. Auch Aktivurlauber (Klettern, Mountainbiken, Wandern, Bootfahrten) kommen in Utah auf ihre Kosten, Man sollte weite Strecken und Einsamkeit mögen.

NATIONALPARKS Utah hat die größte Dichte an Nationalparks in den USA, die bekanntesten sind Arches Nationalpark (Eintritt 10 Dollar, rund 8,30 Euro), Bryce Canyon (25 Dollar, rund 20 Euro), Capitol Reef (5 Dollar, rund 4,1 Euro), Canyonlands (10 Dollar) und Zion (25 Dollar). Nähere Infos unter www.nps.gov. Der Nationalpark Pass ist ein Jahr gültig, kostet 80 Dollar (66 Euro) und berechtigt zum Eintritt in alle vom Nationalpark Service verwalteten Parks.

VERANSTALTER In organisierten Rundreisen kombinieren die großen Reiseveranstalter Utah meist mit Kalifornien und Arizona. Beispiel aus dem Katalog von Meier’s Weltreisen: 17-tägige Busrundreise „Rocky Mountain High“ ab Denver bis San Francisco, ab 1695 Euro. Reisebausteine wie Hotels, Mietwagen, Camper und Flüge, die individuell zu kombinieren sind, bietet z. B. der TUI- Weltentdecker-Katalog USA.

REDFORDS HOTEL Robert Redfords Sundance Resort liegt am Mount Timpanogos etwa eine Stunde südlich von Salt Lake City. Preis: ab 400 Dollar/Nacht, Infos im Internet unter www.sundanceresort.com

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