So wird der Reisesommer

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Kinder, Kinder: Mit Komplettpaketen wollen Veranstalter den Urlaub auch für Familien noch erschwinglich machen.

Am kommenden Mittwoch beginnt in München die Reisemesse Free. Sie ist das Trend-Barometer der Urlaubssaison, denn Experten, Umfragen und Prognosen geben einen ziemlich exakten Überblick...

...wohin die Reise in diesem Sommer geht, wie die Deutschen heuer Urlaub machen, wer am Ende die Sieger sein werden und wer die Verlierer.

DIE REISELÄNDER

Kroatien gilt als Shooting Star Welches Urlaubsland macht in diesem Jahr das Rennen, welches kann die meisten Gäste für sich gewinnen? Ganz sind sich die Veranstalter da nicht einig, aber fast. Die Türkische Riviera gehört auf alle Fälle zu den prognostizierten Top Ten, auch die Baleareninsel Mallorca und die Kanaren, die nach Meinung der Experten von der Nordafrika-Krise am meisten profitieren. Das Online-Portal Holidaycheck nennt Sizilien als Geheimtipp. Tunesien wird ein starkes Comeback prophezeit (s.u.). Und nicht nur Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI setzt voll auf Kroatien. Das Urlaubsland mit den adriatischen Traumküsten, das sich gerade auf den EU-Beitritt 2013 vorbereitet, sei in diesem Jahr der Shooting Star, heißt es, mit Zuwächsen von bis zu 50 Prozent. Von allen Sonnenzielen dieser Welt aber ist ein Urlaubsland seit Jahren nicht zu toppen: Deutschland selbst bleibt weiterhin das beliebteste Reiseland der Deutschen. Jeder Dritte will seinen Urlaub auch heuer wieder zu Hause verbringen, wobei die Ostdeutschen inländische Ziele deutlich häufiger bevorzugen (46 Prozent) als Westdeutsche (35 Prozent).

DIE REISEDAUER

Der Urlaub wird immer kürzer Allen Krisen zum Trotz: Die Deutschen sind nach wie vor Reiseweltmeister und wollen diesen Titel laut Trendanalyse auch in diesem Sommer verteidigen. 45 Prozent der Bundesbürger haben für 2012 laut Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung feste Reisepläne, jeder Fünfte will sogar zweimal in Urlaub fahren. Allerdings spiegeln sich wirtschaftliche Überlegungen in der Reisedauer wider. Dabei gibt es erstmals in der 30-jährigen Geschichte der Tourismusanalyse einen Umbruch: Der Anteil der Kurzurlauber (fünf bis 13 Tage) ist mit 26 Prozent heuer größer als der Anteil derer, die 14 Tage und mehr verreisen. Professor Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen bringt es auf die Formel: „Pro Jahrzehnt hat sich die Reisedauer um zwei Tage verkürzt.“

DIE REISEPREISE

Der Kunde zahlt den Kerosinzuschlag Weil die Veranstalter die Treibstoffzuschläge der Fluggesellschaften an die Kunden weitergeben, wird der Sommerurlaub in diesem Jahr teurer. Auf der Kurzstrecke macht das etwa 12 Euro aus, auf der Mittelstrecke 22 Euro und bei der Fernreise 34 Euro pro Buchung.

DIE BUCHUNG

Frühe Entscheidung statt Last Minute Die Zeit der Resterampe ist vorbei. Wer günstig in die Sonne will, muss sich schnell entscheiden. „Die Leute buchen ihren Urlaub immer früher“, sagt Daniela Sauerwald von der Rewe-Touristik mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg. Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband: „Das Last-Minute-Angebot hat sich in den letzten Jahren deutlich reduziert.“ Dafür könne bei Frühbucherrabatten inzwischen bis zu 30 Prozent vom Reisepreis gespart werden.

DAS BUDGET

Die Grenze liegt bei 1000 Euro Urlaub ja, aber alles im finanziellen Rahmen, und der muss überschaubar bleiben. Jeder zweite Reisewillige möchte heuer ein Budget von 1000 Euro nicht überschreiten, und darin sollen Anreise, Unterkunft, Verpflegung, Souvenirs und Trinkgeld schon enthalten sein. Nur jedem Zehnten steht ein jährliches Urlaubsbudget von bis zu 3000 Euro zur Verfügung, die über 50-Jährigen sind in dieser Gruppe am stärksten vertreten. Auch das Hotel soll nach Wunsch der Deutschen vor allem preiswert sein. Mehr als ein Drittel ist nicht bereit, pro Nacht mehr als 50 Euro auszugeben.

DIE FAMILIE

Urlaub mit Kindern wird Luxus Die soziale Schere, die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich – sie ist auch im Tourismus deutlich zu spüren. Und besonders für Familien, die mit schulpflichtigen Kindern in der teuersten Saison reisen müssen, ist der Urlaub zum Luxusgut geworden. In der Stiftung für Zukunftsfragen geht man davon aus, dass sich heuer nur noch jede zweite Familie eine Urlaubsreise gönnen kann. Die Veranstalter reagieren entsprechend und drehen vor allem bei dieser Kundengruppe an der Preisschraube. Neckermann Reisen zum Beispiel bietet zweiwöchige Flugreisen in die Sonne für zwei Erwachsene und zwei Kinder ab 2690 Euro all inclusive an.

DIE UMWELT

Reisen mit gutem Gewissen Umweltschutz hört nicht im eigenen Land auf. Auch beim Urlaub meldet sich inzwischen bei vielen das grüne Gewissen. Länder wie Slowenien, das in diesem Jahr Partner der Reisemesse Free ist, punkten mit Naturschutz. Veranstalter und Airlines bieten die Möglichkeit, die Emission des Urlaubsflugs durch eine Spende an Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Und der Studienreiseveranstalter Studiosus hat bereits über 1000 klimaneutrale Touren in über 100 Länder im Programm.

DIE SICHERHEIT

Krisen machen Deutsche ängstlicher Deutsche Touristen werden angesichts politischer Krisen wie in Ägypten zunehmend ängstlicher. In einer Tourismusanalyse der BAT-Stiftung gab fast ein Viertel an, aufgrund von Reisewarnungen das Urlaubsziel zu ändern. 13 Prozent würden die Reise vorläufig oder ganz stornieren. Jeder Dritte gab an, generell nur in risikoarme Gebiete zu reisen. Früher waren deutsche Touristen nicht so schnell zu erschrecken. Bei Umfragen im Jahr des ersten Golfkrieges 1991 sagten noch 78 Prozent, sie hätten ihre Urlaubspläne nicht geändert. Nach dem 11. September 2001 sagten 67 Prozent, die Urlaubspläne hätten Bestand. Folge des Sicherheitsdenkens ist auch ein Comeback der klassischen Veranstalterreise.

Zukunftsforscher und Tourismusexperte Klaus Burmeister von der TUI: „Sicherheit und Verlässlichkeit stehen im Vordergrund.“ Wie schnell sich ein Krisenland aber aus dem touristischen Tief wieder erholen kann, dafür ist Tunesien das aktuelle Beispiel. Veranstalter Alltours vermeldet für die Urlaubsregion Djerba ein zweistelliges Buchungsplus, was vor allem auch an attraktiven Preisniveau liegt. Sören Hartmann von der Rewe-Touristik spricht bei Tunesien vom besten Preis-Leistungs-Verhältnis am Mittelmeer. Und Edwin Doldi, Sicherheitsmanager des Veranstalters Studiosus, glaubt zu wissen: „Politisch ist die Lage in Tunesien stabil.“

DIE KREUZFAHRT

Kein Einbruch nach Costa-Unglück Nach der Tragödie auf dem italienischen Kreuzfahrtschiff Costa Concordia haben die führenden US-Konzerne Carnival und Royal Caribbean über Einbrüche bei den Buchungen berichtet. Deutsche Reedereien haben davon noch nichts zu spüren bekommen. „Vieles für 2012 ist schon gebucht“, sagt Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes. Man müsse abwarten, wie sich das Segment entwickelt. „Die Branche ist gefragt, Sicherheitsfragen der Urlauber glasklar zu beantworten“, mahnte Meyer. 2010 waren rund 1,6 Millionen Passagiere aus Deutschland mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs.

ch/dpa

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