Tansania: „Wer weniger knipst, sieht mehr“

+
„Wer weniger knipst, sieht mehr“, so Wildlife-Experte Henning Wiesner

Zu seinen Freunden zählen die ganz großen Tiere. Weil er ihre Sprache spricht und auch sonst viel Verständnis für ihre Allüren aufbringt...

Fast 30 Jahre lang war Henning Wiesner Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn. Er darf dem Nashorn auf den Buckel steigen.

Nein, wir reden jetzt nicht von einem Partylöwen, der in der Münchner Society zu Hause ist, sondern von einem, der ein halbes Leben lang mit den echten Löwen Tür an Tür gelebt hat: Henning Wiesner, der ehemalige Chef des Münchner Tierparks Hellabrunn. Auf einer Leserreise wollen wir zusammen mit dem Wildlife-Experten die schönsten Nationalparks Tansanias entdecken. Christine Hinkofer sprach mit Wiesner darüber, was eine gute Safari ausmacht.

Herr Wiesner, erst einmal zum Reiseziel: Wie würden Sie Tansania im Vergleich zu den anderen Safariländern Afrikas einordnen?

Tansania ist mit rund 945.000 Quadratkilometern das größte Land Ostafrikas.

Die Nationalparks Tansanias wie Serengeti mit dem Ngorongoro Krater und Laka Manyara, die wir besuchen werden, sind wilder, naturbelassener und ursprünglicher als zum Beispiel die Wildreservate in Kenia oder Südafrika und deshalb auch anspruchsvoller. Das bedeutet aber auch, dass man sich Zeit lassen muss, um die Tiere zu treffen. Sie stellen sich einem sicher nicht vor die Fotolinse.

Reden wir über das Timing: Welches ist die beste Tageszeit, um Tiere in freier Wildbahn zu beobachten?

Da müssen Sie schon früh aufstehen, denn das richtige Gesellschaftsleben in der Wildnis findet im Morgengrauen statt. Mittags gibt es wenig zu sehen, Vögel ja, aber wenig Säuger.

Plakatives Ziel eines jeden Safariurlaubers ist es, einmal die Big Five, die fünf großen Wildtiere zu sehen – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Haben Sie ein Lieblingstier?

Nein, eigentlich nicht. In meiner Tierpark-Zeit hatte ich vier Hunde und jeder war mein spezieller Liebling auf seine Art. Und Franzi, ein alter Schimpanse, war mir besonders ans Herz gewachsen. Aber eigentlich faszinieren mich alle Tiere. Und auf Safari geht es mir auch nicht um die größten Exemplare. Ich freue mich auch daran, einen Vogel vorbeifliegen zu sehen.

Was war Ihr beeindruckendstes Tiererlebnis in Tansania, an das Sie sich erinnern?

Im Mai begleitet der Wildlife-Experte unsere Leserreise nach Tansania.

Das war in den 80er Jahren. Wir kamen an einen Riss, beobachteten, wie sich ein Rudel Hyänen über ein gerade erlegtes Zebra hermachte. Sie hatten die Innereien schon herausgezogen und drei junge Hyänen kamen aus dem Bauch gekrochen. Sie hatten die Leber gefressen und sahen, mit Verlaub gesagt, aus wie die Schweine, über und über voll Blut. Ein unglaubliches Bild.

Das Sie natürlich mit der Kamera festgehalten haben?

Nein, ich bin nicht der Fotograf, ich bin der Kucker. Meine Bilder kleben nicht im Fotoalbum, sondern setzen sich in meinem Kopf fest. Auf Safari habe ich meist nicht die Kamera dabei, sondern das Fernglas. Man verpasst einen Haufen von dem Reiz der Tierbeobachtung, die Stimmung, den Geruch, wenn man sich zu sehr auf das Knipsen konzentriert. Das Bild zeigt mir das Tier nur im Bruchteil einer Sekunde.

Wenn wir Menschen auf Safari gehen, dringen wir in einen fremden Lebensraum ein. Das Land gehört den Tieren, wir sind nur Gast. Gibt es für uns dort einen bestimmten Verhaltens-Kodex, Regeln, die wir auf alle Fälle einhalten sollten?

Die wichtigste: Halt den Mund! Schauen und nicht reden, das ist das oberste Gebot auf Safari. Auch im Auto so leise sein, wie es nur geht. Der Schall des Menschen wird weit getragen und Tiere haben gute Ohren. Sie hören uns schon lange, bevor wir sie sehen. Man sollte sich im Auto auch sonst ruhig verhalten und nicht rumfuchteln. Schauen und genießen, das ist das Wichtigste.

Was muss ein Safari-Urlauber mitbringen, welcher Reisetyp sollte er sein?

Er sollte der Natur gegenüber aufgeschlossen sein, nein, er sollte total süchtig sein nach Natur, er sollte alles sehen wollen, auch das kleinste Insekt, und nicht nur abhaken: Das hab ich gesehen – erledigt!

Kann man dieses Sehen üben?

Ja, am besten daheim schon. Gehen Sie mal in der Dämmerung durch den Wald. Sie werden sich wundern, was Sie alles sehen, wenn Sie sich bewusst da­rauf konzentrieren.

Was nehmen Sie auf einer Safari unbedingt mit, was lässt der Tierexperte Wiesner getrost zu Hause?

Ich reise mit kleinem Gepäck. Im Busch brauche ich definitiv kein Buch, höchstens ein Bestimmungsbuch. Um mich abends in der Lodge hinzusetzen und einen Roman zu lesen, dafür habe ich gar keine Zeit. Dafür sind die Eindrücke zu stark und ich brauche die Abende, um zu verdauen, was ich am Tag gesehen habe, auch im Gespräch mit den Mitreisenden.

Thema Kleidung. Was ist praktisch, was sollte man dabeihaben?

Auf alle Fälle knöchelhohe, feste Schuhe. Man weiß nie, wo man hintritt. Und lange Hosen und langärmelige Hemden, die man aufkrempeln kann und bei Bedarf auch wieder herunterlassen. Das schützt vor Insektenstichen. Das Material sollte dünn, aber fest gewebt sein, damit eine Mücke nicht durchstechen kann. Und für abends sollte man sich einen warmen Pullover mitnehmen. Nach Sonnenuntergang wird es kalt.

Stimmt es, dass Tiere gegen bestimmte Farben allergisch sind und dass Safarikleidung deshalb immer naturfarben sein sollte?

Nein, im Auto sind die Farben unserer Kleidung egal, weil uns die Tiere längst spitz gekriegt haben, bevor wir sie sehen. Aus Sicherheitsgründen darf man ohnehin nur an bestimmten Plätzen aussteigen. Trotzdem ist eine Kleidung in Naturfarben, khaki, braun oder grün, auf Safari besser als Bonbonrosa.

Sollte man aus Rücksicht auf den Geruchssinn der Tiere besser kein Parfüm oder Rasierwasser verwenden?

Auf einer Autosafari ist es egal, wie wir riechen, weil selbst das teuerste Parfüm die Duftnote des Diesels nicht übertönt.

Welche Lektüre empfehlen Sie, um sich auf diese Reise vorzubereiten?

Joseph Conrads „Das Herz der Finsternis“. Oder Hemingway, seine Afrika-Geschichten „Die grünen Hügel Afrikas“ und „Schnee auf dem Kilimandscharo“. Der Mann war kein Tierliebhaber, er war ein Jäger, ein Macho. Aber er war auch ein großartiger Schriftsteller. Und es gibt niemanden, der die Stimmung eines Sonnenuntergangs vor der Kulisse des Kilimandscharo besser beschreiben könnte als er.

Professor Bernhard Grzimek hatte die Forderung aufgestellt „Serengeti darf nicht sterben“. Ist das Ziel aus heutiger Sicht erreicht? Wird die Serengeti überleben?

Nun, der Plan, eine Straße durch die Serengeti zu bauen, ist derzeit zum Glück vom Tisch. Aber solche Ansinnen wird es immer geben, weil das Gewinnstreben der Menschheit mit den Interessen der Tierwelt eben kollidiert. Man könnte sie in Einklang bringen, wenn das Geld, das wir als Touristen im Land lassen, auch bei der Bevölkerung ankommen würde und sie den Tierschutz als Lebensgrundlage sehen könnte.

DIE REISE-INFOS ZU TANSANIA

REISEZIEL Tansania ist mit rund 945.000 Quadratkilometern das größte Land Ostafrikas und fast dreimal so groß wie Deutschland. Es hat zirka 33 Millionen Einwohner. Zu dem Staat gehört auch die Insel Sansibar. Tansania ist vor allem bekannt wegen seiner Nationalparks (Serengeti mit Ngorongoro-Krater, Lake Manyara und Kilimanjaro), in denen Millionen von Wildtieren leben.

ANREISE z.B. mit der holländischen Fluglinie KLM von München über Amsterdam zum Kilimanjaro International Airport in Arusha. Reine Flugzeit: zirka zwölf Stunden.

EINREISE Zur Einreise nach Tansania ist ein Reisepass notwendig, der noch mindestens sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein muss. Deutsche Staatsangehörige benötigen zur Einreise ein Visum, das am Flughafen ausgestellt wird, Gebühr: 50 US-Dollar oder 50 Euro.

GESUNDHEIT Empfohlen wird Mückenschutz durch langärmlige Kleidung und Insektenspray bzw. -liquid. Malaria-Prophylaxe ist an der Küste wichtiger als im Hochland. Wer vom Festland nach Sansibar einreist, muss eine Gelbfieber-Impfung vorweisen.

KLIMA An der Küste tropisch warm mit hoher Luftfeuchtigkeit, in den Nationalparks wegen der Höhenlage kühler und trockener. Vor allem im Mai/Juni wird es nach Sonnenuntergang empfindlich kalt. Pullover und Jacke mitnehmen!

AUSRÜSTUNG Auf Safari sind knöchelhohe Schuhe und lange Hosen empfehlenswert. Für nachts eine wärmende Jacke oder Pullover mitnehmen. Ausreichend Sonnenschutz, gute Sonnenbrille.

LESERREISE Mit dem Veranstalter Kiwi Tours reisen wir vom 26. Mai bis 7. Juni nach Tansania. Eine einwöchige Safari, die vom ehemaligen Münchner Tierparkdirektor und Wildlife-Experten Professor Henning Wiesner begleitet wird, führt uns von Arusha in die Nationalparks Ngorongoro Krater, Serengeti und Lake Manyara, im Anschluss geht es für drei Tage auf die exotische Gewürzinsel Sansibar.

INFO/BUCHUNG Inklusive Flügen, Übernachtung mit Vollpension während der Safari und Halbpension auf Sansibar, Pirschfahrten, Nationalparkgebühren und deutsch sprechender Reiseleitung vor Ort kostet die Reise 2935 Euro pro Person, EZ-Zuschlag 195 Euro. Info und Buchung direkt beim Veranstalter Kiwi Tours, Tel. 089/746 62 50, Internet: www.kiwitours.com.

Zurück zur Übersicht: Reise

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser