30 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein

Alois Glück zum Geigelstein-Jubiläum: „Naturschutz kein gesicherter Besitzstand“

Nutztierbeweidung und Almwirtschaft prägen das Erscheinungsbild des bayerischen Alpenraums. Auf der Sulzinger Alm werden im Naturschutzgebiet Geigelstein Bio-Rinder gezüchtet.
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Nutztierbeweidung und Almwirtschaft prägen das Erscheinungsbild des bayerischen Alpenraums. Auf der Sulzinger Alm werden im Naturschutzgebiet Geigelstein Bio-Rinder gezüchtet.

Der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück würdigt Verdienst der Bürger um den Erhalt des Geigelsteins als Naturschutzgebiet. Zugleich gibt der Politiker den Naturschützern und Bergfreunden aber auch eine Warnung mit auf den Weg.

Schleching/Sachrang- In den kommenden Wochen und Monaten richtet sich die Aufmerksamkeit auf ein ganz besonderes Ereignis: Vor 30 Jahren wurde das „Naturschutzgebiet Geigelstein“ ausgewiesen. Heute gilt dieses Naturschutzgebiet weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als vorbildliches Modell für nachhaltigen Naturschutz.

Bayerns ehemaligem Landtagspräsidenten Alois Glück, der die Entwicklung des Geigelsteins zum Naturschutzgebiet in seiner aktiven Zeit begleitet und maßgeblich mitgestaltet hat, fand mahnende Worte: „Naturschutz ist kein gesicherter Besitzstand“. Er sieht wachsende Spannungsfelder zwischen Bergtourismus und Naturschutz.

Neue Initiativen erforderlich

Glück ist der Meinung, dass es neue Initiativen erfordert, um das in den vergangenen drei Jahrzehnten Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen und für die kommenden Generationen zu bewahren. Angesichts des für den kommenden Sommer und den Herbst zu erwartenden Besucheransturms gelte es, besonderes Augenmerk auf den Schutz des „Blumenberg Geigelstein“ mit seiner besonderen Vielfalt an Blumen und der einzigartigen Vegetation zu lenken

Alois Glück sorgt sich um das am Geigelstein Erreichte.

Es sei das Gebot der Stunde und dem Jubiläum angemessen, über neue Maßnahmen nachzudenken, um dem Andrang Herr zu werden und neue Möglichkeiten der Besucherlenkung zu implementieren. „Das gilt insbesondere auch für die steigende Zahl der Touristen, die mit dem E-Bike in Regionen unterwegs sind, die als besonders schützenswert gelten“, sagte Alois Glück.

Verdienst der Bürger

Als Stimmkreisabgeordneter des Landkreises Traunstein und Umweltpolitiker im bayerischen Landtag hatte der ehemalige Landtagspräsident die Entwicklung des Geigelstein zum Naturschutzgebiet begleitet und maßgeblich mitgestaltet.

„Es war der Verdienst von engagierten Bürgern und auch von Organisationen wie dem Bund Naturschutz, die sich den Plänen entgegengestellt haben, den Berg zu einem Skigebiet mit großflächigen Pisten und Liftanlagen in Form einer Skischaukel von Schleching nach Sachrang auszubauen. Das war letztendlich die Geburtsstunde des Naturschutzgebietes im Jahr 1991“, fügt Alois Glück hinzu.

Sachgerechte Beweidung

Naturschutz und Landwirtschaft seien sich heute darüber einig, dass zum Beispiel eine sachgerechte Beweidung durch genügend Vieh auf den Almen eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Artenvielfalt ist. Auf der neuen Agenda für den weiteren Schutz der Natur am Geigelstein müsse nun eine ähnlich verbindliche Verständigung zwischen dem Tourismus und dem Naturschutz verankert werden.

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„So sehr wir uns freuen in einer Kulturlandschaft zuhause sein zu dürfen, in denen Menschen ihren Urlaub verbringen, so groß ist unsere Sorge, dass unsere Berge im wahrsten Sinn des Wortes überrannt werden“ sagt Alois Glück.

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„Lerne von der Geschwindigkeit der Natur. Ihr Geheimnis ist die Geduld“, betont Herbert Reiter, Chef der Aschauer Tourist-Info. Der Geigelstein, das Naturschutzgebiet, die Natur allgemein lehre Entschleunigung. Reiter verweist auf das umfangreiche Rahmenprogramm zum Jubiläumsjahr, bei dem auch Aktionen zum Umweltschutz sowie Podiumsgespräche zum Thema Naturschutz und Tourismus geplant sind.

Achental und Priental verbunden

Wie berichtet, war der Geigelstein am 1. Juni 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Unter dem Dach der Bergsteigerdörfer mit ihren Wanderwegen sind jetzt zwei unterschiedliche Täler, das Achental und das Obere Priental miteinander verbunden.

Der Geigelstein mit seinen ausgedehnten Bergwäldern, saftigen Almen sowie die Felsbereiche auf den Gipfeln, bieten zahlreichen Wildtieren Schutz.

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