Auf Heimweg in Aschau überfahren

Ein Jahr nach Veronikas (23) schrecklichem Tod: Ermittlungen gegen Fahrer eingestellt

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Aschau im Chiemgau - Ein Jahr nach dem schrecklichen Unfalltod von Veronika (23) auf dem Heimweg von einer Diskothek wurde das Verfahren gegen den Autofahrer und seine Mitfahrer eingestellt. 

Ein Jahr nach dem tragischen Tod von Veronika (23) wurden die Ermittlungen in den fatalen Unfall, der die junge Frau das Leben kostete, eingestellt, berichtet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Freitag. 

Am Sonntag, den 6. Januar, wurde Veronika auf dem Nachhauseweg von der Diskothek Eiskeller in Aschau auf dem Weg von Hohen- nach Niederaschau von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt. Später erlag sie ihren Verletzungen im Krankenhaus. Der Autofahrer hielt nicht an sondern fuhr einfach weiter. 

Unter Leitung der Zweigstelle Rosenheim der Staatsanwaltschaft Traunstein übernahm die Ermittlungsgruppe "Schneefall" der Kriminalpolizei die Untersuchungen. Zunächst galt es das Unfallauto und dessen Fahrer zu finden. Die Spuren führten zeitnah zur Sicherstellung eines VW Golfs, in dem zum Unfallzeitpunkt drei Personen saßen. Als Fahrer wurde ein damals 27-Jähriger ermittelt, ein 22-jähriger Mann und eine 23-jährige Frau als Beifahrer. Seitdem wurde gegen den Fahrer wegen fahrlässiger Tötung und versuchtem Mord durch Unterlassen in Verbindung mit Unfallflucht ermittelt. 

Den beiden Mitfahrern wurde unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Der 27-jährige Fahrer und das Unfallopfer waren beide vor dem Unfall im Eiskeller feiern gewesen, kannten sich auch privat. Sie waren beide in der Residenz Heinz Winkler in Aschau beschäftigt, sie als Rezeptionistin, er als Koch - sie waren also Arbeitskollegen.

Ein Jahr nach dem Unfall fanden nun die komplexen Ermittlungen ein Ende. Die Untersuchungen führten zu der juristischen Entscheidung, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wird, weil sich ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Beschuldigten nicht eindeutig nachweisen lässt. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Entscheidung auf die umfangreichen Ermittlungen der Kriminalpolizei Rosenheim und das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin und das unfallanalytisch-biomechanische Gutachten von zwei Sachverständigen. 

23-Jährige lag bei Zusammenstoß bereits am Boden

Es konnte nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass das Unfallopfer durch die Kollision mit dem VW getötet wurde. Das Gutachten kam zwar zu dem Ergebnis, dass die 23-Jährige von dem Auto erfasst wurde, aber zu dem Zeitpunkt bereits durch einen selbstverschuldeten Sturz am Boden gelegen haben muss. 

Sie war auf der Straße gegangen, wohl weil der Gehweg zugeschneit und die Fahrbahn geräumt worden war. Ein Zusammenstoß des Fahrzeugs mit einer stehenden Person wurde ausgeschlossen. 

Die Sachverständigen können nicht mehr klären, ob die schweren Verletzungen von Veronika von dem Auto oder dem Sturz stammen, oder womöglich einer Kombination von beiden. Dem Fahrer kann man daher keine fahrlässige Tötung nachweisen.

Auch die Sorgfaltspflichtverletzung konnte dem 27-Jährigen nicht nachgewiesen werden. Es ist nicht eindeutig, dass der Unfall vorhersehbar oder vermeidbar war. Daher scheidet auch der Vorwurf der fahrlässigen Tötung aus.

Unfall war womöglich nicht vermeidbar

Im Ergebnis der gutachterlichen Untersuchungen muss zugunsten des Autofahrers und seiner Mitfahrer davon ausgegangen werden, dass sie die auf der Straße liegende Frau nicht hatten wahrnehmen können und den nachgewiesenen Zusammenstoß des VW Golfs mit dem Unfallopfer auch nicht hatten vermeiden können.

Auch andere belastende Momente wie etwa zu schnelles Fahren oder körperliche Mängel beim Fahren konnten nicht festgestellt werden und wären spekulativ. 

Dass die Insassen des Autos den Zusammenstoß mit Veronika bemerkten und sich bewusst von der Unfallstelle entfernten, ohne ihr zu helfen, konnte nicht bewiesen werden. Die drei haben zwar ein Ruckeln oder ähnliches spüren müssen, doch hätten sie das bei den winterlichen Straßenverhältnissen auch für einen Eis- oder Schneeklumpen halten können. 

Im Zweifel für den Angeklagten

Im Ergebnis der gutachterlichen Untersuchungen muss zugunsten des Fahrers und seiner Mitfahrer davon ausgegangen werden, dass sie die auf der Straße liegende Frau nicht hatten wahrnehmen können und den nachgewiesenen Kontakt des VW Golf mit dem Unfallopfer auch nicht hatten vermeiden können.

In der gemeinsamen Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Traunstein und des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wird betont: "Bei aller menschlicher Tragik des Falles, die auch die beteiligten Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft von Anfang an nicht unberührt ließ, musste die Entscheidung, das Verfahren im Sinne der geltenden rechtsstaatlichen Prinzipien einzustellen, so getroffen werden - nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten)."

jv/Pressemeldung Staatsanwaltschaft Traunstein und Polizeipräsidium Oberbayern Süd

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