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Namenstag des Heiligen Vinzenz

Der lange Weg des 93-jährigen Simon Bauer vom Knecht zum Forstwirtschaftsmeister

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Erinnerungen aus einer vergangenen Zeit.

Über 47 Jahre arbeitet Simon Bauer erst als Holzknecht, dann als Forstwirtschaftsmeister. Wie sehr sich in all den Jahrzehnten das Berufsbild und das Leben des Holzknechtes verwandelten, das erzählte der 93-Jährige den OVB-Heimatzeitungen am Namenstag des Heiligen Vinzenz, dem Schutzpatron der Holzfäller (22. Januar)

Sachrang – Simon Bauers Leben ist geprägt vom Rohstoff Holz. Schon Bauers Vater, Martin Bauer, der Schuasta-Bauer von Stein, war Holzknecht. Zuerst bei den Cramer-Klett´schen Forstbetrieben im Priental, ab 1932, nach dem Verkauf an den Bayerischen Staat, beim Staatsforst. Simon Bauer trat bei seiner Berufswahl in seine Fußstapfen.

Berufsbild hat sich verändert

„Uns wurde die schönste Jugendzeit gestohlen“ – mit diesem bitterem Rückblick erinnert sich Bauer an seine Ausbildungszeit, die durch den Wehrdienst unterbrochen wurde. Am 6. Mai 1943, also genau zwei Jahre vor Ende des Zweiten Weltkriegs, erhielt Bauer vom Bayerischen Regierungsforstamt Oberbayern die Bescheinigung über die Zulassung zur Forstlehre. „Hierzu musste ich die Geburtsurkunden meiner Vorfahren bis zu den Großeltern vorlegen, um meine arische Abstammung nachzuweisen“. Bauer wollte eigentlich nicht nur Holzknecht, sondern Förster werden. Da er aber kein Abitur hatte, hätte es nur den Weg eines Studiums im Rahmen einer 12-jährigen Wehrmachts-Verpflichtung gegeben. Doch all diese Pläne und Möglichkeiten wurden durch den Krieg zunichtegemacht. Bauer kam noch während seiner Ausbildungszeit in ein sogenanntes Wehrertüchtigungslager. Am 10. August 1944 kam die Einberufung. Zuletzt war Bauer in der Fallschirmjägerdivision Hermann Göring in der Kaserne Reinickendorf, Berlin stationiert. Von dort kehrte er nach Kriegsende nach rund 1.300 Kilometern Fußweg zurück in seine Heimat.

Zurück daheim konnte Bauer beim Forstamt wieder anfangen. „Während dieser Zeit gab es einen Forstmeister, der immer auf die Jagd ging und sich währenddessen auf der Diensthütte aufhielt. Ich musste ihm täglich die Post auf die Diensthütte bringen“, erinnert sich der 93-Jährige.

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Die hauptsächlichen Tätigkeiten bestanden aus Holzvermessung und Einteilung des Holzes in verschiedene Güteklassen. Der damalige Stundenlohn betrug 32 Pfennige. „Mit diesem Lohn musste ich zu einem großen Teil zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ab 1950 wechselte ich in eine Stücklohn-Partie im Revier Sachrang.“

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Der Arbeitstag begann auf dem Berg in der Früh um 7 Uhr, die Wochenarbeitszeit waren 49 Stunden. „Das Holz wurde damals noch mit Handschlitten vom Berg gebracht, was sehr gefährlich war. Einige Male sprang ich vom Schlitten ab, bevor es zu einem Unglück kommen konnte.“ Im Sommer blieben die Arbeiter meistens die Woche über auf der Hütte. „Nicht selten war es, dass wir dabei die Almen mit ihren Sennerinnen aufsuchten.“ Auf diese Weise lernte Simon Bauer auf der höher gelegenen Oberkaseralm seine spätere Ehefrau Traudl, die aus einem Bauernhof vom Samerberg stammte, kennen.

Erst in den 50er Jahren wurde die Motorsäge erfunden.

In 43-Jahren Arbeitsleben veränderte sich das Berufsbild. Der Holzknecht wurde Waldfacharbeiter und schließlich Forstwirtschaftsmeister. Bauer besuchte 1977 den ersten Lehrgang zum Erwerb eines Forstwirtschaftsmeistertitels in Bayern. Mit 49 Jahren drückte Bauer nochmals die Schulbank. „Es war kein leichtes Jahr, aber es hat sich gelohnt. Am 15. Dezember 1977 bekam ich als Erster in Bayern von 24 Männern den Forstwirtschaftsmeisterbrief. Als Erster deswegen, weil die Vergabe nach dem Alphabet erfolgte.“

Holzarbeiter Bauer präsentiert stolz seinen Meisterbrief von 1977.

Mit der Fortbildung veränderte sich noch mal Bauers Aufgabenbereich. Fortan war er für die Ausbildung der Lehrlinge verantwortlich. Ab 1950 gehörte Simon Bauer der Gewerkschaft GLF (Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft) an, von 1960 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 wurde er in den Personalrat der Oberforstdirektion München gewählt. Ab 1979 gab es für den Forstfachmann eine neue Aufgabe bei der damaligen Bayerischen Waldbauernschule in Hohenkammer im Rahmen der Erwachsenenbildung. Aufgrund seiner Kenntnisse wurde Bauer 1987 in den Prüfungsausschuss für Forstwirtschaftsmeisterprüfungen in Bayern berufen.

Schutzpatron der Holzfäller

Auf die Frage, was früher anders als heute war, sagt Simon Bauer: „Früher mussten wir uns mehr plagen und schinden und es war auch gefährlicher, heute sind der Lärm der Maschinen und die Abgase vom Benzin nachteilig.“

Erinnerungen aus dem Fotoalbum: Forstwirtschaftsmeister Simon Bauer aus Stein besitzt viele Aufnahmen, die seine Tätigkeit in den heimischen Wäldern dokumentieren.

Auch sei der Namenstag des Heiligen Vinzenz, dem Schutzpatron der Holzfäller (22. Januar) in Sachrang, Aschau und Frasdorf mit einem Gottesdienst begann worden. Danach ging es in ein Gasthaus „und für den Abend organisierten wir auch noch eine Musik“.

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