Mehr als 100 Sprengungen am Wendelstein

Bilanz der Lawinenkommissionen: „Es war ein intensiver und turbulenter Winter"

Aschau im Chiemgau - Einmal im Jahr treffen sich die drei ehrenamtlichen Lawinenkommissionen aus dem Landkreis Rosenheim um Bilanz zu ziehen.

Die Pressemeldung in Wortlaut:

Auf Einladung des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Rosenheim blickten sie in Aschau auf einen Winter zurück, der vor allem im Januar enorme Schneemassen mit sich brachte. Mehrfach mussten Pisten und Bahnen gesperrt werden. Um die Lawinengefahr zu minimieren, setzten die Lawinenkommissionen immer wieder Sprengstoff ein. Allein am Wendelstein wurde mehr als einhundert Mal gesprengt.

Den Reigen der Tätigkeitsberichte eröffnete der Obmann der Aschauer Lawinenkommission Rudi Angermaier. Auf der Kampenwand fiel bereits Anfang Oktober der erste Schnee. Aber erst am Neujahrstag war die Lawinenkommission Aschau zum ersten Mal gefordert, nachdem in der Silvesternacht mehr als 30 Zentimeter Neuschnee gefallen waren. Weitere Schneefälle und starker Wind machten eine erste Sprengung an der Schwarzen Wand am 3. Januar notwendig. Insgesamt wurden an sechs Tagen Sprengungen ausgelöst und dabei 150 Kilogramm des winterfesten und handhabungssicheren Sprengstoffs Ladin verbraucht.

Außergewöhnlich war der Winter auch auf dem Wendelstein. Der Obmann der Lawinenkommission Brannenburg Hans Vogt sagte: „In meiner über 50-jährigen Tätigkeit im Winter am Wendelstein, sind mir derartige Wetterereignisse nicht untergekommen.“ Die Schneefälle ab Silvester und starker Nord-Westwind führten zu einer massiven Schneeverfrachtung.

Ende Januar erstattete die Lawinenkommission Brannenburg Anzeige gegen einen Skitourengeher. Nach einer Übernachtung auf der Mitteralm Ende Januar hatte er eine Absperrung beseitigt, die wegen einer geplanten Lawinensprengung im Gschwandt errichtet worden war. Weil der Aufstieg des Tourengehers in der Ostabfahrt zu spät bemerkt wurde, konnte die Sprengung nicht mehr verhindert werden. Der Tourengeher hatte großes Glück, die abgehende Lawine verschüttete ihn nicht. Später beschwerte er sich am Talbahnhof der Wendelsteinbahn über die Sprengung. So konnte sein Name festgestellt und Anzeige erstattet werden. Das Bußgeldverfahren gegen ihn ist abgeschlossen.

Als Hans Konetschny, der Leiter der Lawinenwarnzentrale Bayern, seinen Rückblick auf den zu Ende gegen Winter begann, gab dieser ein kleines Lebenszeichen von sich. In Aschau fiel etwas Schnee, der sogar auf den parkenden Autos liegen blieb. Die enormen Schneefälle im Januar sorgten in Verbindung mit massivem Windeinfluss für eine große Lawinengefahr, so Konetschny. Im Bayerischen Alpenraum starben drei Menschen durch Lawinen, einer davon am Teisenberg im Chiemgau. Wie gefährlich ihre Arbeit sein kann, erlebten Mitglieder der Lawinenkommission in Ruhpolding, als sie nur knapp von einer Lawine verfehlt wurden. „Es war ein intensiver und turbulenter Winter“, so Konetschny abschließend.

Pressebericht Landratsamt Rosenheim

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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