Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gesundheitssystem ist klimaschädlich

Prof. Dr. Edda Weimann aus Aschau gewinnt Bronze Award for Green Hospitals

Prof. Dr. Edda Weimann bei der Preisübergabe in Barcelona. Sie hat mit der Fachklinik Gaißach in Bad Tölz den Bronze Award for Green Hospitals gewonnen.
+
Prof. Dr. Edda Weimann bei der Preisübergabe in Barcelona. Sie hat mit der Fachklinik Gaißach in Bad Tölz den Bronze Award for Green Hospitals gewonnen.

Wir gehen ins Krankenhaus, um gesund zu werden. Es ist ein Ort der Heilung. Doch gleichzeitig fördert ein Krankenhaus, wie das gesamte Gesundheitssystem, den Klimawandel, der Wiederrum nachweislich Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Ein Teufelskreis, den Prof. Dr. Edda Weinmann aus Aschau als medizinische Direktorin in der Fachklinik Gaißach in Bad Tölz durchbrechen möchte.

Aschau – In einem Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt sie, wie das Gesundheitssystem reformiert werden muss.

Sie haben den Bronze Award for Green Hospitals bekommen. Können Sie uns erklären, für was Sie genau ausgezeichnet wurden?

Edda Weimann: Das ist ein Preis, der von der internationalen Krankenhausgesellschaft vergeben wird. Man stand in diesem Jahr im weltweiten Wettbewerb mit 250 Krankenhäusern aus 38 Ländern. Unter meiner Leitung hat die Fachklinik Gaißach in Bad Tölz den Bronzepreis bekommen. Was eine wahnsinnig hohe Auszeichnung ist. Man muss zeigen, wie man langfristig die Klinik umstrukturiert und warum man als Vorbild für andere Krankenhäuser herangezogen werden kann. Dann kommt noch mit ins Spiel, wie man sich bereits über Auszeichnungen in der Vergangenheit qualifiziert hat. Außerdem wird der wissenschaftliche Ansatz, mit dem die Nachhaltigkeit umgesetzt wird, bewertet.

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Weimann: Es ist natürlich toll, dass die Arbeit auf einer internationalen Bühne belohnt wird.

Was haben Gesundheitssysteme mit Klimawandel zu tun?

Weimann: Klimawandel und Gesundheit wird von vielen noch nicht unbedingt in Zusammenhang gebracht. Klimawandel und Krankenhäuser fast noch gar nicht. Man hat vor rund zwei Jahren Berechnungen gemacht, wie viel das Gesundheitswesen zum Klimawandel beiträgt. Das Ergebnis war wirklich schockierend. Wenn das Gesundheitssystem ein Land wäre, dann wäre es der fünftgrößte Klimagas-Emitter weltweit. Wir haben den hippokratischen Eid abgelegt, der besagt: Füge kein Schaden zu. Wir wissen aber, wenn wir Klimawandel induzieren, schädigen wir Menschen.

Lesen Sie auch: „Bremsen, blocken, boostern“: Diese Corona-Regeln gelten in Bayern ab kommender Woche

Das heißt, dass der Klimawandel Krankheiten auslöst?

Weimann: Viele Krankheiten werde durch den Klimawandel verschlechtert. Atemwegserkrankungen, Allergien und Infektionserkrankungen nehmen zu. Aber auch das Risiko, Übergewicht und Diabetes Typ eins und zwei zu entwickeln wird erhöht. Auch unsere aktuelle Covid-Pandemie ist durch den Klimawandel entstanden, weil wir die planetaren Grenzen nicht respektieren. Da wir zu massiv in Naturgebiete eindringen und Mutationen von Viren stattfinden, die auf den Menschen übertragen werden. Man weiß, dass die Übertragung von Bakterien und Viren auf den Menschen – die Zoonosen – klimawandelbedingt zunehmen. Deswegen gibt es den Appell der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wenn wir nicht einen gesunden Planeten schaffen, werden Pandemien deutlich zunehmen.

Krankenhäuser verursachen außerdem viel Müll und Emissionen.

Weimann: Das Müllaufkommen ist unter Covid-19 deutlich schlimmer geworden. Was noch dazu beigetragen hat, ist, dass wir in den vergangen zehn bis 15 Jahren dazu übergegangen sind, vor allem Wegwerfprodukte zu verwenden. Es gibt bereits einige Länder, die versuchen, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. In Deutschland werden derzeit zum Beispiel sogar Metallpinzetten nach einmaliger Nutzung weggeworfen. Das ist eine unheimliche Verschwendung, die derzeit stattfindet und der wir Einhalt gebieten müssen.

Lesen Sie auch: „Auswirkung für alle“: Traunsteiner Klima-Initiative will rascher CO2 einsparen

Klimawandel bedeutet aber auch Naturkatastrophen, die ein Gesundheitssystem lahmlegen können.

Weimann: Die ganze Gesundheitsversorgung muss neu überdacht werden. Zum einen sehen wir das in der Covid-Krise. Was aber auch die Überschwemmungen in Ahrweiler gezeigt haben, ist, dass durch Naturkatastrophen Krankenhäuser und Arztpraxen wegfallen. Und Naturkatastrophen erzeugen mehr Notfälle. Durch die Klimakrise bedingt, müssen wir andere und neue Versorgungsstrukturen etablieren. Darauf sind wir in Deutschland überhaupt noch nicht eingestellt.

Was muss sich am deutschen Gesundheitssystem ändern?

Weimann: Momentan werden nachhaltige Konzepte auf freiwilliger Basis umgesetzt. Man kann sich engagieren, aber es besteht keine Verpflichtung dazu. Das britische Gesundheitssystem hat sich zum Beispiel offiziell verpflichtet, bis 2032 klimaneutral zu werden. Dort werden bereits die Emissionen, der Energie- und Wasserverbrauch, der Müll und viele andere Parameter, die Kliniken produzieren, erfasst. Dies ist in Deutschland bisher nicht vorgeschrieben. Es werden immer Bekundungen gemacht etwas zu erreichen, aber keine konkreten Maßnahmen umgesetzt. Es müsste für jedes Krankenhaus ein nachhaltiges Zertifikat geben, dass verpflichtend ist. Außerdem brauchen wir unbedingt andere Bestellrichtlinien. Derzeit bekommt das billigste Angebot den Zuschlag. Das billigste Angebot ist meistens aber nicht nachhaltig. Die Bestellung macht derzeit den größten Anteil an Klimagasen, auch aufgrund der langen Lieferketten, aus.

Lesen Sie auch: „Klima-Angst“: Darum leiden immer mehr Menschen unter dem Klimawandel

Warum ist Ihnen Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen wichtig?

Weimann: Ich war lange Zeit in der Geschäftsführung der Uniklinik in Kapstadt. Wir haben in Südafrika drei Jahre lang mit absoluter Wasserknappheit zurechtkommen müssen. Wir haben teilweise 50 Liter pro Patient verbrauchen können. Normalerweise verbraucht man zwischen 350 und 550 Liter Wasser am Tag. Es ist schwer, da überhaupt noch eine Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten. Ich habe Feuersbrünste und schwere Stürme miterlebt, bei denen das gesamte gesellschaftliche Leben außer Kraft gesetzt wurde. Das hat mich sehr geprägt und ich habe mir gesagt, da muss unbedingt gehandelt werden, denn so kann das nicht weitergehen.

Wie setzen Sie sich für einen besseren Klimaschutz im Gesundheitswesen ein?

Weimann: Was man machen muss: Man muss die Leute mitnehmen. Die Menschen wissen nicht, dass Deutschland neben der Schweiz im Gesundheitswesen die meisten Klimagase in Europa ausstößt. Man muss viel Aufklärungsarbeit auch beim eigenen Personal und bei Patienten betreiben, um den Status quo zu erklären und welche Lösungsansätze es gibt. Ich gebe auch Vorlesungen für Medizinstudenten zum Thema Klimawandel und Gesundheit, ein neues Lehrgebiet, das mittlerweile auch prüfungsrelevant ist.

Kommentare