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Kult- und Kultureinrichtung

40 Jahre Kramerwirt – Hubbi Schlemer über wilde Partys und Abende voller Kultur

Hubert „Hubbi“ Schlemers angestammter Platz seit 40 Jahren ist hinter der Bar des Kramerwirts.
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Hubert „Hubbi“ Schlemers angestammter Platz seit 40 Jahren ist hinter der Bar des Kramerwirts.

Mundartsänger und Songwriter Max von Milland hat hier die Premiere seines zweiten Albums gefeiert, Luise Kinseher gab eine Kabaretteinlage zum Besten und der ein oder andere Bad Endorfer hat hier bestimmt seinen ersten Kuss bekommen – beim Kramerwirt in Hemhof. Heuer feiert der Kramerwirt sein 40-jähriges Bestehen. Ein Portrait über Hubbi Schlemer, die Seele der Wirtschaft.

Hemhof –Die „Boazn“ ist mal Treffpunkt, mal Schauplatz von hitzigen Schaffkopfturnieren, mal Partyhöhle, mal Kleinkunstbühne. Und so vielfältig die Veranstaltungen sind, so vielfältig ist die Person, die hinter all dem steht: Hubert „Hubbi“ Schlemer.

Seit 40 Jahren betreibt Schlemer nun den Kramerwirt. Angefangen hat alles, nachdem der heute 65-Jährige seine Ausbildung als Grafiker beendet hatte. „Ich wollte erst mal ein Jahr Ruhe und habe gejobbt.“ Dann erfuhren Schlemer und seine Schwester Dorle, dass die Gaststätte in Hemhof frei wird. „Es war schon immer ein Traum meiner Schwester, mal eine Bar zu haben“, erinnert sich Schlemer und mit dem Enthusiasmus junger Leute gingen die beide das Projekt an. Das Schlemer die Kneipe 40 Jahre lang betreibt, war eigentlich nicht sein Plan. „Wir dachten, wir machen das für zwei Jahre“, sagt der Wirt, doch aus zwei wurden vier, dann stieg seine Schwester aus. Und aus vier Jahren wurden 40.

Wilde Partys in den 80er

40 Jahre, in denen sich der Kramerwirt als Kult- und Kultureinrichtung in der Region etabliert hat. In den 80er und 90er Jahren ging es beim Hubbi hoch her. „Die 80er waren zügelloser“, schmunzelt Schlemer. Das ein oder andere Mal seien auch die Hüllen beim Feiern gefallen. Die Feiernden kamen nicht nur aus Hemhof und Bad Endorf, sondern fuhren aus dem gesamten Landkreis zum Kramerwirt.

So auch der jetzige Bürgermeister von Bad Endorf, Alois Loferer, der es bis heute nicht weit zum Hubbi hat. Mit Mofas seien die Klassenkameraden aus Prien nach Hemhof gedüst. Die Strecke zwischen Rimsting und Hemhof ist so bekannt, dass die Straße, die dort durch einen Waldabschnitt führt, „Hubbi Woid“ heißt. Und egal, ob man Sohn eines Landwirts oder Sohn eines Professors war, „sobald man beim Hubbi über die Schwelle getreten ist, waren alle gleich“, sagt Loferer.

Hubert Schlemer Mitte der 80er als Tarzan bei einer Theateraufführung. Schlemer

Sitzend passen rund 45 Menschen in die Kneipe, beim Feiern, „seien es schon weitaus mehr“ gewesen. Zeiten, an die sich auch Gemeinderätin Bettina Scharold erinnert. „Am späten Abend ist man gar nicht mehr zur Bar durchgekommen, da wurden die Getränke durchgereicht, und wenn man gegangen ist, hat man bezahlt.“

Hochkarätige Kulturveranstaltungen

In den 80ern kamen die Kulturveranstaltungen. Die hochkarätigen Bands, Kabarettisten und Musiker, die bei Hubbi aufgetreten sind, nach wie vor auftreten und dort zum Teil Vorpremieren feiern, so Loferer, prägten nachhaltig die Kleinkunstszene der Marktgemeinde. „Unser Kramerwirt Hubbi ist eine Institution, die für Originalität, Regionalität und Kreativität, gemixt mit Weltläufigkeit und einem Blick über den Tellerrand steht“, sagt Magdalena Restle, Kulturreferentin in Bad Endorf. „Das wäre mal den Kulturpreis des Landkreises wert“, fügt Loferer hinzu.

Und so facettenreich das Programm von Hubbi Schlemer ist, so facettenreich sei auch er, weiß Peter Helfmeyer, Leiter der Tourist Info Bad Endorf. „Ich bin eigentlich kein Wirt“, sagt Schlemer über sich selber. Dazu müsse man kochen können. Schlemer ist Künstler, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler. „Durch die Kneipe, durch das Lieder machen und Malen bin ich lebendig geblieben und nicht stumpf geworden.“

Grotesk, bunt und mit Witz: Das von Schlemer gemalte Bild „Sie wollen doch nur spielen“. Schlemer

In den vergangenen Jahren ist es ruhiger geworden. Die wilden Partys – vor allem am Donnerstag – beschränken sich nunmehr auf einzelne Tage im Jahr. Die Veranstaltungen sind hingegen nach wie vor hochkarätig und bunt gemischt. „Die Kneipe hat sich gesund geschrumpft“, sagt Schlemer. Er kann alles alleine stemmen. Unterstützung bekommt er, wenn er es braucht, von seinen Kindern.

Keine große Feier geplant

Mit dem Gastwirtschaftsbetrieb, der erst am Abend beginnt, hat Schlemer die Freiheiten, genau das zu tun, was ihm Freude macht. „Ich starte gemütlich in den Tag, mache Sport, die Buchführung“, so der Wirt und sagt auch ganz klar: „Ich bin faul. Ich mache nur was, wenn ich es möchte.“ Auch eine Art von Luxus.

Groß feiern will Schlemer das Jubiläum am 26. Mai nicht. „Wer kommt, der kommt“, sagt er.

In den 40 Jahren hat Schlemer schon das ein oder andere Mal überlegt, aufzuhören. Mitte der 90er stand er kurz vor der Pleite, da brachte die Kneipe ihn gerade so durch. Aber letzen Endes habe immer das Schöne überwogen. So lange es seine Gesundheit zulässt, will er weitermachen. „Die Kneipe ist lebendig.“ Sie lebt von Hubbi Schlemer, von der Kultur in ihr und den Gästen, die kommen.

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