Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jugendlichen eine Zukunft geben

Monika Stöckl hat in 17 Jahren ein Entwicklungsprojekt in Bolivien etabliert

Monika Stöckl in der Werkstatt der Näherei. Hier lernen die Kinder und Jugendlichen manuelle Fertigkeiten.
+
Monika Stöckl in der Werkstatt der Näherei. Hier lernen die Kinder und Jugendlichen manuelle Fertigkeiten.

Was als kleines Hilfsprojekt, das vor allem aus eigener Tasche finanziert wurde, angefangen hat, ist nach 17 Jahren zu einem etablierten Hilfsprojekt in La Paz, Bolivien geworden. Monika Stöckl erzählt wie sie die Kinder und Jugendilichen unterstützt eine eigene Zukunft aufzubauen.

Bad Endorf – „Ich finde das Wort „helfen“ blöd“, sagt Monika Stöckl, Gründerin des Kinder- und Jugendprojekt Wipalla in Bolivien. „Ich möchte die Jugendlichen in ihrer Entwicklung begleiten und ihnen ein würdiges Leben, in dem sie sich selber durchbringen können, ermöglichen.“ Ihr Hilfsprojekt, das 2004 in einem kleinen Raum in La Paz, Bolivien angefangen hat, hat sich zu einem Hilfsprojekt entwickelt, das knapp 130 Jugendliche, sowie rund 40 Frauen mit einem Strickprojekt, unterstützt.

Verbunden mit dem Land

„Ich war 2000 in einem Auslandssemester im Zuge meines Studiums Soziale Arbeit in Bolivien“, erinnert sich Stöckl an ihren ersten Aufenthalt in Südamerika. Eine Verbindung zu Bolivien und nach Südamerika hatte die jetzt 56-Jährige aber schon ihr Leben lang. „Mein Großvater hat drei Jahre lang in Argentinien als Architekt gearbeitet und mein Onkel hat zehn Jahre in La Paz als Braumeister“, sagt Stöckl. Seit ihrer Kindheit war sie umgeben von Kunst- und Kulturgegenständen Südamerikas sei es die gestrickten Lamas oder dem bolivischen Goldschmuck. „Ich wollte das Land immer sehen.“

Präventives Arbeiten ist wichtig

In ihrem Auslandssemester hat Stöckl in einem Straßenprojekt in La Paz mitgearbeitet. „Die Erfolgsquote des Projekts war gleich null. Da wurde mir klar, dass ich lieber präventiv arbeiten möchte.“ Heißt, den Kindern helfen, bevor sie auf der Straße landen.

Lesen Sie auch: Straße über Privatgrund wird verlegt: Die Marktgemeinde Bad Endorf reagiert auf Rechtsstreit

Alles hat mit einem Jugendtreff in einem kleinen Raum, der mit einem Tuch abgetrennt war, begonnen. Jetzt hat der seit 2016 anerkannte gemeinnützige Verein zwei Häuser, in dem die drei Projekte untergebracht sind.

In der Tagesanlaufstelle „Casa Wipalla“ erhalten die Kinder und Jugendlichen eine gesunde Ernährung mit einer medizinischen Grundversorgung. Die jungen Erwachsenen bekommen Hilfe bei ihren Hausaufgaben und am Nachmittag gibt es verschiedene Workshops zu Themen wie „Lebensplanung, was ganz wichtig ist, oder zu Hygiene, Sexualität und Umwelt“, erklärt Stöckl. Die Kinder zahlen für die Betreuung einen symbolischen Betrag.

Drei Ausbildungsprogramme

Zusätzlich gibt es ein Ausbildungsprogramm. „Wir haben drei Ausbildungswerkstätten: Schneiderei, Bäckerei und Metallverarbeitung“, so die Gründerin.

Der Verein hat seit 2011 ein Projekt betreutes Wohnen. Hier wird maximal zwölf männlichen Jugendlichen ab 14 Jahren ein neues zu Hause gegeben. Die Jungen werden über das Jugendamt vermittelt, oder andere Institutionen fragen bei der Organisation an. „Ganz schwere Fälle, wenn die Kinder bereits mit Drogen in Kontakt gekommen sind, lehnen wir aber ab“, so Stöckl.

Lesen Sie auch: Helga Maria Finsterwalder verarbeitet den Verlust ihrer Sehkraft in einem Buch

Immer wieder stößt Stöckl bei ihrer Arbeit auf Hindernisse, sei es vonseiten der Regierung, oder zuletzt durch die Corona-Pandemie. „Es war so viel auf einmal. Es sind tausende Euros an Spenden auf einmal weggefallen.“ Da frage man sich schon manchmal warum macht man das. „Aber bisher haben sich alle Probleme immer wieder gelöst und das wird es auch diesmal.“

Immer wieder schöne Momente

Doch genauso gib es immer wieder schöne Momente. „Es gibt einen jungen Mann, der seit 2004 dabei ist. Er ist wie ein Ziehsohn für mich.“ Er hatte sich zuletzt im Projekt Wipalla engagiert. „Jetzt arbeitet er als Dozent an der Uni. Auch wenn ich traurig bin, dass er sich nicht mehr bei unserem Projekt engagiert, freue ich mich auch für ihn“, sagt Stöckl.

Lesen Sie auch: Zwei Michelin-Sterne für Grassau: Das sind die Pläne von Star-Koch Edip Sigl

Neben den Jugendlichen unterstützt Stöckl auch rund 40 Frauen mit einem Strickprojekt. Die Mütter der Jugendlichen haben sich getroffen. „Und wie es eben in Bolivien ist, kann es manchmal bis zu einer Stunde dauern, bis alle da sind“, sagt Stöckl. In der Wartezeit haben sie dann das Stricken angefangen. Die Ware wird unter anderem im Rosenheimer Weltladen, aber auch an die Rimstinger Sportfirma Maloja verkauft.

Stricken für Rimstinger Firma

Sie waren 2013 vor Ort und haben das Wipalla Projekt besucht. Für die Marke, die Wert auf Ethik, Nachhaltigkeit und Achtung für Mensch und Natur legt, war bereits vor dem Besuch klar, dass sie das Projekt unterstützen. „Die Begegnung hat uns nochmal bestärkt in unserer Entscheidung. Denn wir haben die Kinder, Strickerinnen und Projektmitarbeiter vor Ort besucht, ihren Alltag kennengelernt, ihr Engagement und ihre Hoffnung erlebt. Sie haben dem Projekt Gesichter und persönliche Geschichten gegeben“, sagt Peter Räuber, Gründer und Geschäftsführer von Maloja. Seitdem stricken die Frauen für Maloja unter anderem aus weicher Baby-Alpaka-Wolle Mützen, Schals, Ponchos und Jacken.

Stöckl kämpft, dass die Kinder, Jugendlichen und Frauen vor Ort „gut versorgt sind und eine Perspektive für ihre Zukunft haben, die sie selber aufbauen können.“

Kommentare