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Interview-Serie mit Pflegekräften aus Bernau

„Jede Begleitung ist einzigartig“: So pflegt Petra Laubhuber ihre Patienten

Pflegekräfte Iris Köpp-Wild (links) und Petra Laubhuber
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Pflegekräfte Iris Köpp-Wild (links) und Petra Laubhuber (rechts)

Bernau am Chiemsee - „Was?! Du arbeitest im Hospiz?! Das könnte ich ja niemals!“ – diesen Satz hören viele Fachkräfte aus dem Palliativbereich, wenn sie von ihrem Beruf erzählen. Deshalb haben wir nachgefragt, was sie dazu bewogen hat. In dieser Serie geben fünf Pflegekräfte aus dem Chiemseehospiz berührende Einblicke in ihre Arbeit. Petra Laubhuber gibt im Interview Auskunft:

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Tod und Sterben sind für viele Menschen Themen, mit denen sie sich nicht unbedingt täglich auseinandersetzen wollen. Was hat Sie dazu bewogen, im Hospiz zu arbeiten, wo sie zum Alltag gehören?

Eigentlich ist meine Oma daran Schuld (lacht)! Ich habe sie daheim gepflegt. Sie kam sterbenskrank aus dem Krankenhaus und es hieß, sie hat noch 14 Tage. Aus diesen 14 Tagen wurden fünf Jahre! Sie hatte schwer Diabetes und damals hieß das: keine Süßigkeiten, Spritzen, Diät. Ich habe sie dann gefragt: „Oma, was willst du? Willst du leben oder weiterhin verzichten?“. Und sie hat gesagt, sie will leben. Und sie hat jeden Tag ein Stück Prinzregententorte gegessen (lacht), von unserem Bäcker.

Es war ihr klar, dass sie dann eher sterben könnte, wenn sie sich nicht an die Diät hält, aber sie wollte das. Das haben wir fünf Jahre gemacht. Kurz bevor sie gestorben ist, da war sie ganz schwach, hat sie mich angeschaut und gesagt: „Danke für alles“. Und da habe ich gelernt, manchmal ist es nicht mehr wichtig, eine Erkrankung zu heilen, sondern zu leben. Und das versuchen wir hier im Hospiz.

Und diese Erfahrung hat Sie inspiriert, sich diese Arbeit zum Beruf zu machen… Was macht denn Hospizarbeit für Sie aus?

Hier kann ich jeden Menschen so nehmen, wie er jetzt ist. Mich interessiert nicht, warum er so krank ist. Ich will wertfrei arbeiten und das macht total Spaß! Und die Zeit zu haben, auch einmal etwas anderes auszuprobieren, z.B. Aromatherapie, auch einmal einfach da sein dürfen ohne schlechtes Gewissen. Manchmal passiert es hier, dass wenn wir uns noch nicht ganz eingelesen haben, und deshalb die Krankengeschichte noch nicht so genau kennen.

Aber das ist nicht schlimm, weil wir den Symptomen begegnen und schauen, was jetzt gebraucht wird. Und die Teamarbeit ist ganz wichtig, die verschiedenen Blickwinkel, die wir als Team haben. Im Krankenhaus hat man eben die Krankenpflege-Ausbildung und ist so in seinem Fahrwasser drin und hier grätschen so viele Professionen hinein, und das macht es spannend - manchmal auch anstrengend, aber auch wieder gut.

Und was mir auch so wichtig ist, ist unsere Gedenkfeier, die wir nach ein paar Monaten nachdem jemand verstorben ist, mit den Angehörigen feiern. Und es ist so wertvoll für mich, mitzubekommen, wie es ihnen dann geht. Im Krankenhausalltag hat man dafür überhaupt nicht die Zeit. 

Sie sagen also, im Krankenhaus sind einige Umstände ganz anders. Können Sie uns noch etwas mehr über diesen Unterschied erzählen, zwischen Arbeit auf Station und im Hospiz? 

Der Riesenunterschied ist, dass wir mehr Zeit haben für unsere Bewohner, dass es sehr persönlich ist. Und im Vordergrund steht nicht die Erkrankung, sondern der Mensch mit all seinen Bedürfnissen, Sorgen. Nach der Ausbildung habe ich auf der Intensivstation gearbeitet. Und da habe ich Apparatemedizin kennengelernt, wo nur zählte, am Leben zu bleiben. Patientenverfügungen gab es damals nicht oder sie wurden nicht eingehalten. Und als ich dann Kinder bekommen habe, habe ich diese Arbeit vor ihnen nicht mehr verantworten wollen.

Alle auf Station machen eine super Arbeit, aber so, wie das damals gemacht wurde, dass Patientenverfügungen zerrissen wurden, Dialyse bis zum Ende gemacht wurde, oder eine Chemo, bis es wirklich nicht mehr geht, das war für mich nicht mehr im Sinne der Menschen, die es betraf. „Die Galle auf Zimmer 23“, das gab es wirklich, dass der Name nicht gesagt wurde. Und in diesem System habe ich keinen Platz mehr für mich gesehen.

Da scheint es nur konsequent, sich umzuorientieren. Können Sie uns noch von einer Begleitung oder Begegnung erzählen, damit wir uns Ihre Arbeitsweise noch besser vorstellen können?

Wir hatten einmal einen Bewohner, der bestimmt eine dunkle Vergangenheit hatte und bestimmt nicht einfach war. Aber zu uns war er immer höflich und nett. Es war nicht wichtig, ob er heute oder morgen gewaschen wurde, sondern für ihn da zu sein. Das ist genau das, was mich hier so glücklich macht. Eine gewisse Freiheit, zu schauen, wie wir in jedem einzelnen Moment helfen können. Er hat zum Beispiel weitergeraucht und wir haben ihn dafür nicht verurteilt.

Genuss ist ja auch wichtig! Mein Satz, den ich den Bewohnern bei der Aufnahme immer sage, ist: „Sie sind der Chef und Sie sagen uns, was Sie wollen“. Dann schauen sie mich mit großen Augen an, weil sie das nicht gewöhnt sind. Und mein zweiter Satz: „Und das Wichtigste ist Ehrlichkeit“. Weil ich mich darauf verlassen will, dass sie mit mir über Symptome sprechen oder offen sagen, was sie brauchen. Und ich möchte auch sagen, was mir möglich ist und was nicht. Es klingt vielleicht blöd, aber Sterbebegleitung, Trauerbegleitung - das macht mir Spaß! Weil es nicht so grau, nicht so schwarz ist, wie man denkt! Und jede Begleitung ist einzigartig.

Pressemeldung Chiemseehospiz Bernau

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