Außergewöhnliche Rettung

Fuchs-Findelkind Onni aus Bernau: Vom Straßengraben ins Friseurstudio

Manu Geheb taufte den kleinen Findling „Onni“, zu Deutsch „Glück“.
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Manu Geheb taufte den kleinen Findling „Onni“, zu Deutsch „Glück“.

Manu Geheb erwies sich als Schutzengel für ein nur wenige Tage altes Fuchsbaby, das sie verschmutzt und unterkühlt morgens bei der Fahrt zur Arbeit nach Prien auf der Straße fand. Jetzt befindet sich das Tier zum Aufpäppeln bei einer Tierschutz-Einrichtung in Niederbayern.

Bernau – Warum sie den vermeintlichen Klumpen Dreck durch den Rückspiegel im Auge behielt, weiß Manu Geheb nicht. „Sonst bin ich kurz nach 7 Uhr auf dem Weg zur Arbeit nicht so aufmerksam“, sagt die 39-Jährige. Am vergangenen Samstag war sie es und rettete damit einem Fuchsbaby das Leben.

Das winzige Fellknäuel hielt zwei Frauen ein Wochenende lang auf Trab. So lange, bis es in fachkundige Hände übergeben war.

Autos fuhren haarscharf vorbei

„Die Autos sind wenige Zentimeter dran vorbei gefahren“, erinnert sich Geheb. Kurzerhand wendete sie, hielt an und sah nach. Mit einem Hundekotbeutel hob sie das völlig verdreckte, undefinierbare, aber eindeutlich lebende „Ding“ hoch. Ihren Tierarzt erreichte die Friseur-Salon-Inhaberin nicht, aber ihre Mitarbeiterin Nathalie Gavrilor.

Diese war wenig später mit einer Kiste, Handtuch und Wärmflasche zur Stelle und nahm das vermeintliche Findel-Kätzchen mit zur Arbeit, da Geheb ihren Hund im Auto dabei hatte.

Gründliche Reinigung und Fön-Trocknung in Prien

Im Friseurstudio in Prien angekommen, bekam das Tier eine gründliche Reinigung unterm lauwarmen Wasserstrahl und wurde mit dem Fön trockengepustet. Dann durfte es, warm verpackt in einer Kiste auf dem Küchentisch auf den Tierarzt warten. Dessen Diagnose stand schnell fest: Es ist ein kleiner Fuchs.

Der Tierarzt brachte Aufzuchtmilch und ein Fläschchen und riet, alle drei Stunden zu füttern und Onni warm zu halten. Onni war der kleine Fuchs kurzerhand getauft worden, das finnische Wort für „Glück“. „Glück hatte er, weil ich ihn gefunden habe, und Glück kann er jetzt auch brauchen“, so Geheb. Der Tierarzt informierte sich zudem, wer sich in Bayern mit Findel-Füchsen auskennt und holte sich telefonischen Rat.

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Die Mitarbeiterin der Tieroase Stefanshof nahe Kelheim schlug eine Rückführung vor, da Füchsinnen ihre verlorenen Jungen bis zu vier Tage lang suchen. Onni wurde in der Dämmerung nahe des Fundortes unterhalb des Gutes Hitzelsberg „ausgesetzt“. Zwar mit Wärmflasche in einer Kiste gut verpackt, aber hungrig, damit er nach seiner Mutter schreit und sie ihn leichter findet. Als es Nacht wurde, war der kleine Fuchs aber noch immer da.

Schreck: Onni und die komplette Schachtel verschwunden

Und so durfte Onni in seiner Kiste eine Nacht bei Mitarbeiterin Nathalie Gavrilor und ihrer Familie verbringen. Sobald der Sonntag dämmerte, kam der zweite Versuch in Sachen Auswilderung. Die Kiste mit dem Tierkind hatten die zwei Frauen hinter einem Baum versteckt.

Als sie später nachschauten, war die komplette Schachtel verschwunden. Schnell zur Stelle war dagegen eine erboste Anwohnerin. „Haben Sie etwa den kleinen Hund ausgesetzt?“, fragte die Frau. Sie hatte beobachtet, dass Gassigeher die Box mitgenommen hatten, nachdem ihr Hund sie gerochen hatte.

Große Reise zur Tieroase für den kleinen Onni

Geheb startete einen Suchaufruf über Facebook. Am Vormittag meldete sich einee Frau aus Frasdorf, bei ihr war das Fuchsbaby gelandet. Die mit Füchsen erfahrene Mitarbeiterin in Kelheim erklärte, dass ein neuer Versuch der Auswilderung keinen Sinn mehr mache.

Onni, den Geheb und Gavrilor extra nur mit Plastikhandschuhen und möglichst wenig angefasst hatte, war inzwischen durch zu viele Hände gegangen. Der Sonntag endete für die beiden Priener Friseurinnen mit einer 350 Kilometer langen Autofahrt zur Tieroase Stefanshof, von der Klein-Onni nichts mitbekam. „Der war satt und warm und hat gepennt“, so Geheb.

Tieroase päppelt Onni für Auswilderung auf

Bei der Tieroase angekommen erfuhren die Frauen, dass ihr Findeltier ein kleiner Rüde und maximal sechs Tage alt ist. „Die waren erschrocken, wie klein der ist“, so Geheb. Zusammen mit elf weiteren Fuchskindern wird Onni in der Tieroase aufgepäppelt, bis er groß genug ist, um zunächst im Außengehege alles zu lernen, was es für ein Leben in Freiheit braucht, ehe er in selbiges entlassen wird.

Wohlbehalten kam Onni nach einem abenteuerlichen Wochenende in der Tieroase an.

„Ich verfolge das weiter. Es ist erstaunlich, wie einem so ein Felldings so schnell ans Herz wächst“, sagt die Bernauerin. Jetzt hofft sie, dass dem Fuchsjungen sein finnischer Name auch das bringt, was er bedeutet.

Im September beginnen die Auswilderungen

Onni entwickelt sich bisher gut und trinkt alle zwei bis drei Stunden, berichtet die Vorsitzende der Tieroase Stefanshof, Helga Weiß, auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Im vergangenen Jahr betreute die Einrichtung nach jährlicher Steigerung bereits 30 Fuchswelpen bis zur Auswilderung, Einrichtungen dafür gebe es in Bayern noch zu wenige.

Die Tieroase fungiere lediglich als Erstaufnahmestation, solange bis die Welpen gut selbstständig fressen und gesund sind: „Dann übersiedeln sie in ein großes Auswilderungsgehege, ab September wird dann mit den Auswilderungen begonnen. Bis dahin sind sie so scheu, dass sie oft nur über die Überwachungskameras zu sehen sind.“ Die in Freiheit entlassenen Füchse werden noch einige Zeit gefüttert, damit sie sich langsam und stressfrei abnabeln und an die Freiheit gewöhnen könnten.

Sofort an einen Spezialisten wenden

Weiß erklärt, dass Fuchswelpen in der Regel ab April, spätestens im Mai, zur Welt kommen, in seltenen Fällen bereits Ende Februar. Ihre Ratschläge: „Wenn jemand ein Fuchsbaby findet (und auch gleich als solches identifizieren kann) sollte er sich so schnell wie möglich an Spezialisten wenden, um über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Wenn sich ein Welpe in unmittelbarer Lebensgefahr – so wie Onni mitten auf der Straße – befindet, gilt es natürlich, ihn zu sichern und warm zu halten. Kein Futter, kein Wasser, keine Milch, ehe nicht mit den entsprechenden Stellen Kontakt aufgenommen wurde.“

Fuchswelpen unterkühlen rasch

Eine Rückführung, so betont sie, dürfe keinesfalls unbewacht und niemals ohne Wärmflasche gemacht werden, da Fuchswelpen rasch unterkühlten.

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