Petition an Staatsregierung übergeben

Etappensieg für Kastner im Kampf gegen das Jodl-Grab

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Gemeinsam mit weiteren Unterstützern kämpft Wolfram P. Kastner mit einer Petition gegen den Erhalt des "Jodl-Grabs" auf der Fraueninsel. 
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Chiemsee - Die Beseitigung des "Jodl Grabs" auf der Fraueninsel - das ist das Ziel des Münchner Aktionskünstlers Wolfram P. Kastner. Am Dienstag nahm sich der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags der Sache an. 

Update, 16.30 Uhr - Pressemeldung Institut für Kunst und Forschung

Wie das Institut für Kunst und Forschung in einer Pressemeldung mitteilt, wurde die Petition an den Bayerischen Landtag am Mittwoch vom Ausschuss für kommunale Frage, Innere Sicherheit und Sport zur Würdigung an die Bayerische Staatsregierung übergeben. 

Der Ausschuss habe demnach einstimmig das Anliegen als berechtigt bezeichnet und fordere die Staatsregierung auf, die sachlichen und rechtlichen Aspekte der Petition daraufhin zu überprüfen, ob dem Anliegen, das Ehrenmal auf der Fraueninsel zu entfernen, stattgegeben werden müsse.

Das Institut gehe davon aus, dass dem Anliegen aus politischen Gründen entsprochen werden müsse. Die rechtliche Handhabe sieht es in der Friedhofssatzung und in Artikel 139 des Grundgesetzes. Laut Friedhofssatzung sei alles verboten, was öffentliches Ärgernis errege, was auf das Jodl-Grab zutreffe. Artikel 139 des Grundgesetzes enthalte die weitere Gültigkeit der Rechtsvorschriften zur "Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus". Demnach sei die Aufstellung von Gedenksteinen oder -tafeln, die die militärische Tradition untermauern sollen oder den Militarismus wachrufen verboten. Den Beschluss des Landtagsausschusses verstehe das Institut als Schritt zur Beseitigung des Ehrenmals auf der Fraueninsel.

Erstmeldung

Um dieses Ziel zu erreichen hat der 72-Jährige Ende 2019 eine Petition ins Leben gerufen. Mit den Unterschriften soll erreicht werden, dass das Grab, für das per Gerichtsbeschluss für weitere 20 Jahre ein Nutzungsrecht beschlossen wurde, vom Inselfriedhof der Fraueninsel verschwindet. Unterzeichnet haben die Eingabe über 100 Künstler Autoren und Juristen aus ganz Deutschland

Der Bayerische Landtag wird die Eingabe Kastners am Mittwoch, 12. Februar 2020, behandeln. Die Sitzung im Maximilianeum in München ist öffentlich und beginnt um 9.15 Uhr. Eine endgültige Entscheidung wird es am Ende nicht geben, der Petitionsausschuss versucht Lösungen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten außerhalb der formellen Rechtswege zu finden. 

Nicht die erste Petition gegen "Jodl-Grab" 

Inselbewohner und Architekt Georg Wieland habe Kastner zufolge schon 2014 mit diesem Mittel gegen die Grabstelle gekämpft, allerdings erfolglos: Die Petition sei damals mit dem Hinweis beschieden worden, das Ehrenkreuz für den Kriegsverbrecher werde ohnehin im Januar 2018 beseitigt - was allerdings im Nachgang nicht geschah

Kastner vom Institut für Kunst und Forschung in München hofft, dass sich der Petitionsausschuss dieses Mal der Gemeinde Chiemsee und den zuständigen Aufsichtsbehörden im Bezirk Oberbayern sowie der Bayerischen Staatsregierung dafür ausspreche, das "Denkmal für den Kriegsverbrecher unverzüglich zu beseitigen". Es sei "unerträglich, wenn 75 Jahre nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur Protagonisten dieser verbrecherischen Diktatur immer noch öffentlich gehuldigt" werde.

Der Münchner Aktionskünstler scheute in der Vergangenheit nicht vor Kundgebungen direkt auf dem Klosterfriedhof, wirft außerdem bayerischen Gerichten unter anderem "rechtes Gedankengut" vor. 

Wolfram P. Kastner - hier im Landgericht Traunstein - kämpft seit Jahren gegen den Erhalt des "Jodl Grabs" auf der Fraueninsel.

"Skandalöses Ehrenmal" auf Klosterfriedhof

Auf dem kleinen Friedhof der Klosterinsel der Gemeinde Chiemseesind viele Maler und Schriftsteller begraben: Max Haushofer, Wilhelm Jensen und Felix Schlagintweit, sowie Nachkommen des Dichters Freiherr von Eichendorff.

Im "Jodl-Grab", das in Kastners Augen ein "skandalöses Ehrenmal" ist, sind indes lediglich die beiden Frauen des  Generaloberst, Irma und Luise, bestattet. Die Asche des Kriegsverbrechers, der in den Nürnberger Prozessen zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, verstreuten alliierte Soldaten in einem Seitenarm der Isar. Denn ein Grab, so lautete damals die Befürchtung, hätte eine Pilgerstätte für Rechtsextreme schaffen können. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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