Aktionskünstler Kastner kämpft weiter für Beseitigung

Causa "Jodl-Grab" geht in die nächste Runde: Petition gestartet 

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Gemeinsam mit weiteren Unterstützern kämpft Wolfram P. Kastner nun mit einer Petition gegen den Erhalt des "Jodl-Grabs" auf der Fraueninsel. 

Chiemsee - Er wird nicht ruhen, bis er sein Ziel erreicht hat: Die Entfernung des Jodl-Grabs auf dem Inselfriedhof der Fraueninsel im Chiemsee: Aktionskünstler Wolfram P. Kastner hat jetzt eine Petition ins Leben gerufen. 

Kastner vom Institut für Kunst und Forschung in München verurteilt Denkmäler wie das "Jodl-Grab" auf der Fraueninsel und scheut auch nicht vor Kundgebungen direkt auf dem Klosterfriedhof, wirft außerdem bayerischen Gerichten unter anderem "rechtes Gedankengut" vor. 


Der 72-Jährige polarisiert und geht nun einen Schritt weiter, indem er eine Petition gegen das Grab, für das per Gerichtsbeschluss für weitere 20 Jahre ein Nutzungsrecht beschlossen wurde, ins Leben gerufen hat. 

90 Unterzeichner 

Kastner verurteilt die Grabstelle auf Schärfste: "Auf der Grabstätte der Familie Jodl handelt es sich bei dem übergroßen steinernen Kreuz, das dem Jodl gewidmet und mit einem Eisernen Kreuz versehen ist, nicht um ein Grabdenkmal, sondern um ein Kenotaph und damit ein Ehrenmal, das gegen die Friedhofssatzung, die Kontrollratsdirektive 30, das Grundgesetz und die Bayerische Verfassung verstößt und international seit Jahren öffentliches Ärgernis erregt". 


Um nun eine Änderung zu erwirken, wurde eine Petition ins Leben gerufen. "Wir fordern, dass dieses unwürdige, rechtswidrige und völlig unzeitgemäße Schandmal beseitigt wird", betonen die Unterstützer um Kastner. Insgesamt 90 Bürger haben die Eingabe unterzeichnet, darunter viele Künstler, Autoren und Juristen aus ganz Deutschland.

Denkmal für Jodl "unverzüglich beseitigen" 

Die Petition des Inselbewohners und Architekt Georg Wieland von 2014 sei damals mit dem Hinweis beschieden worden, das Ehrenkreuz für den Kriegsverbrecher werde ohnehin im Januar 2018 beseitigt. Dies aber sei nicht geschehen, weil die Gemeinde nach Ansicht Kastners "nur die Beendigung des Grabnutzungsrechts aufgrund von Platzmangel anstrebte, nicht aber die Entfernung des Ehrenkreuzes, das eindeutig gegen die Friedhofssatzung verstößt, großes öffentliches Ärgernis erregt und eine Verharmlosung des nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürsystems" darstellte.

Die Unterstützer der Petition erklären weiter: "Wir bitten den Petitionsausschuss diesmal der Gemeinde Chiemsee und den zuständigen Aufsichtsbehörden im Bezirk Oberbayern sowie der Bayerischen Staatsregierung verbindlich aufzugeben, das Denkmal für den Kriegsverbrecher Jodl nun unverzüglich zu beseitigen. Es ist unerträglich, dass 75 Jahre nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur Protagonisten dieser verbrecherischen Diktatur immer noch öffentlich gehuldigt wird." 

Gedenkveranstaltungen Rechtsradikaler? 

Kastner zufolge hätten Nachfragen beim Klosterladen der Fraueninsel ergeben, dass es immer wieder Anfragen von Besuchern gebe, wie es sein könne, dass hier an einen Kriegsverbrecher erinnert werde. 

Von einer Äbtissin der Benediktiner Abtei der Fraueninsel sei ihm ebenso mitgeteilt worden, dass bisweilen "Gedenkveranstaltungen von Rechtsradikalen vor diesem Denkmal stattfinden und dort Kränze abgelegt werden".

"Skandalöses Ehrenmal" auf Klosterfriedhof

Auf dem kleinen Friedhof der Klosterinsel der Gemeinde Chiemseesind viele Maler und Schriftsteller begraben, darunter Max Haushofer, Wilhelm Jensen und Felix Schlagintweit, sowie Nachkommen des Dichters Freiherr von Eichendorff. 

Im "Jodl-Grab", das in Kastners Augen ein "skandalöses Ehrenmal" ist, sind indes lediglich die beiden Frauen des  Generaloberst, Irma und Luise, bestattet. 

Die Asche des Kriegsverbrechers, der in den Nürnberger Prozessen zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, verstreuten alliierte Soldaten in einem Seitenarm der Isar. Denn ein Grab, so lautete damals die Befürchtung, hätte eine Pilgerstätte für Rechtsextreme schaffen können. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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