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Nach gescheiterter Verfassungsklage

„Letztes Wort noch nicht gesprochen“: Kastner kämpft weiter gegen „Jodl-Grab“ auf der Fraueninsel

Aktionen am „Jodl-Grab“ auf der Fraueninsel  beschäftigen Bundesverfassungsgericht
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Wegen Aktionen am „Jodl-Grab“ auf der Fraueninsel musste sich der Münchner Künstler Wolfram Kastner unter anderem vor dem Bundesverfassungsgericht verantworten.

Die Debatte um das umstrittene „Jodl-Grab“ des ehemaligen Wehrmachtsgenerals Alfred Jodl auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel geht in die nächste Runde. Der Münchner Künstler setzt seinen Kampf gegen das „Ehrenkreuz“ fort - davon können ihn auch Geldstrafen im fünfstelligen Bereich nicht abhalten.

Frauenchiemsee - Der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner hat in den vergangenen Jahren regelmäßig mit verschiedenen Aktionen vor Ort protestiert, bemalte das Kreuz unter anderem mit roter Farbe, und musste Schadensersatz zahlen.

Gegen seine Verurteilung durch die Münchner Zivilgerichte hatte Kastner in Karlsruhe geklagt, doch die zweite Kammer des Bundesverfassungsgerichts nahm seine Beschwerde nicht zur Entscheidung an. Die Münchner Urteile würden den Künstler „nicht in seinem Recht auf künstlerische Betätigungsfreiheit“ verletzen, heißt es in dem am 21. Mai veröffentlichten Beschluss.

Gericht habe einen „Fehler“ begangen

Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, verspricht Kastner im Gespräch mit rosenheim24.de. Denn mit dieser Entscheidung würden sich die Richter Kastner zufolge „schützend vor das Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl“ stellen. Über seinen Rechtsanwalt Jürgen Arnold habe der Künstler bereits eine Gegenvorstellung an das Bundesverfassungsgericht versandt.

In erster Linie stoße Kastner sauer auf, dass das Gericht das „Jodl-Grab“, in dem sich die sterblichen Überreste des ehemaligen Wehrmachtsgenerals Alfred Jodl gar nicht befinden, als „Grabmal“ oder „Grabstätte“ deklariert habe. „Es handelt sich dabei ganz eindeutig um ein ‚Ehrenkreuz‘, ein ‚Kenotaph‘“, unterstreicht Kastner. Dass an derselben Stelle lediglich die beiden Ehefrauen Jodls, Irma und Luise, begraben seien, tue nichts zur Sache.

In seinen Augen habe das Gericht hier einen „Fehler“ begangen, den es einzugestehen gelte: „Ich bin ein gemäßigter Optimist und hoffe, dass diejenigen, die im Unrecht sind, ihre Entscheidungen basierend auf Fehleinschätzung einsehen und zurücknehmen - selbst wenn es sich dabei um ein Gericht handelt.“

Kosten für Kastner im fünfstelligen Bereich und Prozess am Landgericht Traunstein

4.000 Euro musste Kastner Nachfahren des NS-Kriegsverbrechers Alfred Jodl wegen der Beschädigung der Familiengrabstätte zahlen. Mit Gerichtsverfahrens- sowie Anwaltskosten kam der Künstler allerdings summa summarum auf einen Betrag von rund 12.000 Euro zu. „Eine stolze Summe für mich“, gibt Kastner gegenüber rosenheim24.de zu.

In Kürze steht für den 74-Jährigen auch noch ein Prozess am Landgericht Traunstein an - wegen Sachbeschädigung und Diebstahl. Denn Kastner habe von der Steinplatte das „J“ im Namen „Jodl“ entfernt und an ein Museum geschickt. „Odl“ sei Kastner zufolge der süddeutsche Begriff für Jauche, die sei braun und stinke. „Dass ich den Buchstaben entfernt habe, ist jedoch kein Diebstahl, denn ich habe ihn schließlich nicht behalten“, ist Kastner überzeugt. Wann der Prozess stattfinden wird, stehe noch nicht fest.

Aufgeben kommt für den Münchner Künstler nicht infrage

„Ein Ehrenkreuz für einen Kriegsverbrechen, Nazi-General und Massenmörder für die nächsten 20 Jahre auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel - das geht doch nicht.“ Und mit dieser Meinung stehe er nicht alleine da, denn viele seien der Auffassung, so könne man damit nicht umgehen. Daran ändere auch die Tatsache, dass das Grab inzwischen von einer Steinplatte und einer Bank verdeckt wurde, nichts.

Kastner zieht im selben Moment einen Vergleich: „Das kommt mir so vor, als würde man ein Bild von Hitler an der Wand mit einem Tuch verdecken, das weggenommen werden kann, wie man lustig ist. Ich bin ein großer Freund der offenen Gesellschaft und werde weiter meine Meinung offenbaren.“ Denn aufgeben käme für ihn nicht infrage.

Streit um „Jodl-Grab“ schwelt seit Jahren

Jodl war als ehemaliger Wehrmachtsgeneral nach dem Zweiten Weltkrieg bei den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen zum Tod verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet worden. Seine Asche wurde in der Isar verstreut, er liegt nicht auf der Fraueninsel begraben. Kastner hatte 2015 und 2016 mit mehreren Aktionen dennoch gegen das umstrittene „Jodl-Grab“ protestiert.

Die Gemeinde Chiemsee, zu der die Fraueninsel gehört, hatte das Grabnutzungsrecht zunächst nicht verlängern wollen, um den Streit zu beenden. Doch dagegen gab es ebenfalls ein Urteil. Immerhin ist der Grabstein jetzt verändert – der Name des Generals ist mit einer Tafel verdeckt. So sei es in Ordnung, meinte Gemeinderat Georg Klampfleuthner in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Mai.

mb/dw/lby

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