Interview: Ein Jahr im Amt

Chiemseer Bürgermeister Armin Krämmer über sein erstes Amtsjahr: „Zammhoid´n, egal was passiert“

Armin Krämmer, ehrenamtlicher Erster Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee.
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Armin Krämmer, ehrenamtlicher Erster Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee.

Chiemsee – Seit einem Jahr ist Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) als Erster Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee im Amt. Bei seiner Amtseinführung fegte ein heftiger Sturm über die Fraueninsel hinweg. Ein Bild mit Symbolkraft für das erste Amtsjahr, wie Krämmer im Interview bestätigt.

Wie stürmisch waren die bisherigen Monate für Sie?

Armin Krämmer: Corona-bedingt teilweise stürmisch und teilweise nicht so stürmisch. Aber mit dem derzeitigen Gemeinderat kommt man trotzdem sehr gut und schnell voran. Allerdings werden die Sitzungen immer noch in unserem Kloster abgehalten, weil die Abstände im Gemeindehaus im Sitzungssaal nur teilweise eingehalten werden können. Hierfür an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an unsere Gemeinschaft des Schwesternkonvents. Ich selbst konnte tatsächlich bisher noch keine Gemeinderatsitzung im Gemeindehaus abhalten.

Welche Erwartungen, die Sie an Ihr Amt hatten, haben sich bestätigt, welche nicht?

Krämmer: Für mich haben sich alle Erwartungen bestätigt. Der Wille, etwas zu erreichen, ist immer gegeben. Auch dank dem früheren Gemeinderat, der sich weiterhin zur Verfügung stellte. Ein großes Lob an alle und ganz besonders auch an die neuen Mitglieder des Gemeinderats. Aber das Wichtigste ist derzeit, dass jeder gesund ist und gesund bleibt.

Wie stressig ist eigentlich das Leben eines ehrenamtlichen Rathauschefs, zwischen Beruf und Kommunalpolitik? Sie sind von Beruf ja Elektriker.

Krämmer: Mein im wahrsten Sinne des Wortes „neues Leben“ entwickelt sich recht gut, ist aber auch aufwendig und stressig geworden. Dass das Ganze so überhaupt funktioniert und doch recht gut klappt, verdanke ich aber meiner Frau und meiner Familie, meinem ganzen Umfeld mit meinem Freundeskreis sowie allen Bürgern der Gemeinde Chiemsee, natürlich auch nicht zuletzt meinen Kollegen und der Verwaltung in Breitbrunn. Wer mich kennt, weiß von was ich rede…

Was würden Sie manchmal gern ändern, wenn Sie könnten?

Krämmer: Die Corona-Situation würde ich natürlich gerne ändern, und zwar für alle. Ich hoffe nur, dass wir das Ganze in näherer Zukunft gemeinsam länderübergreifend in Griff bekommen. Ich denke aber, dass die Menschen sich nun allgemein wieder mehr Gedanken über ihre Gesundheit machen, und über das, was man vor der Pandemie vielleicht nicht mehr so geschätzt hat. Es gibt wichtigeres als Geld und Profit.

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Was mögen Sie besonders an Ihrem Amt?

Krämmer: Den besonderen Ort, wo ich aufgewachsen bin und leben darf. Bei uns in der Gemeinde Chiemsee ganz speziell die Nähe zu wirklich jedem Bürger und auch mittlerweile die Nähe zu den Ämtern und deren verantwortlichen Personen. Besonders unseren Chiemsee mit den Inseln, wo einfach alles zusammenpasst.

Wie beeinflusst Corona Ihre Arbeit als Bürgermeister, abgesehen von den üblichen Hygieneregeln?

Krämmer: Das Schlimmste ist die derzeit die eingeschränkte Gemeinschaft unter den Bürgern in unserer Gemeinde, die man aushalten muss. Speziell für unsere älteren Menschen auf den Inseln ist das nicht einfach. Aber das Wichtigste ist, dass jeder gesund bleibt und keine gesundheitlichen Schäden davonträgt. Die Corona-Zahlen waren bei uns zum Glück nie sehr hoch.

Welche Projekte wollen Sie in den kommenden Amtsjahren noch in Angriff nehmen oder zu Ende bringen?

Krämmer: Es gibt viel anzupacken, und einiges zum Ende zu bringen, wobei ein Ende meiner Meinung nach niemals in Aussicht stehen darf: Es gibt immer was zu tun. Ein wichtiger Punkt sind die noch nicht vorhandenen öffentlichen Toiletten auf den Inseln, was sich gerade jetzt als Problem darstellt, weil die Gastronomie mit ihren WC-Anlagen nicht geöffnet sein darf.

Ein paar dringende bauliche Veränderungen stehen an, in den Bereichen Gebäude und auch wasserrechtlich. Dazu auch noch Sanierungsmaßnahmen. Ein sehr wichtiges Anliegen gibt es bei uns immer, das ist die Förderung der Gemeinschaft. Dazu gehört jeder, von Jung bis Alt, der schon immer als Insulaner auf der Insel lebt, aber auch derjenige der „neu dazu kommt“.

Speziell auf der Insel muss man auf die jungen Leute schauen, dass sie mit samt ihren Geschwistern dort bleiben können, wo sie aufgewachsen sind und wo sie hingehören und nicht wegen Platzmangel aufs Festland ziehen müssen. In anderen Gemeinden gibt es Einheimischen-Modelle für den Immobilienerwerb, wo wir uns natürlich schwertun. Aber selbst das ist keine unlösbare Aufgabe, wenn wir zusammenhalten.

Ihr Motto, wenn Sie denn eines haben?

Krämmer: Zammhoid´n, egal was passiert.

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