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Auftrieb der besonderen Art

Schafe schippern über den Chiemsee: Beschickung der Krautinsel

Ein Lastwagen voller Schafe samt Bock und Ziege haben die Krautinsel für ihre Sommerweide bezogen.Hötzelsperger
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Ein Lastwagen voller Schafe samt Bock und Ziege haben die Krautinsel für ihre Sommerweide bezogen.Hötzelsperger

Ein tierischer Auftrieb der besonderen Art fand vor kurzem am Chiemsee statt. Ohne großes Aufsehen erfolgte am Montag, 10. Mai 2021, die Beschickung der Krautinsel mit Schafen.

Chiemsee – Seit 20 Jahren ist Michael Berneder aus Schörging in der Gemeinde Bernau dabei, wenn seine Schafsherde das Sommerquartier bezieht. Heuer herrschte schönstes Sonnenwetter, als es mit dem Anhänger von Schörging nach Gstadt und von dort mit der Fähre zur Krautinsel ging.

Der Fährmann setzt die Tiere über

Enkelin Christine Perl führt daheim mit ihrer Familie inzwischen die Bio-Schäferei. Christines Schwager Fritz Perl spannte Bulldog und Anhänger ein, um die Reise auf die Krautinsel zu starten. Als wüssten die 22 Berg- und Mutterschafe, der Bock und eine Ziege Bescheid, gingen sie bereitwillig auf den Transportwagen.

Eine knappe halbe Stunde dauerte die Fahrt auf der Straße von Schörging über Prien nach Gstadt.Michael Bernrieder fuhr den Weg mit seinem Motorboot von Bernau-Felden aus auf dem Chiemsee. Auch Fährmann Florian Pertl von der Gemeinde Chiemsee war pünktlich und so ging es gleich weiter über den See.

Chiemsee führt genug Wasser zum Anlanden

„Zur Zeit haben wir genug Wasser im Chiemsee, so dass das Anlanden auf der Krautinselgut möglich ist“, erklärte der Fährmann gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Berneder ergänzte: „In den 20 Jahren hatten wir noch nie ein richtiges Problem gehabt, es ist immer gut gegangen“.

Auf der 3,5 Hektar großen und unbewohnten Krautinsel fanden sich die Schafe sofort zurecht, frisches Gras, reichlich Wasser und zaunlose Weiden – ein wahres Insel-Paradies. Die Krautinsel, die nach der Herren- und Fraueninsel das kleinste Eiland auf dem „Bayerischen Meer“ ist, war in früheren Zeiten vom benachbarten Kloster und von den Fraueninsulanern für den Gemüse- und Kräuteranbau genutzt worden. Nur ein paar wenige Obstbäume erinnern daran.

Schafe sorgen für sanfte Pflege der Weideflächen

Die Fläche der Insel ist in viele kleine Grundstücks-Anteile aufgeteilt. Die Besitzer, in der Regel Familien und das Kloster der Fraueninsel, sind heute froh und dankbar, dass die Bio-Schäferei mit ihren Schafen für eine sanfte Pflege der Weideflächen sorgen.

Um nach dem Rechten zu schauen, kommt Michael Berneder mindestens einmal die Woche auf die Krautinsel. Er hat sich dort eine kleine, mit einem Gatter geschützte Hütte hergerichtet für das Werkzeug, für Futterreserven bei Kälte-Notfällen und für ein paar Bienenvölker.

„Übernachten ist auf der Krautinsel nicht erlaubt, aber die Besuche tagsüber sind schon eine angenehme Sache, denn nach getaner Arbeit kann man den Blick zur Fraueninsel und in die Chiemgauer Berge so richtig genießen“, so der 80-jährige Senior-Schäfer.

Nur Tiere dürfen auf der Krautinsel übernachten.

Keine Zäune, kein Wolf auf der Krautinsel

Und Christine Perl ist froh, dass ihr Opa sich noch regelmäßig um das Schafsvolk auf der Krautinsel kümmert, so kann sie sich dem Hofgeschehen daheim widmen. Dass ihre Familie seit 20 Jahren das Weiderecht auf der Krautinsel von der Gemeinde Chiemsee bekommt, ist für die Bio-Schäferin noch aus einem besonderen Grunde wichtig: „Auf der Krautinsel brauchen wir fast keine Zäune und was noch wichtiger ist, der Wolf kann unseren Schafen nichts anhaben. Auf dem Festland herrscht wegen der Wölfe große Sorge, aber hier mitten im Chiemsee ist die Welt noch in Ordnung“.

Insel-Bürgermeister bittet Besucher um Rücksicht auf die Tiere

Insel-Bürgermeister Armin Krämmerist froh und dankbar über die gute Krautinsel-Beweidung durch die Bio-Schafe aus Schörging. Er sagt: „Ich finde es sehr gut, dass die Schafherde jedes Jahr an diesem schönen Ort im Chiemsee sein kann. Jedoch müssen die Schafe, Wasservögel und alle anderen Tiere von den Besuchern in dem Naturschutzgebiet respektiert werden. Dies ist sehr wichtig, damit die Tiere ihren gewohnten Freiraum auf der Krautinsel weiter nutzen können.“

Immer mehr Besucher kommen

Durch den steigenden Zuwachs an Besuchern in den vergangenen Jahren sei das immer schwieriger geworden. Die Gemeinde Chiemsee werde den Schäfer jedenfalls auch weiterhin mit den kostenlosen Überfahrten unterstützen. Die Organisation der Überfahrten ist oft nicht einfach, da hierfür besondere Wind-, Wetter- sowie Seestandverhältnisse benötigt werden.

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