Wegen Fracking am Langbürgner See bei Eggstätt

Bürgerinitiative schreibt Brief an Söder und fordert Einhaltung von Versprechen

Sepp Hofer (li.) und Mary Fischer.

Eggstätt/München - "Fracking" war in den letzten Jahren ein heiß diskutiertes Thema am Langbürgner See. Die Bürgerinitiative "Chiemgauer Seenplatte gegen Gasbohren" hat sich nun mit einem offenen Brief an Ministerpräsident Söder gewandt:

Vor zwei Jahren beschloss der Bundestag engere Regeln für das höchst umstrittene Fracking. Mit dieser Risikotechnologie wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, um Erdgas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten zu fördern. Die Bürgerinitiative "Chiemgauer Seenplatte gegen Gasbohren" nahm mit Besorgnis eine Meldung zur Kenntnis, nach der die Bundesregierung demnächst eine Expertenkommission beschließen will, die bis zu vier mögliche Probebohrungen in unkonventionelle Lagerstätten wissenschaftlich begleiten soll. 

Der Bund will die Erkenntnisse nach dem Ablauf des Fracking-Moratoriums heranziehen, um 2021 über den weiteren Umgang mit dieser riskanten Fördermethode zu entscheiden. Nach fünf fracking-freien Jahren wird die Gasindustrie dann wieder vermehrt Bohrlizenzen beantragen. Um eventuellen Begehrlichkeiten im Bereich des Naturschutzgebietes der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte zuvor zu kommen, sieht sich die Bürgerinitiative veranlasst, den jetzigen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder in einem offenen Brief vorsorglich zu bitten, sich ebenfalls an das im August 2013 in Rosenheim gegebene Versprechen seines Vorgängers zu halten: "Unter den Langbürgner See wird nicht gebohrt – auch nicht von außen!"

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder, 

mit diesem offenen Brief wendet sich die Bürgerinitiative Chiemgauer Seenplatte gegen Gasbohren an Sie mit der Bitte, unsere Heimat mit dem ältesten Naturschutzgebiet Bayerns, der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte auch künftig vor wirtschaftlichen Eingriffen mit Risikotechnologien zu bewahren. 

2011 war das österreichische Unternehmen RAG Rohöl-Aufsuchunngs AG von der Bayerischen Staatsregierung beauftragt worden, neben dem Naturschutzgebiet nach Erdgas zu bohren. Die Bohrungen sollten unter der Oberfläche abgeleitet und in das Naturschutzgebiet geführt werden. Das Ansinnen dieser Firma unter das Naturschutzgebiet zu bohren, konnte im Januar 2013 durch anhaltende Proteste der Bevölkerung vorläufig abgewehrt werden. Die RAG bewertete das Projektportfolio neu und nahm von einer Bohrung unter den Langbürgner See Abstand. 

Wir haben eine Bittschrift an die Staatsregierung gerichtet, die von 22.500 Unterzeichnern getragen war. Ihr Vorgänger im Amt, Herr Seehofer, hat uns am 8. August 2013 versichert, dass die Bayerische Staatsregierung alle Maßnahmen daran messen wird, dass es sich bei der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte um ein ökologisch besonders sensibles und herausragendes Gebiet handelt. Eine "Unterwanderung" der Schutzgrenzen soll weiterhin ausgeschlossen werden. 

Dieses Seengebiet birgt für etwa 30.000 Menschen den Trinkwasservorrat. Die Seenplatte ist auch deswegen mehrfachen Schutzrichtlinien unterstellt. Aber gegen eine Erdgasaufschlussbohrung besteht kein absoluter Schutz, zumal das Bergrecht immer noch nicht an die Gegebenheiten unserer Zeit angepasst wurde. Das Verfahren kann jederzeit wieder aufgenommen werden. Wir Einwohner des Chiemgaus haben allergrößte Sorgen, dass unser wertvolles Naturschutzgebiet, unser Trinkwasser und unsere Heimat beeinträchtigt und zerstört werden, wenn doch noch eine Genehmigung erteilt werden würde. 

Wir richten den dringenden Appell an Sie, Herr Ministerpräsident: Es darf hier keine Bohrung geben! Wir bitten Sie um eine verbindliche Zusage, dass dieses Gebiet allzeit von jeglichen Bohrvorhaben ausgeschlossen wird.

Mit freundlichen Grüßen
BI Chiemgauer Seenplatte gegen Gasbohren
Mary Fischer, 1. Sprecherin
Sepp Hofer, 2. Sprecher

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