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Amtsgericht Rosenheim

Frasdorf: Jungjäger wegen Wilderei verurteilt

Den illegalen Abschuss zweier Gams hatte das Amtsgericht Rosenheim jetzt zu verhandeln.
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Den illegalen Abschuss zweier Gams hatte das Amtsgericht Rosenheim jetzt zu verhandeln.

Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte jetzt einen 42-jährigen aus dem östlichen Landkreis wegen Wilderei zu einer Geldstrafe. Die Waffe des „Jungjägers“ wurde eingezogen. Das Gericht verhandelte fast fünf Stunden. Es ging um den Abschuss zweier Gams.

Frasdorf – Der Angeklagte hatte erst wenige Jahre zuvor die Jägerprüfung abgelegt, als er sich im Dezember 2019 in den Pirschbezirk unterhalb des Riesenbergs begab. Das Revier gehört dem Forstbetrieb Schliersee und ist Teil der Bayerischen Staatsforste (BaySF). An jenem Tag hatte es die ganze Nacht und den Vormittag über heftig geschneit. Das Auto ließ er an der Jagdgrenze zurück. Er wollte oberhalb der Felspartien pirschen. Aber in Schnee und Nebel habe er sich furchtbar verlaufen: „Mei, da schaut jeder Baum wie der andere aus.“

„Kitz hätte Winter nicht überlebt“

Der Jäger schilderte ausführlich, wie er auf eine Geiß und ihr Kitz stieß: „A ganz a geringes Kitz, des hätt` den Winter eh nicht überlebt.“ Die Geiß habe eine alte Laufverletzung gehabt, wie er trotz der hohen Schneedecke gesehen habe. Dann legte er los. Er schoss auf das Kitz, dann auf die Geiß. Beide wurden nicht tödlich getroffen. Als die Tiere flüchteten, schoss er ihnen freihändig nach. Nach fünf Schüssen waren sie endlich tot. Kurz darauf sei plötzlich der Nebel aufgerissen. Und da habe er gesehen, dass er mitten im Revier des Nachbarn stand.

Angelegenheit zunächst verschwiegen

Damit dieser „Irrtum“ aber nicht zu Konsequenzen führte, habe er sich entschlossen, die Angelegenheit zu verschweigen. Er habe die beiden Gams zum Auto gezogen und sei nach Hause gefahren. Er hatte die Tiere auch nicht in das „Wildeingangsbuch“ in der Kühlkammer des Forstbetriebs eingetragen. Der hat Anspruch auf das Wildbret, nicht der Pirschbezirkler.

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Der Jagdnachbar hatte schon am Tag nach dem Vorfall die großen Blutflecken im Schnee entdeckt: „Des hot ausg´schaut wie in einer Metzgerei!“ Er sah auch die Reifenspuren eines Geländewagens, mit dem die Gams offensichtlich abtransportiert worden waren. Der zuständige Berufsjäger fragte daraufhin den Vater des Angeklagten, ob er etwas von einem Gamsabschuss wisse. Der versicherte: „Wir waren gar nicht im Revier.“ Er sei mit seinem Sohn bei einer Geburtstagsfeier gewesen. Der Forstbetrieb vermutete also „echte Wilderer“ und erstattete Anzeige.

Verdacht auf nachbarlichen Jagdfrevel

Mit der Zeit wuchs der Verdacht, dass es sich doch um nachbarlichen Jagdfrevel gehandelt habe. So wurde ein Geländewagen gesehen, der zur Tatzeit ins Revier gefahren war. Der Zeuge konnte das Auto des Angeklagte aber nicht mit Sicherheit identifizieren. Auch die am Tatort sichergestellten Patronenhülsen halfen zunächst nicht, es fehlte das passende Gewehr dazu.

Erst ein Vorfall in einem Jagdrevier bei Prien brachte Bewegung in die Sache. Dort hat der Vater des Angeklagten ebenfalls eine Jagderlaubnis. Der Revierpächter wurde im Winter 2020 von der Polizei angerufen: Spaziergänger hatten ein schwarzes Fell entdeckt, das ihnen verdächtig vorkam. Wie sich herausstellte, hatte der Senior dort, an einem Luderplatz, tatsächlich ein Gamsfell deponiert.

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Auf Nachfrage erklärte er, die Gams sei im Hochriesgebiet geschossen worden. Die Polizeibeamten fanden keine Eintragung von erlegten Gams in dem Zeitraum, jedoch die Anzeige wegen Wilderei. Die Schlinge zog sich nun langsam zu. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten wurde ein Gewehr gefunden, das zum Kaliber der gefundenen Hülsen passte.

Tests belegten Gewehr

Tests am Landeskriminalamt belegten: Mit diesem Gewehr waren die Gämsen geschossen worden. Immer wieder beteuerte der Wildschütz vor Gericht, dass er ja praktisch nichts dafür könne, die beiden Gams geschossen zu haben. Als Jungjäger könne man schon mal die Orientierung verlieren. Dazu der zuständige Berufsjäger: „Der Grenzgraben ist im Gelände ganz genau ersichtlich.“ Und der Jagdnachbar erklärte: „Wenn man die Steige nicht kennt, kommt man gar nicht über die Felsabstürze im Gelände herum.“

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Zwar wurde deutlich, dass das Verhältnis zwischen den beiden benachbarten Pirschbezirklern nicht das Beste ist. Aber auch der Berufsjäger stellte Vater und Sohn kein gutes Zeugnis aus. „Die halten sich nicht an Grenzen! Wenn bei uns die Regelung ist, da wird nicht gekirrt, machen die es trotzdem!“

Angst um den Erlaubnisschein

Immer wieder versuchte Amtsrichterin Gruber die Wirklichkeit hinter den Aussagen von Zeugen und Angeklagtem zu ergründen. War er wirklich nur der unbedarfte und unerfahrene Jungjäger? Auf Nachfrage sagte er, er habe halt hauptsächlich im Forstbetrieb Ruhpolding geweidwerkt. Und warum habe er den Abschuss nicht gleich dem Berufsjäger gemeldet, wie es Vorschrift sei? „Sie müssen verstehen, das war eine Extremsituation. Da ist dann gleich der Erlaubnisschein weg.“

Schon einmal Hirsch mit Senderhalsband erlegt

Anscheinend trafen da zwei Welten aufeinander. Der Jungjäger will nicht nur jagen, er will auch Beute machen. So beschreibt ihn der Berufsjäger. Im Nachbarforstbetrieb Ruhpolding wurde ein Auge zugedrückt, als der Angeklagte einen Hirsch mit Senderhalsband „aus Versehen“ erlegt hatte.

Auch der geschädigte Forstbetrieb Schliersee zeigte sich gnädig.

Entschuldigung nach 15 Monaten

15 Monate nach der Tat rief der Täter beim Betriebsleiter an, um sich zu entschuldigen. Der habe die Entschuldigung angenommen. Nach Aussage des Angeklagten bestätigte er, es komme immer mal wieder vor, dass sich einer bei der Reviergrenze vertue. Das gebe nur eine mündliche Abmahnung. Der Wildschütz musste nur noch die Gebühr für das Wildbret und eine Abschussgebühr zahlen.

Selbst nach Stunden der Verhandlung war dem uneinsichtigen Jungjäger nur ein Teilgeständnis zu entringen. Er bestritt bis zuletzt, vorsätzlich jenseits der Pirschbezirksgrenzen gewildert zu haben. Sein Anwalt plädierte auf Freispruch.

Die Richterin blieb nur wenig hinter der vom Staatsanwalt geforderten Strafe von 85 Tagessätzen zurück. Ihr Urteil: 80 Tagessätze wegen erwiesener Jagdwilderei.

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