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Viel Arbeit, kleiner Verdienst

Landwirtschaft mit Liebe: Petra Murner aus Halfing züchtet nur bedrohte Rinderarten

Petra Murner mit einer ihrer liebsten Kühe.
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Petra Murner mit ihrer liebsten Kuh, einer Jochberger Hummel. Die Tiere sind genetisch hornlose Pinzgauer Rinder.

Petra Murner (57) betreibt in Halfing ein Landgut mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter. Warum die Landwirtin vom Aussterben bedrohte Rinder züchtet und was daran sonst noch besonders ist.

Halfing - „Die Landwirtschaft ist komplex“, sagt Petra Murner. „Da steckt viel Idealismus dahinter.“ Sie bleibt im Eingangsbereich ihrer Arbeitsräume stehen und deutet auf eine Tafel. Die Begriffe darauf scheinen ihr wichtig zu sein: Schöpfung bewahren, Miteinander, dem Gemeinwohl dienen, ein ehrliches Produkt und Bodenständigkeit.

Extrem und stark gefährdete Rassen

Um diese Ziele zu erreichen, geht Murner einen außergewöhnlichen Weg mit ihrem Bio-Betrieb. Sie züchtet alte Rassen: Murnau-Werdenfelser- und Pinzgauer-Rinder. Auf der Roten Liste der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ sind die Murnau-Werdenfelster-Rinder als extrem gefährdet und die Pinzgauer-Rinder als stark gefährdet gelistet.

Neugierig auf Besucher: Ein Murnau Werdenfelser Rind vom Landgut Enhuber in Halfing steckt ihren Kopf durch den Zaun.

Da sie dem heutigen Leistungsanspruch nicht genügen, sind die Tiere sind der 57-Jährigen zufolge vom Aussterben bedroht. Die Rinder geben nicht so viel Milch wie andere Rassen. Nach Angaben der Landwirtin produzieren die Murnauer 4000 bis 5000 Liter pro Jahr und die Pinzgauer 5000 bis 6000. Zweinutzungsrinder, die zur Milch- und Fleischproduktion genutzt werden, geben Josef Andres, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, zufolge bis zu 8000 Liter Milch pro Jahr.

„Alles sehr natürlich“ und „selten“

Doch Murner melkt die Tiere ohnehin nicht: „Die Kälber saufen die ganze Milch der Kuh.“ Zudem leben die Tiere in einem natürlichen Herdenverband und die Kälber bleiben bei ihren Müttern - es handelt sich also um einen Mutterkuhbetrieb. „Im Voralpenraum gibt es sowas eher selten“, sagt Kreisobmann Andres. „Das ist alles sehr natürlich.“ Meist handele es sich dabei um Nebenerwerbsbetriebe mit viel Liebe zum Tier. So wie bei Petra Murner.

Im Jahr 2013 hat sie den Hof von ihrem Vater übernommen. Er hatte die Landwirtschaft aufgegeben und die Flächen verpachtet. Das Ziel der 57-Jährigen sei von Anfang an gewesen, selbst etwas aus den zehn Hektar zu machen. Sie hat eine Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschaftsmeisterin gemacht und Fortbildungen zur Betriebswirtin, Gartenbäuerin und einen Jagdschein. Die Voraussetzungen um einen Betrieb zu führen, hat Murner also. Sie hat den Hof entrümpelt, eine abgebrannte Halle wieder aufgebaut und die ersten Ochsen gekauft. Nun leben dort neben Schweinen und Hühnern, auch die 48 vom Aussterben bedrohten Rinder.

Die Rinder dürfen ihre Hörner behalten

Noch etwas ist besonders an den Rindern auf dem Landgut Enhuber: Sie haben Hörner. Meist enthornen Bauern ihre Tiere aus Sicherheitsgründen. Etwa indem den Kälbchen die Hornanlagen, also der kreisförmige Ansatz, aus dem das Horn wachsen würde, mit einem Brennstab ausgebrannt und die Nerven- und Blutbahnen verödet werden. Solche Methoden nutzt Murner nicht. „Die Viecher dürfen ihre Hörner behalten“, sagt sie. Nur die drei Jochberger Hummeln haben keine Hörner, allerdings aufgrund ihrer Genetik.

Die Murnau-Werdenfelser- und Pinzgauer-Rinder dürfen ihre Hörner behalten.

Die jungen Stiere werden mit fünf bis sieben Monaten unblutig kastriert und bekommen dafür Schmerzmittel. Die Landwirtin erklärt, warum das nötig ist: „Sonst raufen die brutal untereinander.“ Kastriert -also dann als Ochsen - seien sie einfacher zu händeln und ruhiger in der Herde. Mit drei Jahren werden die Ochsen geschlachtet und in einer nahegelegenen Metzgerei weiterverarbeitet. Die Kälber lässt Murner nicht schlachten, weil sie ihr leid tun: „I leb ja mit de Viecher, mir ist wichtig, dass es den Tieren gut geht.“

Nur Gras und Heu von den eigenen Wiesen

Auch deshalb ist der Stall ist im Winter sowie Sommer offen, sodass die Kühe und Ochsen Freilauf haben. „Sie können selbst entscheiden, wann sie auf die Weide gehen“, sagt Murner. Im Sommer stünden sie oft im Stall, weil es den Rindern draußen zu heiß sei. Fünf bis 18 Grad sind Murner zufolge die Wohlfühltemperatur. Zudem bekommen die Rinder kein Kraftfutter, nur Gras von den eigenen Wiesen und Heu.

„Die Arbeit ist hart, macht aber viel Spaß“, sagt Murner. Sie könne sich dabei aufs Wesentliche konzentrieren und erden. „Ich brauche jedenfalls keinen Psychologen“, beteuert die Landwirtin und lacht. Dennoch steht sie vor einem Problem: Die Auflagen der Behörden werden nach ihren Angaben immer strenger und die Kosten steigen immer weiter - ob für die Schlachtung oder Energie. „Jeder Tag ist eine Herausforderung“, sagt die 57-Jährige.

Verbraucher bestimmen den Markt

Ihr Ziel sei, dass sich der Hof auf lange Sicht selbst finanziert. Aktuell könne sie ihn nur halten, weil sie noch Mieteinnahmen hat. Doch sie sieht eine Chance. In der Corona-Pandemie seien Fragen aufgetaucht wie: „Wer kann uns versorgen und was brauchen wir wirklich?“ Deshalb appelliert Petra Murner an die Verbraucher, die den Markt durch ihre Einkäufe mitbestimmen könnten - das sei „das A und O“. Es sei wichtig, regional einzukaufen und darauf zu achten, was man konsumiert.

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