Projekt-Gegner wollen weiter kämpfen

Halfing: Protest gegen Erdgasförderung wächst – Energieversorger plant Diskussionsforum

Aufgrund der geplanten Erdgasbohrungen durch die Firma Wintershall Dea befürchten die Gegner des Projekts negative Auswirkungen auf die umliegende Natur und Landschaft, wie hier auf die wenige Kilometer entfernten Urschlachquellen zwischen den Halfinger Ortsteilen Irlach und Mühldorf.
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Aufgrund der geplanten Erdgasbohrungen durch die Firma Wintershall Dea befürchten die Gegner des Projekts negative Auswirkungen auf die umliegende Natur und Landschaft, wie hier auf die wenige Kilometer entfernten Urschlachquellen zwischen den Halfinger Ortsteilen Irlach und Mühldorf.

Der Widerstand gegen die Erdgasförderung in Halfing wächst weiter. Während die Bürgerinitiative „Pro Halfing“ Info-Aktionen plant, läuft parallel eine Online-Petition. Das verantwortliche Unternehmen Wintershall Dea meldet sich erneut zu Wort und möchte die Gegner zu einem Diskussionsforum einladen.

Halfing– Eigentlich hatte sich die Bürgerinitiative (BI) „Pro Halfing“ mit dem Ziel gegründet, die Ortsentwicklung voranzutreiben. Und eine Umgehungsstraße zu erkämpfen, um die Verkehrssituation im Dorf zu entlasten.

„Aktuell setzen wir uns aber ebenfalls gegen das Vorhaben der Erdgasförderung ein. Andere Ortsentwicklungsprojekte stagnieren und hierfür gibt es Geld“, erklärt Hildegard Rieger-Aigner, Begründerin der BI.

Sorge um Natur: „Völlig aus der Zeit gefallen“

Der Grund für das Engagement sei primär die fehlende Nachhaltigkeit des Projekts. Denn es würden fossile Energiequellen in einer Verwertungsanlage verbrannt. „Wir müssen die letzten natürlichen Ressourcen für die nächsten Generationen schützen“, sagt Rieder-Aigner.

Das ganze Vorhaben sei für sie und ihre Mitstreiter „völlig aus der Zeit gefallen“ und hätte nichts mit Klimaschutz gemein. Zumal genügend Erdgas zur Verfügung stünde, da es in Gollenshausen einen Speicher für Erdgas aus Russland gäbe.

Auch die Angst um die heimische Natur ist groß. Die Infrastruktur, die ringsrum errichtet werden müsse, verschlinge große Flächen. Das Bio-Monitoring, das die Firma Wintershall Dea durchführen ließ, diene „nur dazu, sich zu trösten“, so Rieder-Aigner.

Online-Petition an Bayerische Staatsregierung

Mit dieser Meinung ist sie in Halfing nicht allein. Derzeit läuft auch eine Online-Petition gegen das Erdgas-Projekt – gerichtet an die Bayerische Staatsregierung. Andrea Aicher ist die Initiatorin. „Ich hoffe, dass wir das Vorhaben verhindern können. Ich finde, Erdgas zu fördern, bedeutet ein Rückschritt in der Klimadebatte“, sagt sie.

Denn das Verbrennen von fossilen Brennstoffen entspreche nicht den gesetzten Zielen, bis 2030 klimaneutral zu sein.

Als Bauingenieurin kenne Aicher die Argumente der Firmen – aber auch die Studien zum Klimawandel. „Wenn wir jetzt nicht in erneuerbare Energien statt in fossile Brennstoffe investieren, dann haben wir keine Chance“, sagt sie.

Unternehmen will Ängste und Bedenken ausräumen

Zu Wort meldet sich auch Derek Mösche, Unternehmenssprecher der Wintershall Dea Deutschland, der die zahlreichen Leserbriefe zum Vorhaben in Halfing verfolgt. „Auch wir sehen die Heimat der Leserbriefschreiber als schützenswert an und wollen die wertvolle Natur, das Klima und die Landschaft bewahren. Aber wir haben auch den Auftrag, einen umweltverträglichen Beitrag zur heimischen Energieversorgung zu leisten“, sagt er.

Der Energieversorger argumentiert deswegen mit der Verschiebung im Energiemix von Kohle zu Erdgas als Brückentechnologie.

Um Ängste und Bedenken auszuräumen, hätte die Wintershall Dea über ein Jahr lang ein Biomonitoring durchführen lassen. Laut Mösche mit dem Ergebnis, dass „keine geschützten, seltenen oder gefährdeten Tier- oder Pflanzenarten in der Nähe der möglichen Plätze vorkommen“. Dies sei auch bei der Gemeinderatssitzung am 11. Februar erklärt worden.

Weiterer Klärungsbedarf

Für die Halfinger Bürgerinitiative und Andrea Aicher ist diese Aussage „ein Schlag ins Gesicht“. „Dass der Chiemgau nicht schützenswert sei, werden viele Einheimische hier anders sehen“, sagt Aicher.

Der Energieversorger sehe weiteren Klärungsbedarf. „Wir schlagen ein digitales Dialogforum vor, in dem Bürger, Umweltverbände und wir ergebnisoffen an Projekten zur Minimierung von Störwirkungen, geeigneten Schutzmaßnahmen sowie möglichen Ausgleichsprojekten arbeiten können“, so der Unternehmenssprecher.

Ein konkreter Termin oder Plan, wie sich dies in Coronazeiten umsetzen ließe, will die Wintershall Dea demnächst vorstellen.

Weiterer Gegenwind angekündigt

Hildegard Rieder-Aigner gibt sich damit aber nicht zufrieden: „Wintershall Dea muss mit viel Gegenwind rechnen“, sagt sie. Geplant sei nun eine große Plakataktion. „Wir wollen die Halfinger aufklären, welche Argumente dagegen sprechen“, so Hildegard Rieder-Aigner. Denn die Wintershall Dea hätte in einer Videokonferenz zugesagt, das Projekt aufzugeben, wenn der Gegenwind zu stark wird.

Die rechtliche Situation

Von 1986 bis 1996 wurde in Halfing bereits Erdgas gefördert. 2004 übernahm Wintershall Dea (damals RWE Dea AG) die Lizenz und führte 2008 eine neue seismische Untersuchung durch. Nun plant Wintershall Dea die erneute Förderung.

Im Rahmen eines verbindlichen Arbeitsprogrammes hat das bayerische Wirtschaftsministerium die Erlaubnis zur Aufsuchung der Reserven erteilt. Die Genehmigung konkreter Maßnahmen erfolgt separat, insbesondere durch die bergamtliche Zulassung.„Letztlich ist es aber nicht unsere Aufgabe die Gegner zu überzeugen, sondern unseren Standpunkt klarzumachen“, sagt Mösche gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Denn die Bodenschätze gehören dem Land. So entscheide nicht die Kommune, sondern die Staatsregierung. „Wir haben den Auftrag vom Bayerischen Wirtschaftsministerium erhalten“, so Mösche. Das Bohrprojekt befindet sich derzeit noch in der Planung. Pro Jahr ist eine Förderung von 120 Millionen Kubikmetern angedacht. Ab November soll der Bohrplatz gebaut werden, Start der Erkundungsbohrung soll im März 2022 sein.

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