Bürgerentscheid zur Zukunft des Dorfangers am Sonntag, 20. Januar

Wohnbauprojekt oder Bürger-Treffpunkt? Ergebnis steht fest

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Eines der Wahllokale in der Grundschule Höslwang. 
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Höslwang - Rund 1.000 wahlberechtigte Bürger haben am Sonntag über die Zukunft der Ortsmitte abgestimmt. Es ging um die Frage, ob am Dorfanger weiterhin ein Spiel- und Bolzplatz vorhanden sein oder an dieser Stelle ein kommunales Wohnbauprojekt verwirklicht werden soll. Nun steht das Ergebnis fest: 

Update, 19 Uhr: Das Endergebnis

Das Ergebnis steht fest: 1.027 Wahlberechtigte durften abstimmen, davon haben 545 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Über 20 Prozent davon fielen Pro Anliegen der Bürgerinitiative aus damit ging das Anliegen der Bürgerinitiative erfolgreich durch. 

Mit 339 Ja-Stimmen und 206 Nein-Stimmen werden die Planungen zu dem von der Gemeinde favorisierten Wohnbauprojekt am Dorfanger gestoppt. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,36 Prozent.

Update, 18.08 Uhr: Wahllokale geschlossen

Die Wahllokale sind seit 18 Uhr nun in der Grundschule geschlossen. Ersten Schätzungen zufolge liegt die Wahlbeteiligung in der kleinen Gemeinde Höslwang bei rund 50 Prozent. Von etwa 1.030 wahlberechtigten Bürgern registrierten die Wahlhelfer ersten Zählungen zufolge 520 Rückläufe

Es folgt jetzt die Auszählung, mit einem Ergebnis wird ab circa 18.30 Uhr gerechnet. 

Wenn es nach dem Willen der Gemeinde ginge, soll hier am Dorfanger ein Wohnbauprojekt entstehen. Viele Höslwanger aber wollen ihren Treffpunkt für Jung und Alt in der Dorfmitte behalten. Ein Bürgerentscheid soll nun Klarheit bringen. 

Vorbericht, Sonntag, 20. Januar, 8 Uhr: 

Im Sommer 2018 haben knapp 300 Höslwanger mit ihrer Unterschrift ein Bürgerbegehren ins Rollen gebracht: Die Bürgerinitiative "Keine Bebauung am Dorfanger" möchte die von der Gemeinde beabsichtigte Baumaßnahme im Herzen der Gemeinde verhindern. Es soll dort auch in Zukunft ein Spiel- und Bolzplatz sowie ein Treffpunkt für Jung und Alt bestehen bleiben. 

Die Ansicht der Bürgerinitiative: 

"Der Platz am Dorfanger ist seit Jahren gut besucht von Jung und Alt, Kinder spielen zusammen, man trifft Leute, die man länger nicht gesehen hat ganz spontan auf einen Ratsch", erklärt Wolfgang Lentner die Motivation der Bürgerinitiative und trifft einen in seinen Augen treffenden Vergleich: "Den Dorfanger als Treffpunkt zu verlieren wäre so, als würde München den Englischen Garten zubauen. Dann würden mit Sicherheit einige Tränen fließen.

Lentner sieht die geplante Baumaßnahme in mehrfacher Hinsicht kritisch. Ein Grund dafür sei, dass die alten Linden weichen müssten. "Das Ensemble mit den Bäumen, dem Spiel- und Bolzplatz in Zusammenhang mit den umliegenden Streuobstwiesen sowie der Blickkontakt zum Garten der Gaststätte 'Vivarium' ist sowohl den Höslwangern als auch unseren Gästen sehr ans Herz gewachsen. Dort trifft sich nicht nur die Jugend, dort feiern wir unsere alljährlichen Spielplatzfeste, Nachbarschaftsfeste oder Open-Air-Kinos, um nur einige Veranstaltungen in der Dorfmitte zu nennen."  

Dass dieser Ort nun einer Wohnbebauung mit acht Wohneinheiten auf einer Fläche von voraussichtlich 22 auf 15 Metern und einer Firsthöhe von 11 Metern mit insgesamt 16 Stellplätzen weichen soll, dieses Szenario sei nach Lentners Aussage für viele Höslwanger schwer vorstellbar. 

Der Spiel- und Bolzplatz soll zwar durch ein modernes Ensemble ersetzt werden, "die Ersatzfläche ist aber nur etwa halb so groß". 

Hier trifft sich Jung und Alt in Höslwangs Mitte - nur wie lange noch? 

"Freilich, Wohnraum wird gebraucht und ein neues Projekt begrüßen wir prinzipiell auch bei uns. Aber das Problem ist, dass nur diese Fläche am Dorfanger der Gemeinde gehöre und die hier die leichteste Handhabe hat. Alle anderen Flächen sind im Besitz der Kirche, gehören Privatleuten oder Landwirten", betont Lentner.  

Die Argumente gegen das geplante Vorhaben hat der Initiativkreis des Bürgerbegehrens online zusammengefasst.

Die Ansicht der Gemeinde: 

Der Meinung der Bürgerinitiative entgegen steht die Gemeinde, die an dem kommunalen Wohnbauprojekt festhält, wie Bürgermeister Matthias Maier mehrfach betonte. Für ihn zählt die Schaffung von sozialem und bezahlbarem Wohnraum, zumal der Freistaat Bayern die Gemeinde beim Bau preisgünstiger Mietwohnungen mit einem kommunalen Wohnbauförderprogramm finanziell unterstütze. Die Kaltmieten sei auf 7,50 Euro pro Quadratmeter für die Wohnungen auf der insgesamt 1500 Quadratmeter großen Fläche angepeilt. 

"Die Befürchtung, dass dem Spiel- und Bolzplatz das Aus droht, ist unbegründet", erklärt der Bürgermeister. Der Spielplatz werde nur um etwa 40 Meter verschoben und zudem auf den modernsten Stand neu gebaut. Auch Ersatzpflanzungen für die Linden seien vorgesehen. 

Warum die Bürger beim Entscheid für preisgünstiges Wohnen in Form des Neubauprojekts stimmen sollen, stellte der Bürgermeister Ende 2018 in einem Informationsschreiben dar, das auf der Gemeinde-Homepage öffentlich einsehbar ist. 

Entscheidung fällt am Sonntagabend: 

Die Höslwanger müssen nun also entscheiden über die Frage, ob sie dafür sind, dass auf den Grundstücken mit den Flurnummern 47/4 und 47/7 keine Bebauung stattfinden und sämtliche Planungen bezüglich einer Bebauung gestoppt werden sollen. 

Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, 20. Januar 2019, statt. Von 8 bis 18 Uhr steht das Wahllokal in der Grundschule Höslwang am Kirchplatz offen. Wie das Ergebnis ausfallen wird, ist noch völlig offen. Vermutlich ab 18.30 Uhr werden alle Stimmen ausgezählt sein und das Ergebnis feststehen.  

*rosenheim24.de berichtet am Sonntagabend zeitnah über das Ergebnis des Entscheids.*

mb

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