Bürger verärgert über meterhohe neue Wegweiser *Mit Voting* 

Das steckt hinter dem "Schilder-Wahnsinn" in Höslwang

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In Höslwang werden neue größere Wegweiser entstehen - sehr zum Ärger von so manchem Bürger. 
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Höslwang - Riesige Metallgestelle zieren neuerdings die Ortseingänge von Höslwang - auf der einen Seite mit selbst gebastelten Schildern mit in rot gezeichneten Warnungen aus der Bevölkerung und auf der anderen Seite bereits mit fertig montierten gelben Wegweisern. Was steckt dahinter? 

In den vergangene Wochen fanden im Gemeindegebiet Bauarbeiten aus allen Richtungen zu den beiden Kreisstraßenkreuzungen bei Höslwang statt. Vor rund einer Woche wurden Gestelle, etwa fünf Meter hoch, an den Ortseingängen aufgestellt, wie ein Sonneringer Bürger gegenüber rosenheim24.de erklärt. Da sei vielen Bürgern klar geworden, dass zusätzliche Verkehrsschilder oder Wegweiser aufgestellt werden, sobald die Bauarbeiten beendet seien. Seit Mittwoch, 10. Juli, werden bereits einige der insgesamt fünf gelben Richtungsweisern montiert. 

"Höhe und Breite lassen Schilder von einer Größe erahnen, wie man sie allenfalls von Bundesstraßen und Autobahnen kennt", betont der Sonneringer. "Weit ragen die großen Betonfundamente in Wiesen und Felder und behindern künftig die Landwirte bei der Arbeit." 

Für den besorgten Bürger sei die vom Landkreis vorgesehene Beschilderung eine Art "Schildbürgerstreich". In den vergangenen Jahren seien im Gemeindegebiet mehrere Warnschilder nach einer Verkehrsbeschau als "überflüssig" eingestuft und schließlich entfernt worden - wie beispielsweise die Ankündigung auf eine kommende gefährlichen Kurve in Unterhöslwang.

Außerdem sei zu befürchten, dass die Kirschbäume am Radweg nach Sonnering womöglich den überdimensionalen künftigen Schildern weichen müssen - damit die Autofahrer uneingeschränkte Sicht auf die Verkehrshinweise haben. 

Der Baum, der direkt vor dem Metallgerüst und künftigem Wegweiser steht, muss vom Landkreis gefällt werden. 

Die Bürger seien ziemlich verärgert über diese Tatsache. Einige Höslwanger machten ihrem Ärger bereits Luft und dekorierten zwei Tragkonstruktionen mit eigenen beschriebenen Taferln. "Vielen Dank 'lieber' Ldkr. für den Schilderwaldwahnsinn" oder "Müssen die Kirschbäume weg?" ist darauf zu lesen. 

Das sagt die Gemeinde: 

Für Kopfschütteln sorgten die geplanten Schilder kürzlich auch im Höslwanger Gemeinderat. Nachdem aufgebrachte Bürger sich bei ein paar Räten beschwert hatten - mitunter von einer "Verschandelung der Landschaft" sei die Rede gewesen - habe das Gremium am vergangenen Montag, 8. Juli, darüber diskutiert. 

Bürgermeister Matthias Maier erklärte, der Gemeinde seien hier die Hände gebunden, man habe keinen Einfluss habe auf die Schilder, die dort montiert werden. Die Kreisstraßen fielen in die Zuständigkeit des Landkreises Rosenheim, die Gemeinde werde zu solchen Vorgehen gar nicht konsultiert. 

In Höslwang sorgten bis vor Kurzem meterhohe Metallgestelle und selber gebastelte Schilder für Aufsehen. 

Das sagt das Landratsamt Rosenheim:

Michael Fischer, Pressesprecher des Rosenheimer Landratsamts, bestätigte auf Nachfrage von rosenheim24.de, dass im Bereich zweier Knoten- und Kreuzungspunkte in Höslwang aktuell neue Wegweiser entstehen würden. Und: Sie seien tatsächlich größer als ursprüngliche Schilder.

Die Wegweiser seien in ihrer Dimension aber rechtmäßig so gehalten, wie es die bundesweit geltende Richtlinie für die wegweisende Beschilderung außerhalb von Autobahnen "RWB 2000" vorschreibe.

Hauptgrund: Immer älter werdende Gesellschaft 

Im "Verkehrssicherungsprogramm 2020", das aufgestellt worden sei, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, seien die größeren Schilder Fischer zufolge mit der Tatsache begründet, dass die Gesellschaft heutzutage immer älter werde: "Damit alle - auch ältere Autofahrer die wegweisenden Schilder in allen Witterungslagen entsprechend lesen können und mit den Wegweisern zurechtkommen, wurden sowohl die Schrift als auch die gelben Schilder selbst vergrößert. Eine Praxis, die sich nach künftigen Bauarbeiten nicht nur im Landkreis Rosenheim beobachten lassen wird."

Die neuen gelben Wegweiser bei Höslwang sind deutlich größer als alte Schilder. 

Mit der weiteren Erklärung, dass die Wegweiser einen Abstand von 100 bis 250 Metern zum Knoten- oder Kreuzungspunkt einhalten müssten, kam Fischer konkret auf den Fall Höslwang zurück: "Das Problem zwischen Sonnering und Höslwang ist, dass ein Baum in der Alle vor dem Ortseingang tatsächlich gefällt werden muss - genau jener, der direkt vor dem neuen Schild steht, muss nachdem er Frucht getragen hat, für die uneingeschränkte Sicht auf den Wegweiser weichen. Dafür wird es jedoch zwei Ersatzpflanzungen geben."

Ihre Meinung zu der Debatte: 

mb

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