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Er war ein Unternehmer und Familienmensch mit Leib und Seele

Nachruf auf Josef Rappl aus Gstadt

Der „Huber Sepp“ Josef Rappl aus Gstadt.
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Der „Huber Sepp“ Josef Rappl aus Gstadt.

Nach kurzer Krankheit verstarb am vergangenen Sonntag, 24. April 2022, der bekannte Gstadter Unternehmer Josef Rappl senior mit 91 Jahren im Kreise seiner Familie.

Gstadt – Der „Huber Sepp“, wie ihn die meisten nannten, hatte 1931 als erstgeborener Sohn von Maria und Josef Rappl das Licht der Welt erblickt. Mit seinen drei Schwestern wurde er auf dem elterlichen Anwesen, dem Huberhof, groß. Nach dem Besuch der Breitbrunner Volksschule begann er eine Bootsbauerlehre auf der Fraueninsel.

Am Anfang stand die Landwirtschaft

Seine Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft und später auf diesem Hof im Nebenerwerb das Café „Überfahrt“. In der Freizeit half man entweder auf dem Feld mit oder ruderte die „Sommerfrischler“ mit dem Ruderboot zu den Inseln.

Da er als einziger Sohn für die Arbeit am elterlichen Hof gebraucht wurde, konnte er schon mit 15 Jahren den Bulldogführerschein machen. Weil er daheim auf dem Hof unentbehrlich war, wurde der Verstorbene auch von den Kriegswirren dieser Zeit verschont. Bereits mit 23 Jahren musste der Huber Sepp Verantwortung übernehmen, war da sein Vater mit 57 Jahren verstorben. Gemeinsam mit seiner Mutter betrieb er ab 1954 das „Cafe Überfahrt“ und vermietete neun Zimmer.

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Josef Rappl kaufte vom Nachbarn ein Grundstück, um es als als Parkfläche zu verwenden. So legte er den Grundstein für verschiedenste Geschäftsfelder und stellte langfristig die Weichen für die Zukunft.

1959 läuteten für den Sepp und seine Herta, die in einer Nachbarpension als „Hausdame“ arbeitete, die Hochzeitsglocken. Abgerundet wurde das Glück durch die beiden Kinder Maria und Sepp. In den weiteren Jahren wuchs die Familie um drei Enkel und drei Urenkerl. Josef Rappl war ein absoluter Familienmensch, treu sorgender Vater und liebevoller Opa.

Im Betrieb folgten verschiedenste Erweiterungsmaßnahmen. 1973 schloss man das Restaurant, um sich auf die Vermietung zu konzentrieren. Neben dem Bootsverleih war der Huber Sepp bis in die „Achtzig“ sein eigener Parkwächter. Bei vielen Gelegenheiten lernte er die verschiedensten politischen Größen und Prominente kennen, die aufzuzählen den Rahmen sprengen würden.

Die Gespräche mit ihnen sowie sonstige örtliche und weltpolitische Begebenheiten schrieb er in seinen Tagebüchern nieder, wovon jedes einige hundert Seiten hat. Mit den beigefügten Fotos, Zeitungsausschnitten, Wetteraufzeichnungen und dergleichen mehr konnte er auf sechs Jahrzehnte persönliche Chronik zurückgreifen. Dieses Sammelsurium füllt einige Regale und Schränke.

Wie sehr ihn die Politik bis zuletzt beschäftigte, zeigte ein Vorfall vor ziemlich genau einem Jahr. Damals berichteten wir darüber, dass die Familien-Dynastie Rappl aus Protest gegen die damalige Corona-Politik der CSU den Rücken kehrte.

Hotels, Bootsverleih und Parkplätze

Die Rappls betreiben mehrere eigene Hotels, unter anderem in Gstadt das „Chiemsee-Panorama“, und ein Gästehaus in Bernau mit zusammen mehreren hundert Betten. Zudem betreibt die Familie einen Bootsverleih, eine Pizzeria und bewirtschaft 400 Parkplätze inklusive Tiefgarage in Gstadt.

Das Grundstück, auf dem die Tourist-Info Gstadt steht, überließen die Rappls der Gemeinde auf Erbpacht, wie Bürgermeister Bernhard Hainz den OVB-Heimatzeitungen auf Nachfrage mitteilte. Weiter betreibe die Familie zusammen mit der Chiemsee-Schiffahrt Ludwig Feßler aus Prien die Linie zwischen der Fraueninsel und Gstadt.

Täglich bei einer Tasse Capuccino die Tageszeitung gelesen

Eine weitere Passion von Josef Rappl war seine „Ranch“. Seine Liebe zu Tieren – er hatte bereits mit sechs Jahren ein Schaf Namens „Gori“ – ließ ihn ein Areal schaffen, in dem der Sepp ungezählte Bäume und Sträucher gepflanzt, verschiedene Gewässer mit Fischen angelegt sowie Federvieh, Schafe und dergleichen versorgt hat. In dieser Oase verbrachte er bis ins hohe Alter noch damit, wöchentlich seine Fische zu füttern. Bis zum Schluss liebte es der Verstorbene, bei einer Tasse Cappuccino die Tageszeitung zu lesen und Gespräche über das aktuelle Weltgeschehen zu führen. Die letzten Wochen und Monate verschlechterte sich sein Allgemeinzustand, wurde aber von der gesamten Familie hingebungsvoll gepflegt und war letztlich, versehen mit den Heiligen Sterbesakramenten, friedlich eingeschlafen.

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