Offener Brief an Ethikrat: Ärztinnen aus der Region rügen Umgang mit Coronavirus

„Die Gesellschaft leidet mehr an Stress-Situationen als an Corona-Erkrankungen“

Prien/Rosenheim/Wasserburg/Haag - Das Wohl der Menschheit steht nach dem Berufsethos von Ärzten an erster Stelle. Dieses aber sehen niedergelassene Ärztinnen aus dem Chiemgau gefährdet - allerdings nicht in erster Linie wegen der Pandemie, sondern wegen des Umgangs mit dem neuartigen Virus und der daraus resultierenden Veränderung der Gesellschaft.

Sechs Ärztinnen aus der Region - Dr. Elisabeth Höppel (Haag), Dr. Gabriele Deckers (Wasserburg), Beate Haupt (Wasserburg), Dr. Ulrike Kisbye-Hansen (Prien), Katharina Rumpf (Prien) sowie Dr. Heike Ulbrich (Rosenheim) - wandten sich in einem offenen Brief an den Ethikrat der Bundesrepublik

Für eine gute Diagnostik brauche es neben ärztlichem Sach- auch gesunden Menschenverstand, Intuition und Gespür, sind die Ärztinnen überzeugt. Offensichtlich sei, so schildern sie in dem Schreiben an die Mitglieder des Ethikrats: In der Einschätzung der Gefährlichkeit des Erregers habe man sich getäuscht: „Es gibt keine Hinweise, dass die Sterblichkeit über der einer saisonalen Influenza-Grippe liegt. Prognostizierte Krankheits- und Sterbefälle blieben aus, Intensivstationen fanden sich sogar leerer als sonst und Krankenhäuser haben teilweise Kurzarbeit angemeldet.“ Die medizinischen Folgen des Lock-Downs würden deutlich mehr wiegen als die der eigentlichen Pandemie.

Weiter mahnen die Ärztinnen: „Die Gesellschaft leidet derzeit viel mehr an Stress-Situationen als an Corona-Erkrankungen. Eine wichtige medizinische Regel ist, in Krisensituationen beruhigend auf die Menschen einzuwirken und sie nicht noch mehr zu verängstigen. Die Bevölkerung war ohnehin sehr kooperativ, doch Aussagen wie ‚Killervirus‘ oder ‘Wir dürfen uns keinen Moment mehr sicher fühlen‘ erzeugen enorme Ängste und negativen Stress, der bekanntlich sehr krank macht.“ In Bezug auf die Sterberate müsse laut der Ärztinnen auch deutlich unterschieden werden, ob jemand tatsächlich an oder nur mit dem Virus gestorben ist.

Corona-Impfstoff-Forschung von Ärztinnen aus dem Chiemgau kritisch hinterfragt

Besonders in Bezug auf einen möglichen Impfstoff gegen das neuartige Virus äußern sich die Ärztinnen aus Rosenheim, Wasserburg, Prien und Haag kritisch. Bevor eine Impfung auf den Markt komme, müsse eine strenge Prüfung der Risiko-Nutzen-Relation bei gesunden Menschen erfolgen. Als Ärztinnen mit jeweils eigener Praxis sprechen sie Impf-Empfehlungen aus. „Natürlich können wir es nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, wenn weder die Sicherheit einer Impfung zweifelsfrei nachgewiesen ist, noch geklärt, wie man auf natürlichem Weg immunisierte Personen von ihr ausklammert. Nachdem man damit rechnen muss, dass das SARS-Cov2-Virus mutieren wird, kommt hier noch hinzu, dass es auch hinsichtlich der Wirksamkeit einige Fragezeichen gibt."

Eine Impflicht lehnen die Ärztinnen ab - auch wenn sie laut eigener Aussage in dem Schreiben „keine Impfgegner“ seien: „Zwänge bewirken oft das Gegenteil und erhöhen Widerstände“. Ob man sich impfen lassen wolle, diese Entscheidung müsse „immer individuell“ bleiben.

Eure Meinung zu einer möglichen Corona-Impfung:

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Das Leben vieler hat sich verlängert, aber es wurden immer mehr und vor allem chronische Leiden produziert. An erster Stelle stehen mittlerweile Depressionen und Ängste, teils einhergehend mit einer Vielzahl an körperlichen Beschwerden. Es ist erschreckend, wie viele Kinder mittlerweile schon davon betroffen sind. Auch die noch gesunden Erwachsenen befinden sich zunehmend an der Grenze ihrer Kapazität, was sich vor allem in ansteigender Aggressivität zeigt.“

Damit es eine langfristige Zukunft für die Welt und die Nachkommen geben könne, brauche es ein Umdenken und neue Wege, betonen die Ärztinnen und zitieren Albert Einstein mit den Worten: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“  Der abschließende Appell an den Ethikrat: Die Politiker darauf hinzuweisen, dass im Umgang mit dem Corona-Virus „grundlos sowohl gegen fundamentale Regeln der menschlichen Ethik als auch gegen im Grundgesetz verankerte Freiheits- und Menschenrechte verstoßen“ werde. Das müsse aufhören, denn nur so könne aus der Krise eine Chance werden.

Eine direkte Rückmeldung mit konkreten Reaktionen auf den Inhalt des offenen Briefs an den Ethikrat haben die Ärztinnen bis dato nicht bekommen - nur eine automatische Antwort, dass das Schreiben angekommen sei und zur Kenntnis genommen werde.

mb

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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