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Beinahe-Missverständnis um E-Mail

38-Meter-Riesenrad kommt auch heuer wieder nach Prien - Premiere wäre damals fast ins Wasser gefallen

Attraktion am Priener Chiemsee-Hafen: Auch in diesem Jahr ist die Schaustellerfamilie Landwermann mit ihrem Riesenrad zu Gast.
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Attraktion am Priener Chiemsee-Hafen: Auch in diesem Jahr ist die Schaustellerfamilie Landwermann mit ihrem Riesenrad zu Gast.

Einst aus der Corona-Not heraus geboren, ist die Schaustellerfamilie Landwermann in diesem Jahr zum dritten Mal mit ihrem Riesenrad in Prien zu Gast. Dabei wäre die Premiere beinahe im Sand verlaufen.

Prien – Zum dritten Mal gastiert heuer die Familie Landwermann mit ihrem Riesenrad am Priener Chiemseehafen. Was einst als Notlösung gedacht war um die Corona-Zeit zu überbrücken, hat sich inzwischen schon fast zu einer Institution etabliert.

Dritte Generation im Gewerbe

In drei Wagen sind die Einzelteile des 38 Meter hohen Fahrgeschäftes untergebracht, wie Daniela Landwermann-Henschel berichtet. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann den Schaustellerbetrieb. Aus Tradition. Sie ist die dritte Generation in diesem Gewerbe.

Bevor sich das Riesenrad nahe der Anlegestellen des Stocker Hafens dreht, brauche es insgesamt sechs Leute, welche das Gefährt aufbauten, sagt Landwermann-Henschel. Zunächst gehe es daran, die Basis zu installieren. Hierfür werden die drei besagten Wagen mit ihren insgesamt 16 Metern Länge zusammengestellt und verbunden.

Denn das Riesenrad entsteht beinahe aus einem Guss, die Wagen sind nicht nur Transportmittel für die Teile, sondern auch Teil des Riesenrads selbst. Ist der Boden ausgeklappt, gehe es daran, den Mast des Rades aufzurichten, sagt die Schaustellerin. Hydraulikzylinder fahren ihn langsam hoch. Anschließend machen sich die Helfer an die Speichen, in die auch schon die einzelnen Komponenten integriert sind, aus denen sich am Schluss das Rad zusammensetzt. Zum Schluss werden die insgesamt 26 Gondeln eingehängt, am Boden, gewissermaßen während der ersten Drehung des Gefährts.

„Gewinn für die Chiemsee-Schifffahrt“

Dass sie auf dem Gelände der Chiemsee-Schifffahrt gastieren dürfen, ist schon eine eigene Geschichte. Denn Geschäftsführer Michael Feßler erinnert sich noch gut daran, wie er vor drei Jahren eine E-Mail in seinem Postfach entdeckte.

Und diese las sich auf den ersten Blick eher, wie eine jener Nachrichten, die man gemeinhin ungelesen im Müll verschwinden lassen sollte – auf Neudeutsch: wie Spam. Das war 2020, während des ersten Lockdowns. Der Anfrage der Schausteller, auf seinem Gelände ihr Riesenrad aufzustellen habe Feßler zunächst keine große Beachtung geschenkt.

Erst als kurz darauf nochmals eine E-Mail eingetrudelt war, habe er gemerkt: Das war ernst gemeint. Er ließ sich auf das Angebot ein, wenngleich der Chef der Chiemsee-Schifffahrt zunächst abklären musste, ob der Boden dem 100 Tonnen schweren Bauwerk überhaupt standhalten kann. Bereut hat Feßler seine Entscheidung nicht. „Für uns ist das Riesenrad ein Gewinn“, sagt er.

Willkommene Abwechslung

Aber auch für die Familie Landwermann sieht er Vorteile: Im vergangenen Jahr seien die Schausteller rund sechs Wochen mit ihrer Attraktion in Prien geblieben. Und im Corona-Blues der vergangenen Jahre sei das Angebot für die Besucher eine willkommene Abwechslung gewesen. Auch die Schaustellerfamilie war sehr dankbar für die Gelegenheit, ihr Riesenrad auf dem Gelände aufbauen zu dürfen. Gerade 2020, als die Corona-Pandemie eine Veranstaltung nach der anderen ausfallen ließ.

Bevor es in Prien mit dem Betrieb losgehen kann, müssen auch in diesem Jahr Mitarbeiter des Landratsamts anrücken, um das Riesenrad abzunehmen. Alle zwei Jahre wiederum sei es am TÜV, das Fahrgeschäft auf seine Sicherheit zu prüfen, schildert Landwermann-Henschel. Sie ist froh darüber, dass sich die wirtschaftliche Situation nach der Corona-Flaute für sie, aber auch für ihre Schaustellerkollegen wieder normalisiert habe. Und das recht schnell, wie sie sagt. „Es gab ja auch was aufzuholen“, begründet sie die extrem hohen Besucherzahlen, die sie habe verzeichnen können.

Personalmangel in der Branche

Indes plage die Branche auch der Personalmangel. Und beim Betrieb des Riesenrads gehe es auch um gelernte Handarbeit. Nicht nur beim Aufbau. Wenn das Rad in Prien zwischen 11 und 22 Uhr fährt, benötige auch der Bediener der Anlage genug Erfahrung, um das Rad zu bedienen: um den hydraulischen Antrieb mit einem Joystick zu kontrollieren und das Rad an den richtigen Stellen anhalten zu lassen, damit die Gäste nach der Fahrt aus und zusteigen können.

Gerade Letzteres sei für den Bediener am Schaltpult besonders herausfordernd, sagt Landwermann-Henschel. „Da muss man technisch versiert sein.“ Und ab und an komme es auch vor, dass sich jemand übernehme und aus Höhenangst vor Ende der vierminütigen Fahrt wieder festen Boden unter den Füßen haben will. Das habe jedoch Seltenheitswert. Pro Woche passiere das vielleicht maximal zweimal. Und auch damit könnten die Bediener der Anlage umgehen. Denn: „Die Verantwortung dafür zu haben, das geht nur mit speziellen Leuten.“