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Nur bis zu 60 Impfdosen pro Woche

Priener Hausärzte klagen: „Wir bekommen zu wenig Impfstoff“

Coronavirus - Impfung in Hausarztpraxen
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In einer Hausarztpraxis impft Hausärztin Mandy Gottschall den Patienten Friedrich Plötz mit dem Impfstoff von Biontech.

Telefon-Stress in Praxen: Priener Hausärzte kritisieren Impf-Versprechungen der Politik. „Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung wird geschürt, aber wir bekommen zu wenig Impfdosen“, bemängelt auch Dr. Klaus Lange.

Prien – Seit dem Tag, an dem Gesundheitsminister Jens Spahn verkündet hat, dass auch die HausärzteImpfungen gegen das Coronoa-Virusvornehmen können, stehen die Telefone in den Praxen nicht mehr still. „Wenn die Impfwilligen jetzt alle Ärzte abtelefonieren und sich auf Listen schreiben lassen, ohne die Termine dann nach einer Zusage abzusagen, führt das zu einer enormen Belastung“, hatte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, in einem Interview nach der Verkündung Spahns vorausgesagt.

Priener Kollegen Weigeldts können mittlerweile ein Lied davon singen. „Die Hölle – besonders für die Mitarbeiter. Das hat sich zum Telefonwahnsinn entwickelt“ – deutliche Worte findet Dr. Klaus Lange auf die Anfrage der Chiemgau-Zeitung, wie er mit seinem Praxis-Kollegen Dr. Manfred Zanier das Thema Impfen erlebt.

Rund 400 Impfwillige auf der Warteliste

„Auf unserer Warteliste stehen rund 400 Impfwillige. Aber die Planbarkeit ist äußerst schwierig, weil wir immer erst am Freitag erfahren, wieviel Impfstoff-Dosen wir am Montag bekommen“, kritisiert der Internist. „Dann geht das wilde Telefonieren mit allen Szenarien los: Die Leute gehen nicht ans Telefon, dann müssen wir nochmals anrufen, auch zwei oder drei Mal. Oder der Anrufbeantworter meldet sich, wir sprechen auf, aber es gibt keine Rückmeldung. Oder sie sind schon woanders geimpft worden und haben bei uns nicht storniert. Wir brauchen in der Regel mindestens zehn Anrufe, um zwei bis drei Impfwillige zu bekommen.“

Wenig Verständnis für Handlungsweisen

Wenig Verständnis hat Lange für die Handlungsweisen der Politik-Verantwortlichen. Seiner Meinung nach schüren sie bei den Bürgern Erwartungen, die die Hausärzte nicht erfüllen können. Als Beispiel führt er die Aufhebung der Impf-Priorisierung an. „Wir sollen jetzt auch Kinder und Jugendliche impfen, dabei gibt’s nach wie vor zu wenig Impfstoffe für uns. Pro Woche bekommen wir nur 30 bis 60 Impfdosen. Wir Hausärzte brauchen aus den beschriebenen Gründen einfach länger, als Herr Spahn das angekündigt hat.“

Die gleichen Erfahrungen hat der Allgemeinmediziner Dr. Otto Steiner gemacht. „Es gibt viele interessierte Patienten, die gerne einen Impftermin haben wollen. Sie reagieren schon mal beleidigt, wenn ich ihnen sagen muss, dass wir nicht soviel Vakzin zur Verfügung haben – das ist alles bedauerlich.“

Mit der Politik hart ins Gericht

Auch Dr. Steiner geht mit der Politik hart ins Gericht: „Wenn der Gesundheitsminister verkündet, ab dem Stichtag X kann sich jeder Willige bei den Hausärzten impfen lassen, aber nicht dafür sorgt, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht, ist das einfach unfair von diesem Mann.“ Nicht zu fassen sei doch, „dass die Vakzin-Entwicklung bei uns in Deutschland zum Teil mit unseren Steuergeldern finanziert wurde, wir aber nicht genügend Stoff bekommen“. Aber Milliarden Euros würden aufgrund der Pandemie-Auswirkungen jetzt in die Wirtschaft gepumpt. „Hätte unsere Regierung – oder auch die EU – genügend Impfstoffe für die Bevölkerung gekauft, wäre es unterm Strich doch viel billiger gewesen“, weil seiner Ansicht nach mit schnellerer Durchimpfung sicherlich eine kürzere Lockdown-Zeit die Folge gewesen wäre.

Auch Dr. Simone Hoffmann-Kuhnt musste mit ihrem Team Impfwillige immer wieder vertrösten, weil es Vakzin-Lieferschwierigkeiten für ihre Praxis gab. „Mittlerweile läuft es bei uns aber richtig gut, weil ich keine Warteliste mehr habe. Impfwillige, die sich melden, bekommen einen Termin,“ Sie priorisiere aber innerhalb dieser Termine dennoch nach Fällen wie zum Beispiel chronisch Erkrankten oder Menschen, die Angehörige pflegen, „oder Arztkollegen, die noch nicht geimpft wurden“, berichtet die Ärztin für Allgemein- und Anthroposophische Medizin unserer Zeitung.

Der Schwarzmarkt mit Fälschungen blüht

„Ein richtig unangenehmes Thema“ waren für Dr. Hoffmann-Kuhnt bislang die sogenannten Impf-Drängler, die auch mit Geldangeboten versucht hätten, vorgezogene Termine zu bekommen. „Das meiste der Probleme fangen aber meine Arzthelferinnen ab und beenden das konsequent.“

Dass der Schwarzmarkt mit Impfpass-Fälschungen offenbar blüht, habe sie nicht nur gelesen, sondern sei ihr bei entsprechenden Anfragen auch deutlich geworden. Hoffmann-Kuhnt: „Ich habe unlautere Angebote bekommen, Stempel in Impfpässe zu setzen, ohne das Vakzin gespritzt zu haben. Solche Dinge passieren aber erst hinter verschlossenen Türen.“

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