Hurrikan Sandy - ein User erzählt

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Nichts geht mehr an der Union Station, Washingtons zentralem Bahnhof. Die Wartehalle ist fast ausgestorben.

Bernau/Washington D.C. - Unser User Christian Hügel war während des Hurrikans Sandy in Washington D.C. und teilt seine Eindrücke mit uns:

User Christian Hügel aus Bernau

"Eine Weltmacht steht still. Was bis gestern fast undenkbar schien, hat Hurrikan Sandy geschafft. Nichts geht mehr zwischen Virginia und Neu England, der mit 60 Millionen Einwohnern am dichtesten besiedelten Region der USA. Als das Zentrum von Sandy gestern Abend Ortszeit in New Jersey auf die Küste trifft, sind die Menschen und Behörden gut vorbereitet. Trotzdem richtet der Hurrikan Schäden in bisher unbekanntem Ausmaß in Milliardenhöhe an, mindestens 16 Menschen lassen ihr Leben.

Ich bin gerade in Washington D.C., um mir die Wahlkampagnen der US-Parteien für die Wahlen kommende Woche anzuschauen. Doch ab Sonntagabend sind ein Dutzend Staaten an der Ostküste im Ausnahmezustand. Der Flugbetrieb auf mehreren Großflughäfen wird eingestellt. Der öffentliche Nahverkehr ruht, öffentliche Gebäude bleiben ab Montag geschlossen, mit dramatischen Appellen fordern Gouverneure und Bürgermeister die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben und sich auf das schlimmste vorzubereiten. In einem Supermarkt erlebe ich selbst, wie Amerikaner Wasser, Nahrungsmittel, Lampen und Batterien bunkern. Einige packen ihre Familien ein und verlassen die Stadt. Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney unterbrechen ab Sonntag ihre Wahlkampagnen, der Präsident koordiniert im Weißen Haus die Rettungsmaßnahmen.

Am Montag gleicht D.C. dann mehr und mehr einer Geisterstadt. Der Wind pfeift durch die Häuserschluchten, Regen peitscht herunter. Die Lokale schließen, Menschen sind kaum mehr auf der Straße. Am Dupont Circle, wo sonst der Verkehr tobt, ist es wie ausgestorben, ein paar wagemutige Jogger laufen noch durch die immer größer werdenden Pfützen. Sirenen von Rettungswagen heulen. Den Abend und die Nacht verbringen die Menschen zuhause. Rund 600.000 Leute sind in der Metropolregion Washington ohne Strom. Das kann laut Stromerzeuger noch einige Tage so bleiben. Mein Kontakt zu einigen Freunden hier bricht ab.

Heute, am Dienstag, hat sich die Lage beruhigt. Das Gröbste des Sturms ist durch. Die Schäden in D.C. sind zum Glück überschaubar. Einige Bäume sind umgestürzt, auch auf Häuser, der Strom ist noch in einigen Stadtteilen weg, die meisten sind - im Gegensatz zu anderen Städten an der Küste - gut weggekommen. Langsam beginnt das öffentliche Leben wieder anzulaufen. Einige Restaurants öffnen schon wieder, ab 14 Uhr Ortszeit soll die Metro wieder fahren. Meine Termine sind natürlich alle gestrichen, wohl soll aber der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden, so dass ich wenigstens heimkomme."

Christian Hügel

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