"Auf dieses Dorf soll die Welt schauen"

Im Rollstuhl-Parcours konnte jeder - ob behindert oder nicht - seine Geschicklichkeit testen.
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Im Rollstuhl-Parcours konnte jeder - ob behindert oder nicht - seine Geschicklichkeit testen.

Oberaudorf - Im Herbst 2013 soll eine neue private Grundschule in Niederaudorf entstehen. Dort sollen Kinder mit und ohne Handicap unterrichtet werden.

Mit pathetischen Worten umschrieb Wolfgang Zeller, ehemaliger Schulleiter der Grund- und Mittelschule Aising sowie Wegbereiter und -begleiter für den Aufbau einer Petö-Außenklasse an der Grundschule Rohrdorf, die Arbeit der neuen privaten Grundschule, die in Niederaudorf im Herbst 2013 eröffnet wird. Beim Informationsnachmittag in der ehemaligen Teil-Hauptschule, die seit zwei Jahren leer steht, zeigte sich, wie groß die Nachfrage nach einer Schule ist, die es ermöglicht, Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten.

Ruth Dürr, 2. Vorsitzende des Vereins "Fortschritt Rosenheim"

O-TON

Bettina Brühl, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft "Petö und Inklusion Rosenheim" als Schulträgerin, erklärte im Einführungsvortrag: "Alle Kinder brauchen eine andere Schule.Vielfalt ist Bereicherung nicht Hemmnis!"

In einem mitreißenden Vortrag beschrieb die künftige pädagogische Schulleiterin, Rita Mechtl, die allgemeine konduktive Pädagogik des Petö-Konzepts, das auf handelndem und materialorientiertem Lernen beruht. Kinder mit Mehrfachbehinderung bis hin zu überdurchschnittlichem Intelligenzquotienten sollen laut der Sonderschullehrerin und Diplom-Konduktorin in Niederaudorf ein Zuhause finden, das in der Bundesrepublik seinesgleichen sucht. Entsprechend weit gefächert ist auch das Lehrerkollegium, das sich aus Grundschullehrern, Sonderschullehrern, Sportwissenschaftlern, Erziehern und sogenannten Konduktoren zusammensetzt. Dieses große Aufgebot an Fachpersonal ermöglicht es, dass immer zwei Fachkräfte in einer Klasse oder Gruppe arbeiten. Zum Start im Herbst 2013 sind zwei Klassen mit je 20 Schülern vorgesehen.

Bettina Brühl umriss in kurzen Worten auch die Entscheidungsfindung für Niederaudorf. Inzwischen könne man sich gar keinen anderen Standort mehr vorstellen. "Blicken Sie doch nur aus dem Fenster", regte sie an und den vielen Besuchern bot sich eine traumhafte Landschaft, die ebenfalls dem Lernkonzept zugutekommen soll.

Brühl dankte auch den politischen Wegbegleitern wie der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig und dem "aktiven Kümmerer vor Ort", Bürgermeister Hubert Wildgruber. Sie alle hätten gezeigt, dass alles geht, wenn alle das wollen. Wildgruber verwies stolz auf den jüngst gefassten Gemeinderatsbeschluss, das Schulhaus an die Gesellschaft zu verpachten und diese nach Kräften zu unterstützen. Die gewählte Schulform sei "einzigartig" in Bayern.

Der Bürgermeister begrüßte an diesem Nachmittag zudem einen besonderen Gast in den Reihen der Interessierten begrüßen: die ehemalige Rektorin der Schule Niederaudorf, Hilde Graßl. Die beliebte Schulleiterin freute sich vor allem darüber, dass das Schulhaus künftig wieder als Schule genutzt werde.

Lachen und Lebendigkeit prägten im Anschluss den Rundgang durch die Forscherwerkstatt, die Bewegungslandschaft und den Rollstuhlparcours in der Turnhalle. Eltern mit behinderten und nicht behinderten Kindern nutzten die Gelegenheit, sich ein erstes Bild von der Pädagogik zu machen - und viele von ihnen konnten es nach dem ausführlichen Vortrag im Gespräch kaum glauben, "dass Schule so schön sein kann". Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag von der Musikschule Käsemann-Wilke. Krönender Abschluss war der Auftritt der Kindergarde Neubeuern. Ein weiterer Infonachmittag für die ganze Familie findet am Samstag, 23. Februar, um 15 Uhr in der Schule in Niederaudorf statt.

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