Fußweg durch Brannenburger Schlossgelände gesperrt - Kreuzweg abgeschnitten

Das Kreuz mit dem Kreuzweg

Hier gibt es kein Durchkommen mehr: Der Fußweg über das Schlossgelände ist durch ein Eisentor versperrt, Verbotschilder wurden aufgestellt. Fotos Reisner
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Hier gibt es kein Durchkommen mehr: Der Fußweg über das Schlossgelände ist durch ein Eisentor versperrt, Verbotschilder wurden aufgestellt.

Brannenburg - Im Sommer wurde der neue Fußweg von Brannenburg nach Schwarzlack eingeweiht. Der alte (Kreuz-)Weg wurde dagegen jetzt mit einem Eisentor versperrt.

An dem hat der Brannenburger Ludwig Guggenberger, Geschäftsführer der Gemeinde Nußdorf und im Nebenamt Diakon, auch nichts auszusetzen. Wohl aber daran, dass jetzt der alte Weg durch das Schlossgelände versperrt ist.

Zuerst gab es nur ein Hinweisschild, dass klar sagte: Durchgang verboten. Wegerecht bestand nur für kirchliche Veranstaltungen. Denn der Weg war der Zugang zum Kreuzweg. Jetzt wurde aber ein Tor angebracht, das den Durchgang versperrt. Damit gibt es auch keinen Zugang mehr zum Kreuzweg, denn der neue Weg nach Schwarzlack ist nicht mit ihm verbunden.

Das ärgert Guggenberger: "Der Kreuzweg wurde einfach abgeschnitten, und umgestürzte Bäume blockieren seit Wochen den Weg. Keiner kümmerte sich darum, einen Zugang zu schaffen, die Bäume zu entfernen oder die Stationen zu verlegen." Er kann nicht nachvollziehen, dass der Bürgermeister und die Gemeinderäte zustimmten, den alten Weg aufzugeben.

Das war laut Bürgermeister Matthias Lederer aber notwendig. Die Schließung des alten und den Bau des neuen Wegs nach Schwarzlack bezeichnet er als "bestmögliche Kompromisslösung". Vier Jahre habe die Gemeinde mit dem Besitzer des Schlosses über eine öffentliche Wegnutzung verhandelt, ohne Ergebnis. Problematisch sei unter anderem gewesen, dass der Weg, der auf Privatgelände liegt, nicht durchgängig gewidmet gewesen sei. Mit "Widmung" ist die Freigabe für die öffentliche Nutzung gemeint. Da sie nicht gegeben war, durfte der Grundstückseigentümer die Nutzung einschränken.

Nach zähen Verhandlungen sei man zu der jetzigen Lösung gelangt. So verzichtete die Gemeinde auf die nur teilweise gewidmeten Wege durch das Schlossgelände und erhielt dafür im Gegenzug die Genehmigung, auf dem Privatgrund des Schlossbesitzers östlich des Schlosses den neuen Weg anzulegen, für den jetzt auch eine vollständige Widmung besteht.

Die einzige Möglichkeit, den öffentlichen Zugang für den Weg auf dem Schlossgelände zu erreichen, wäre gewesen, zu klagen. Der Bürgermeister entschied sich bewusst dagegen: "Hätten wir verloren, wäre nicht nur der alte Weg geschlossen worden, wir hätten auch keinen neuen bekommen."

Dieser neue Weg ist aber für die Bewohner des oberen Dorfes mit einem Umweg verbunden, was den Unmut Guggenbergers hervorruft. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß seien, wäre der neue Weg beschwerlich. Lederer räumt ein, dass es für die Bewohner des oberen Dorfes bequemer gewesen sei, als der alte Weg noch nutzbar war. Der Umweg würde sich jedoch auf wenige hundert Meter beschränken, und man habe darauf geachtet, dass es keine zu starken Steigungen gebe, sodass der Weg gut begehbar sei.

"Der neue Weg ist vielleicht nicht ganz so reizvoll wie der alte über das Schlossgelände, aber er ist wirklich schön geworden. Der Gemeinde war es vor allem wichtig, endlich wieder einen öffentlich nutzbaren Weg nach Schwarzlack zu schaffen", sagte Lederer. Der neue Weg sei die einzige Lösung gewesen.

Dass der Kreuzweg nicht an den neuen Weg angeschlossen und derzeit nur über einen Trampelpfad erreichbar ist, sieht der Bürgermeister ebenfalls als Problem. Er will sich darum baldmöglichst mit einem Grundstückseigentümer treffen, um mit ihm über eine Verbindung zwischen dem neuen Weg und dem Kreuzweg zu verhandeln. Derzeit habe die Gemeinde keine Möglichkeit, diese zu schaffen, weil ihr das Grundstück fehle.

Sollten die Verhandlungen scheitern, muss der Kreuzweg verlegt werden, vermutlich auf den neuen Weg. Das ist jedoch ebenfalls nicht einfach, da die Kreuzwegstationen dann auf Privatgrundstücken entlang des Wegs errichtet werden müssten. Ob die Eigentümer dies gestatten würden, ist unsicher. "Die Zeit drängt, wir bemühen uns, schnellstmöglich eine gute Lösung für dieses Problem zu finden", verspricht der Bürgermeister.

Auch das Problem der umgestürzten Bäume, die den Kreuzweg blockieren, will er bei den Verhandlungen ansprechen. Derzeit kann die Gemeinde sie nicht entfernen, weil sie keine Zugangsmöglichkeit zum Weg hat.

Guggenberger hofft noch immer, dass sich Bürgermeister und Gemeinderat für den Erhalt des Wegs über das Schlossgelände und des historischen Kreuzwegs einsetzen, die für ihn ein wichtiger Bestandteil von Brannenburg sind. Darum hat er einen Antrag bei der Gemeinde eingereicht, indem er fordert, dass die "Einziehungen" der Wege, also die Aufhebung der Widmungen, ausgesetzt werden, bis es ein "sinnvolles Gesamtkonzept" gibt. Dieses Gesamtkonzept würde unter anderem die Anbindung des Kreuzwegs beinhalten. Um seinem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen sammelte er bereits rund 100 Unterschriften von Brannenburger Bürgern, die sich wie er den Erhalt der Wege über das Schlossgelände und des Kreuzwegs wünschen.

Über den Antrag von Guggenberger spricht der Gemeinderat in seiner heutigen Sitzung.

Oberbayerisches Volksblatt

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