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„Sie wissen nicht mal, ob ihre Männer und Väter noch leben“

„Taxi for Peace“: Wie ein Rosenheimer Pärchen Frauen und Kinder aus der Ukraine rettete

Taxi for Peace - Rosenheimer Pärchen rettet Frauen und Kinder aus Ukraine
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Mit ihrem „Taxi for Peace“ retteten Ann-Katrin Ißle und ihr Freund Maximilian Minhardt Frauen und Kinder aus der Ukraine.

Rosenheim/Katowice/Kiew – Der Krieg in der Ukraine sorgt weltweit weiter für Entsetzen. Die Rosenheimerin Ann-Katrin Ißle und ihr Freund Maximilian Minhardt beschlossen deswegen eigenhändig zu helfen, fuhren mit dem „Taxi for Peace“ an die ukrainische Grenze – und retteten dort einige (schwangere) Frauen und Kinder. rosenheim24.de erklärt die teils dramatische Rettungsmission.

Zunächst registrierte sich das Pärchen als Fahrer in einschlägigen Facebook-Gruppen und schaltete Anzeigen, dass man Platz für etwa acht Personen habe und eine Abholung an der ukrainischen Grenze denkbar wäre. Darauf hat sich eine Mutter mit drei Kindern gemeldet: Sie wäre noch in der Ukraine und habe große Angst. „Wir tauschten Nummern, versuchten sie zu beruhigen und versprachen Hilfe. Allerdings brach die Verbindung zwischendurch immer wieder zusammen – und man hörte länger nichts mehr“, schilderte Ißle die schwierige Organisation im Vorfeld. Schließlich bezahlte das Paar der Mama und ihren Kindern ein Busticket bis nach Katowice in Polen, da die Ukrainerin keinen Zugriff auf ihr Geld mehr hatte.

„Taxi for Peace“ startet am 10. März nach Polen

Wenig später nahm die teils gefährliche Reise konkrete Formen an: Von Freunden, Familien und Bekannten gab es finanzielle Unterstützung für Sprit, Mautgebühren, Unterkunft und Verpflegung. Zudem wurde der Kleinbus, der mit einem entsprechenden Schild zum „Taxi for Peace“ ernannt wurde, für die Hinfahrt bis oben hin mit gespendeten Hilfsgütern vollgepackt. Am 10. März ging es dann los: Über Salzburg, Wien und durch die Tschechische Republik führte die Fahrt das Paar bis nach Katowice, wo man Abend gegen 20 Uhr ankam. Unterwegs gab es immer wieder Zwischenstopps, wenn das Pärchen Autos mit ukrainischen Kennzeichen sahen. Die Menschen wurden mit Decken, Lebensmitteln und/oder Babynahrung versorgt.

In Katowice lieferten Ißle und Minhardt die Hilfsgüter bei der örtlichen Touristeninformation ab – von dort erfolgt dann die zentrale Verteilung. „Die Mitarbeiter hatten mit so einer großen Lieferung nicht gerechnet. Sie hatten Tränen in den Augen, bedankten sich nahezu unaufhörlich und wollten unbedingt noch Fotos mit uns machen“, so Ißle.

Kommunikation teils mit Händen und Füßen

Viele Tränen gab es dann auch, als das Rosenheimer Paar endlich die Mama und ihre Kinder erblickten, mit der sie tagelang in Kontakt gestanden waren. Die Vier waren nach einer Bus-Odyssee und stundenlanger Warterei an der Grenze erst mit rund zwölf Stunden Verspätung in Polen angekommen. Außerdem war Improvisation gefragt: Kurzfristig wurde organisiert, dass das Rosenheimer Paar auch noch eine 58-jährige Frau aus dem selben Dorf wie Mama Julia und die Kinder mitnehmen konnte. Die beiden noch freien Plätze im Bus füllten Ißle und Minhardt dann nach einer kurzen Tour durch den Bahnhof in Katowice. Sie nahmen eine weitere Mama, die im fünften Monat schwanger ist, und ihren sechsjährigen Sohn mit in den Landkreis Rosenheim.

Auch die Rückfahrt verlief hochemotional. Die Frauen schilderten, wie ihre Häuser in der Ukraine von russischen Truppen bombardiert und zerstört worden seien. Insgesamt zwölf lange Tage mussten sie ohne Strom und Heizung und nur mit ganz wenig Nahrung teils in fremden Kellern ausharren. „Außerdem haben sie schon lange nichts mehr von ihren Männern gehört und wissen gar nicht, ob sie noch am Leben sind.“ Die Kommunikation erfolgte mit Übersetzungs-Apps, teilweise auch mit Händen und Füßen. Als die jüngste Tochter (4) von Mama Julia plötzlich während der Fahrt auf Ukrainisch zu singen anfing, brachte sie damit den ganzen Bus zum Lachen.

Rosenheimer Pärchen rettet Frauen und Kinder aus der Ukraine

Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat
Rettung Taxi for Peace Ukraine
Ein Pärchen aus dem Landkreis Rosenheim rettete Frauen und Kinder aus der Ukraine. © privat

„Alleine schafft man so etwas nicht!“

Nach einem letzten Schreckensmoment an der deutschen Grenze, als dort Polizisten mit Maschinengewehren standen und kontrollierten, konnten die Geflüchteten in Brannenburg schlussendlich eine Wohnung beziehen, die Ißles Mama Anke über ihre Firma ZMV+ organisiert und liebevoll vorbereitet hatten. „Die Frauen und Kinder konnten es kaum fassen, dass sie mitten in den Bergen gelandet waren. Alle waren sehr erleichtert“, erzählte Ißle. Über eine WhatsApp-Gruppe wurde auch in den Folgetagen viel Hilfe organisiert, unter anderem Kleidung, Spielsachen oder Fahrräder. Und seit 19. März sind jetzt auch noch die Schwiegertochter und die Enkelkinder der 58-Jährigen in Brannenburg – nachdem ihnen endlich die Flucht aus der Kriegshölle in Kiew gelungen war.

„Wir wussten, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass vieles anders laufen wird als geplant und sich alles jede Minute ändern kann. Aber mein Freund und ich waren uns sofort einig, dass wir etwas machen wollen“, erklärt das Paar seine Beweggründe und bedankte sich zugleich für die unfassbar große Hilfe von ganz vielen Menschen: „Alleine schafft man so etwas nicht – und zwischen „Ja, wir machen das“ und „Wir fahren los“ waren ja nur drei Tage!

Ihr wollt auch helfen? Dann wendet euch an Ann-Katrin Ißle (Ukraine-Taxi-for-Peace.brannenburg@gmx.de, Telefon 0176 / 43617927).

mw