Mutter beschwert sich

Während der zweiten Osterferienwoche: Alleinerziehende aus Brannenburg bekommt keine Notbetreuung

Für den Sohn einer alleinerziehenden Brannenburgerin gab es während der zweiten Osterferienwoche keine Hortbetreuung. Die Kita St. Sebastian hatte geschlossen, eine andere durfte er in Corona-Zeiten nicht besuchen. Lösungen? Fehlanzeige.

Brannenburg – Petra Fiedel ist entsetzt – gelinde gesagt. So bringt sie es zumindest in einem Schreiben an Landrat Otto Lederer zum Ausdruck. Ihr Problem: Der Hort, in dem ihr neunjähriger Sohn bislang in den Ferien betreut wurde, hat derzeit geschlossen. Doch eine Alternative bleibt der alleinerziehenden Mutter verwehrt.

Strenges Hygiene-Regime in Bayerns Horten

Denn: In Bayerns Kindertagesstätten herrscht in Corona-Zeiten ein strenges Hygiene-Regime, genannt „Rahmenhygieneplan“. Die Vorgaben des Landes sehen vor, dass Kinder während der Notbetreuung ausschließlich in einer fest zugewiesenen Gruppe unterkommen.

Ein Wechsel von einem in den anderen Hort sei damit rechtlich unmöglich, meint der zuständige Fachbereich Kindertagesbetreuung Landkreis Rosenheim.

Notbetreuung in den Horten herrscht derzeit wegen der Corona-Inzidenzzahlen. Einen Regelbetrieb sieht Bayern erst wieder ab einem Wert von 50 vor.

Organisatorische Schwierigkeiten

Das bedeutet für Petra Fiedel, dass sie ihren Filius bisweilen allein zu Hause lassen muss, wenn sich nicht gerade jemand aus der Bekanntschaft findet, der nach dem Rechten sieht. „Das zu organisieren, bereitet mir erhebliche Schwierigkeiten“, klagt die 50-Jährige.

In ihrer Not hat sich Fiedel zunächst an die Vorsitzende des Kindergartenvereins Degerndorf/Brannenburg gewandt. Die wiederum bemühte sich beim Landratsamt um eine Sondergenehmigung für Fiedels Sohn – ohne Erfolg.

Mutter bietet Test an

Dabei hatte die Mutter angeboten, ihren Bub vorab auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Gerade mit Blick auf dieses Angebot kann die Brannenburgerin die Haltung des Landratsamts nicht verstehen. Sie findet: „Von meinem Kind geht keinerlei Gefahr für irgendjemand aus.

Im Gegenteil: Ich würde eher das Risiko eingehen, dass sich eventuell mein Kind durch ein anderes – nicht getestetes – Kind infizieren könnte“, schrieb sie an den Landrat, nachdem der Kontakt mit der zuständigen Sachbearbeiterin zu keinem Ergebnis in ihrem Sinne geführt hatte.

Doch auch die Antwort von Otto Lederer stimmt die Brannburgerin alles andere als froh, vielmehr nahm ihr Ärger nur noch zu. Lederer riet ihr, auf den Träger und die Einrichtungsleitung ihres Hortes zuzugehen und „zu überlegen, ob und „gegebenenfalls welche Lösung vor Ort für Ihr Kind gefunden werden kann“. Nun, an dieser Stelle war sie ja schon mal.

Nur gut gemeinte Tipps

Entsprechend fiel die Antwort an Landrat Lederer auf sein Schreiben aus: „Genau das habe ich ja gemacht.“ Und genau deswegen hatte Helma Steiner das Jugendamt anfänglich angeschrieben. Über genau diese Geschäftsführerin des Kindergartenvereins Degerndorf/Brannenburg will Petra Fiedel auch kein böses Wort verlieren: „Man muss sie loben, sie hat sich zumindest darum gekümmert.“

Auch vom Rosenheimer Kinderschutzbund gab es nur gut gemeinte Tipps, wie sie – jenseits der Notbetreuung – ihren Sohn doch noch unterbringen könnte: Nachbarschaftshilfe, Kirchengemeinde, Bekannten- und Freundeskreis. Erneut: Auf diese Ideen ist die Mutter größtenteils schon selbst gekommen.

Der Kreis sieht durch besagten Rahmenhygieneplan seine Hände gebunden.

Ein Spielraum für behördliches Ermessen sieht Landrat Otto Lederer in seinem Brief an Fiedel nicht: „Der Rahmenhygieneplan räumt dem Landratsamt Rosenheim hierbei auch keine Möglichkeit ein, abweichende Entscheidungen zu treffen.“

Sozialministerium: „Orientierungsrahmen für individuelle Hygienekonzept“

Urheber dieses Regelwerks ist Bayerns Sozialministerium. Dort verspricht man sich von der Vorgabe, während der Notbetreuung nur feste Gruppen zuzulassen, eine bessere Nachverfolgung der Kontakte, sollte es zu einer Infektion kommen.

Jedoch erklärt das Ministerium auf Anfrage ebenso: Sein Rahmenhygieneplan gebe einen „Orientierungsrahmen“ vor, der es den rund 9.800 Kindertageseinrichtungen ermöglichen soll, individuelle Hygienekonzepte zu erarbeiten.

Landkreis sieht keinen Spielraum

Der Kreis indes bleibt seiner Auffassung, die Vorlage des Landes in Form des Rahmenhygieneplans lasse kein Ermessen zu: In diesem stehe eindeutig: „Kinder müssen im eingeschränkten Regelbetrieb oder in der Notbetreuung in festen Gruppen betreut und gefördert werden“, entgegnet die stellvertretende Sprecherin des Kreises, Ina Krug, auf Anfrage. Das Wort „müssen“ lasse keinen Spielraum. Nur im Regelbetrieb wäre die Unterbringung des Kindes in einer anderen Einrichtung möglich gewesen.

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth

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