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„Ja spinnst Du! Wahnsinn!“

Neuzugang für die Wendelsteinbahn: Eine Lok für ein ganzes Jahrhundert

Strahlende Gesichter bei den Wendelsteinmitarbeitern: Die neue Lok ist da und steht bereits auf dem Gleis. Mehr als zufrieden zeigen sich Betriebsleiter Florian Vogt (rechts außen), Epiadamus Golgota (ganz links) von der Transportfirma Egger und Stefan Schmidhalter (rechts daneben) von der Herstellerfirma Stadler, der auch die Inbetriebsetzung leiten wird.
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Strahlende Gesichter bei den Wendelsteinmitarbeitern: Die neue Lok ist da und steht bereits auf dem Gleis. Mehr als zufrieden zeigen sich Betriebsleiter Florian Vogt (rechts außen), Epiadamus Golgota (ganz links) von der Transportfirma Egger und Stefan Schmidhalter (rechts daneben) von der Herstellerfirma Stadler, der auch die Inbetriebsetzung leiten wird.

Die Brannenburger Wendelsteinbahn erhält einen neuen Triebwagen mit knapp 1000 PS. Beim Einsetzen des im schweizerischen Bussnang gebauten 25-Tonnen-Kolosses gab es für die Mitarbeiter einen kleinen Schreckmoment.

Brannenburg – Die Lok geriet in Schräglage und drohte sogar zu kippen. Die Verantwortlichen blieben locker. „Ja spinnst Du! Wahnsinn!“ Gestern Morgen gegen halb Acht fädelte sich der Tieflader mit der neuen Lokomotive der Wendelsteinbahn ins Gleisbett ein. Weil das Fahrzeug dabei in eine offenbar gefährliche Schräglage geriet und auch die Lok leicht schwankte, setzte bei einigen der Umstehenden wohl für einen Moment die Atmung aus.

Epidamus Golgota, der Fahrer des Tiefladers, blieb hingegen die Ruhe selbst. Er ist schließlich seit 28 Jahren im Geschäft, wie er hernach erzählte. Inzwischen hat er wohl mehr als 100 Loks ausgeliefert und noch wesentlich mehr Personenwaggons. Auch das Einspuren der Lok ins Gleis bewältigten er und Stefan Schmidhalter von der Herstellerfirma Stadler aus dem schweizerischen Bussnang, als wäre es die einfachste Sache der Welt. Um genau zehn nach Neun hatte die Lok festes Gleis unter den Achsen und verkündete mit Pfiffen, dass sie nach zwei Jahren Planung und Bauzeit am Einsatzort angekommen ist.

Ankunft nach sechs Stunden Fahrt

Am Talbahnhof vorgefahren war sie nach einer knapp sechsstündigen Fahrt von Bussnang bei Sankt Gallen schon am Vorabend. Auch der Transport sei keinerlei Problem gewesen, sagte Epidamus Golgota. Die Lok sehe zwar durchaus beeindruckend aus, mache aber mit 7,85 Metern Länge, 2,50 Metern Breite und einem Gewicht von 22 Tonnen keinen Sondertransport mit Polizei und Begleitfahrzeugen nötig.

Moment des Schreckens – Beim Einfädeln ins Gleisbett kam der Tieflader vorübergehend in Schräglage. Aber Fahrer Epidamus Golgota hatte die Situation m Griff

Empfangen wurde sie von aktuellen und früheren Mitarbeitern der Wendelsteinbahn: Weil die Loks am Wendelstein fast ein ewiges Leben haben (die ersten aus dem Jahr 1910 sind immer noch im Einsatz), ist eine neue Lok buchstäblich ein Jahrhundertereignis. Auch die Anschaffung der Doppeltriebwagen, die derzeit den regulären Fahrplan bedienen, erfolgte bereits 1990.

Zwei Motoren bringen knapp 1000 PS auf die Schiene

Die Ankunft der neuen Lok ist also so etwas wie Weihnachten und Ostern auf einmal und macht natürlich vor allem bei den Männern viel Freude, die sie zukünftig bedienen werden: Kaum war der Tieflader angekommen, da wurde die Lok bereits geentert und erste Sitzproben im Fahrstand abgehalten. Wirklich starten dürfen die Bewunderer ihre Lok aber erst, wenn die offizielle Abnahme durch die Regierung von Oberbayern erfolgt ist. Das soll im Dezember passieren. Zuvor stehen einige Wochen lang Erprobungsfahrten an, die nimmt Stefan Schmidhalter, von der Herstellerfirma vor.

Der Hersteller hat seine Lok zwar schon daheim auf Herz und Nieren getestet, aber jetzt muss der Ernstfall am Berg unter allen nur denkbaren Fahrbedingungen bewältigt werden. Dass sie hochkommt, auch mit Last am Haken, steht außer Frage, schließlich bringen die zwei Fahrmotoren knapp 1000 PS an Laufräder und Zahnrad. Wichtiger bei einer Bergbahn aber ist, sagt Florian Vogt, der Betriebsleiter der Wendelsteinbahn, dass die Bremsleistung passt. Schließlich muss sie im Fall der Fälle punktgenau zum Stehen kommen.

Im Dezember soll die neue Lok einsatzbereit sein

Wenn alles so läuft, wie im Zeitplan vorgesehen, ist sie im Dezember einsatzbereit, und wird dann zunächst vor allem bei den Versorgungszügen und der Schneeschleuder eingesetzt.

Grüß Gott! Am Montagabend um exakt 6.29 Uhr fuhr der Tieflader mit der neuen Lokomotive der Wendelsteinbahn bei der Talstation vor

Für die Fahrgäste der Wendelsteinbahn wird sie voraussichtlich ab nächstem Frühjahr sein Publikumsmagnet. Dann nämlich wird sie mit Waggons aus der Gründerzeit im normalen Fahrplantakt eingesetzt.

So wird es möglich, jeweils einen der beiden Triebwagenzüge, die sonst die Fahrgäste befördern, vorübergehend aus dem Verkehr zu nehmen: Bei Ihnen steht eine Erneuerung der Elektrik an. Zwei der alten Lokomotiven aus dem Jahr 1911 funktionieren zwar noch völlig einwandfrei. Sie aber im Fahrplanbetrieb zusammen mit einem der Triebwagen fahren zu lassen, wäre nicht möglich gewesen. Dazu sind sie schlicht zu langsam: Auf den Zahnstangenstreckenbereichen erreichen sie nur ein Tempo von neun Stundenkilometern. Die neue Lok zieht dagegen mit 25 Stundenkilometern bergauf und davon. Dank der neuen Lok kann der Umbau der Doppeltriebwagen ohne Zeitdruck durchgeführt werden. Ein halbes Jahr ist dafür veranschlagt.

Die neue Lok könnte bis 2131 fahren

Die Lokomotiven aus dem Jahr 1910 gehen nun in Teilruhestand und sollen nur noch im Fall der Fälle aushelfen oder auch Nostalgiezüge bergauf ziehen: Stolze 110 Jahre nach ihrem Erstbetrieb! Würde sich die neue Lokomotive an diese zeitliche Vorgabe halten, wäre ein neuer Lok-Kauf erst wieder im fernen Jahr 2131 fällig.

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