Winhart in Sorge um Wirtshaus - Gegendemonstranten beziehen Stellung 

Kein AfD-Neujahrsempfang in Flintsbach - Das steckt dahinter 

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Flintsbach - Der AfD-Neujahrsempfang im Gasthof Falkenstein findet nicht wie geplant statt - wegen einer "linksextremen Bedrohungslage", wie Andreas Winhart in einer Stellungnahme erklärt. Dem entgegen stehen die Aussagen der Gegendemonstranten, die die Absage als Erfolg verbuchen. 

"Der für den 10. Januar 2020 geplante Neujahrsempfang der AfD Rosenheim mit AfD-Landesvorsitzender Corinna Miazga muss nach massivem Druck durch linksradikale Kräfte verlegt werden", teilte Winhart schriftlich in einer Pressemitteilung am 3. Januar mit. 

Der Neujahrsempfang war ursprünglich in Flintsbach im Gasthof Falkenstein geplant. Wirt Markus Schwaiger bestätigt: "Die Veranstaltung mit verschiedenen Vorträgen war mit Sektempfang und Canapés für rund 100 Leute vorgesehen."

Schlechte Google-Rezensionen und angekündigte Demo 

Nachdem die AfD den Ort des Empfangs publik gemacht habe, seien die Bewertungen auf Google für den Gasthof Falkenstein allerdings erheblich schlechter geworden - teilweise nur mit einem oder zwei Sternchen wurde das Wirtshaus plötzlich bewertet.

Schwaiger habe zu Beginn noch unter den Rezensionen argumentiert und versucht gegenzusteuern - allerdings mit mäßigem Erfolg. Sein Tenor lautete: "Wir leben in einer Demokratie, in der die Versammlungsfreiheit gilt." 

Verlegung der Veranstaltung an einen noch unbekannten Ort  

In einem "offenen Brief" an die Wirtstleute Schwaiger stellten verschiedene Gruppierungen aus dem Landkreis Rosenheim, darunter "attac Rosenheim" und "contre la tristesse" sowie die "Grüne Jugend" oder die "GEW Rosenheim", die AfD-Veranstaltung am 10. Januar in Frage. Sie wiesen darauf hin, dass die Wirtsleute mit der Vermietung ihre Lokalität einer "rassistischen, sexistischen und antisemitischen Partei zur Verfügung" stelle.

Der "offene Brief", unterzeichnet von insgesamt 17 Organisationen, Parteien und Einzelpersonen, endet mit der Aufforderung, "die Vermietung der Räumlichkeiten an die AfD zurückzuziehen und auch zukünftig extrem rechten Parteien und Organisationen keinen Raum zu geben".

Im weiteren Verlauf wurde zu einer antifaschistischen Demonstration in Flintsbach aufgerufen. Diese Gegenveranstaltung zum AfD-Neujahrsempfang sei angemeldet gewesen, dies habe die Polizei Schwaiger mitgeteilt. Unter diesen Umständen sei indes Franz Bergmüller an den Wirt herangetreten um die Einladung zum AfD-Neujahrsempfang in Flintsbach zurückzuziehen und in ein anderes Wirtshaus zu verlegen. "Andernfalls hätte ich die Veranstaltung ohnehin abgesagt", unterstreicht Schwaiger. 

Die AfD Rosenheim habe eine neue Lokalität im Raum Rosenheim gefunden, weshalb die Veranstaltung dort am Freitag, 10. Januar, wie geplant stattfinden werde. Wo genau, das wolle man vorab nicht verraten, wie Winhart auf Nachfrage von rosenheim24.de erklärt: "Wir sind immer für eine transparente öffentlich Darstellung, aber in diesem Fall geht es auch um die Existenz der Wirte und die wollen wir durch etwaige Gegen-Demonstrationen in keinster Weise gefährden." 

Stellungnahme von "contre la tristesse": 

Auf Nachfrage von rosenheim24.de bezieht "contre la tristesse Rosenheim" Stellung. Mit der Verlegung der Veranstaltung sei es gelungen, dass die AfD  "keinen großen, öffentlichen Neujahrsempfang, sondern nur eine vorrangig parteiinterne Veranstaltung an einem kurzfristig bekanntgegebenen Ort durchführen" könne. 

Durch die angekündigte Demonstration habe man "in Flintsbach einen Raum schaffen wollen, um antirassistische und antifaschistische Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen und damit einen Gegenpol zu den menschenfeindlichen Positionen der AfD sichtbar zu machen". 

Wie viele Menschen sich dem Aufruf angeschlossen hätten, könne "contre la tristesse" im Vorhinein "schwer einschätzen" - sie hätten mit 100 bis 200 Teilnehmer gerechnet. 

Die Demonstration wäre vom Bahnhof in Flintsbach durch den Ort zum Gasthof Falkenstein gezogen, um direkt vor der Veranstaltung der AfD ein "entschiedenes Zeichen gegen rechte Hetze zu setzen"

"Kleiner Erfolg gegen Rassismus und völkische Ideologien" 

Die Veranstaltungen der Rosenheimer AfD seien "in der Vergangenheit immer wieder durch die Verbreitung von extrem menschenfeindlichen Positionen aufgefallen". 

Durch die Einladung einer "mit dem völkisch-rechtsextremen Flügel sympathisierenden Politikerin der Partei unterstrich der Rosenheimer AfD-Kreisverband einmal mehr Nähe zu rassistischen und antisemitischen Ideologien".

Weiter heißt es in der Stellungnahme: "Dass die rechte Wahlkampfveranstaltung nicht im vorgesehenen Rahmen stattfinden kann, ist ein Erfolg. Wir werden auch in Zukunft mit unterschiedlichen Aktionsformen klar stellen: Rassismus, Sexismus und Antisemitismus haben im Raum Rosenheim keinen Platz und wer für solche Positionen eine Öffentlichkeit schafft hat mit entschlossenen Protesten zu rechnen." 

Sollte der neue Veranstaltungsort des Neujahrsempfangs der AfD bekannt werden, so würde man erneut zu "spontanen antifaschistischen Protesten" aufrufen, betont "contre la tristesse" abschließend. 

mb

Rubriklistenbild: © AfD Rosenheim

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