So wären die Gemeinden vom Brenner-Nordzulauf betroffen

Flintsbacher und Brannenburger zeigen die rote Karte

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Die Sporthalle war proppenvoll. Alle Anwesenden zeigtem dem Brenner-Nordzulauf symbolisch die rote Karte
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Flintsbach am Inn - Das Bürgerforum Inntal informierte am Samstag, den 24. November einmal mehr über den aktuellen Stand zum Brenner-Nordzulauf. Diesmal ging es darum, wie die Orte Flintsbach/Fischbach und Brannenburg betroffen sein könnten.

Die TSV-Turnhalle in Fischbach platzte am Samstag sprichwörtlich aus allen Nähten. Der Grund: Das Bürgerforum Inntal hatte alle interessierte Bürger zu ihrer Veranstaltung eingeladen in der es darum ging, wie die Gemeinden Flintsbach und Brannenburg von den möglichen neuen Gleisen, die im Rahmen des Brenner-Nordzulauf-Projektes entstehen sollen, betroffen sein könnten.

Am Abend gab es zwei Vorträge. Der erste wurde von Theo Geflitter aus Brannenburg gehalten. Er hat sich die drei Trassenvorschläge der Bahn durch das Flintsbacher und Brannenburger Gemeindegebiet (Variante Breitmoos, Grießenbach und Einöden) angeschaut und zeigte auf:

  1. was ist genau geplant,
  2. wie sind die Auswirkungen und
  3. welche unklaren und offenen Punkte gibt es noch?

Variante Breitmoos

Was ist geplant?

Theo Geflitter aus Brannenburg setzte sich intensiv mit den drei Varianten, die Brannenburg und Flintsbach betreffen würden, auseinander

Wie Geflitter darstellte laufen bei dieser Variante die neue oberirdische Geschwindigkeitstrasse und die  neue oberirdische Bestandstrasse nebeneinander etwa 20 bis 30 Meter westlich neben der Autobahn, um einen sechsspurigen Ausbau der A 93 nicht zu gefährden. Die vorhandene Trasse werde zwischen Reischenhart und südlich von Fischbach zurückgebaut. In Tiefenbach würde eine Verknüpfungsstelle mit vier Gleisen und einer Breite von etwa 30 Metern kommen, wenn diese Trasse realisiert wird. Zwei Bahnbrücken mit sieben Meter Höhe vor und nach der Verknüpfungsstelle sind bei dieser Variante geplant. Außerdem werden hier die Bahnhöfe Flintsbach und Brannenburg aufgelöst und zwei neue Bahnhöfe mit aller Infrastruktur müssten im Bereich Hawaiisee und Kläranlage entstehen, so Geflitter weiter. 

Wie sind die Auswirkungen? 

Bei einer Realisierung der Variante Breitmoos müssten in Tiefenbach auf Kosten der Gemeinden Brannenburg und Flintsbach die Umfelder der zwei neuen Bahnhöfe (Zugänge für Fußgänger/Fahrradfahrer/Autos, Parkplätzel, Gebäude, Toiletten, usw.) schaffen. Außerdem würde zusätzlicher Busverkehr zwischen Bahnhof Brannenburg neu und Schulzentrum Brannenburg nötig. Meterhoher Schallschutz würde das Landschaftsbild verändern und evtl. müssten Gebäude in Tiefenbach und Wiesenhausen weichen. Außerdem könnte es wegen den benötigten Ausgleichsflächen laut Geflitter zur Enteignung von landwirtschaftlichen Nutzflächen kommen, was eine Existenzgefährdung der Landwirtschaft zur Folge hätte. Die Straße zwischen Sonnenholz und Wiesenhausen müsste verlegt und der Hawaiisee (teilweise) zugeschüttet werden. Ganz zu schweigen von den bis über 2038 dauernden Großbaustellen. Es wären jedoch ab 2038 auch kürzere Taktzeiten im Personenverkehr möglich.

Unklare/offene Punkte

Ungewiss sei, welche Kosten auf die Gemeinden Brannenburg und Flintsbach zukommen und wie die Zugänge zu den neuen Bahnhöfen erfolgen. Zudem wisse man nicht, wie hoch die Kosten für den Trassenrückbau seien und wer diese übernehme. Wer ist/wird Eigentümer der alten Trasse und welche Verwendung ist/wird geplant? Wie werden die Autobahnzufahrten gestaltet und wo kommt der LKW Parkplatz hin? Welche Wohnhäuser sind konkret von Enteignung betroffen und wie sieht die Zukunft des Hawaiisees aus? Außerdem ist unklar, welchen Lärmschutz die oberirdischen Trassen erhalten und ob es ein Anschlussgleis zur Bahnverladung bei der Spedition Dettendorfer geben wird.

Variante Grießenbach

Was ist geplant?

Bei dieser Variante würden laut dem Vortrag zwei neue Hochgeschwindigkeitsgleise zwischen der Autobahn und dem Dorf im freien Feld und im Bereich Flintsbach eine neue oberirdische Bestandstrasse mit verbindung zur alten Bestandsstrecke verlaufen. Zwischen dem Sportplatz Flintsbach und Fischbach würde eine neue Verknüpfungsstelle mit etwa 30 Metern Breite und zwei Bahnbrücken mit sieben Metern Höhe entstehen. Der Bahnhof Flintsbach würde aufgelöst und die vorhandene Bestandsstrecke zwischen nördlich Freibad und südlich Fischbach abgebaut.

Wie sind die Auswirkungen?

Es müsste für Flintsbach im Bereich des Sportplatzes ein neues Bahnhofsumfeld auf Kosten der Gemeinde Flintsbach geschaffen und der derzeitige Bahnhof Flintsbach aufgelöst werden. Im Landschaftsschutzgebiet würden neue Gleistrassen die derzeit ungestörte Kulturlandschaft zerschneiden und meterhoher Schallschutz das Landschaftsbild verändern. Außerdem werden eventuell Gebäude in Grießenbach und Wiesenhausen weichen und landwirtschaftliche Nutzflächen enteignet werden müssen. Die Straße zum Wertstoffhof Brannenburg und der Kläranlage müsste verlegt oder neu gebaut werden und auch hier würden bis 2038 Großbaustellen entstehen. Es wären jedoch ab 2038 auch kürzere Taktzeiten im Personenverkehr möglich.

Unklare/offene Punkte

Die unklaren Punkte sind im Wesentlichen die Selben wie bei der Variante Breitmoos, nur sei hier zusätzlich noch unklar, ob die Ölpipeline TAL überlagert werden würde.

Variante Einöden

Was ist geplant?

Bei dieser Variante sind zwei Verknüpfungsstellen mit mindestens vier Gleisen und 30 Metern Breite in den Bereichen Niederaudorf und Fischbach zwischen dem Sportplatz Flintsbach und Fischbach geplant. Die vorhandene Bestandsstrecke würde zwischen nördlich Freibad und südlich Fischbach abgebaut und auch her der Bahnhof Flintsbach aufgelöst werden. 

Wie sind die Auswirkungen?

Die Auswirkungen sind die Selben wie bei den beiden anderen Varianten, nur würde hier südlich von Kirnstein noch eine zweite neue Verknüpfungsstelle im Landschaftsschutzgebiet entstehen. Auch hier müsste die Straße zum Wertstoffhof Brannenburg und der Kläranlage verlegt oder neu gebaut werden.

Unklare/offene Punkte

Die unklaren Punkte sind vergleichbar mit denen der anderen eiden Varianten.

Variante Ist-Trasse

Was ist geplant?

Derzeit sei zum Ausbau der bestehenden Trasse nichts geplant, aber Geflitter betonte, dass die jetzige Bestandstrasse noch freie Kapazitäten habe und ein massiver Anstieg des Personen- oder des Güterverkehrs auf der Schiene nicht zu erwarten sei."De Ist-Trasse muss den gesamten Verkehr auf jeden Fall bis 2038 aufehmen können. Außerdem ist die jetzige Trasse bereits TEN-fähig und erfüllt somit die Forderung der Politik."

Wie sind die Auswirkungen?

Die fußläufigen Bahnhöfe Brannenburg und Flintsbach inklusive der vorhandenen Infrastruktur können beibehalten und weiter genutzt werden. Es würden eventuell mehr Züge durch die Dörfer fahren, was aber bis 2038 sowieso der Fall wäre. Das Landschaftsbild würde nicht verändert werden und es gäbe keine Großbaustellen sowie müssten keine Häuser und landwirtschaftlichen Flächen weichen.

Unklare/offene Punkte

Offen sei jedoch, wie der Personennahverkehr auf der Ist-Trasse gesichert werden würde und ob die zusätzlichen einseitigen Schallschutzwände ausreichen würden, um die heutige Ist-Trasse für den Schienenverkehr bis 2038 zu ertüchtigen. Reichen 750 Meter farbige Schienenstegdämpfer um den Lärm spürbar zu reduzieren? Wann kommt der Lärmschutz gemäß den Grenzwerten für Neubau und welche Zugzahlen (insbesondere Güterzüge) sind in Zukunft zu erwarten? Werden die Güterzüge so leise wie die Personenzüge?

Die Präsentation von Theo Geflitter können Sie auch online unter www.geflitter.de einsehen.

Brenner-Nordzulauf, Trugbild oder Vision ?

Uli Schreiber setzte sich mit der Politik rund um den Brenner-Nordzulauf auseinander

Der Zweite Vortrag des Abends wurde von Uli Schreiber, der von einer der Varianten direkt betroffen wäre, gehalten. Unter dem Titel: "Verkehrspolitik im Inntal! Brenner-Nordzulauf, Trugbild oder Vision?" informierte Schreiber die Anwesenden über die verschiedenen Aussagen von Bahn und Politik und wie diese gesehen werden können. "Es kann aus meiner Sicht nicht sein, dass das eine politische Entscheidung ist. Es muss eine demokratische Diskussion vorangehen und es müssen Zahlen, eiine Kosten-Nutzen Berechnung her." Er verglich den Brenner-Zulauf mit einem Medikament, dessen Beipackzettel allerlei Informationen enthalte:

Name des Präparats: Brenner Nordzulauf plus.

Zusammensetzung: Beton, Stahl, Millionen von Tonnen.

Darreichungsform: Zwei Hochgeschwindigkeitsgleise bis 230 km/h und entsprechendem Zugaufkommen.

Anwendungsgebiete: Verbesserung der Transportachse Berlin Verona, Ausbau des TEN V Korridors Helsinki Malta, Bessere Vernetzung der Verkehrsträger, Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene, Entlastung der Hauptrouten des Alpen Transitverkehrs. Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Wirtschaftsförderung etc.

Gegenanzeigen: Ausreichende Kapazität der Bestandsstrecke. Wirkungslose Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung. Keine Nutzen Kosten Analyse, kein Bedarfsnachweis.

Warnhinweise / Vorsichtsmaßnahmen: für die Anwendung Zulassung trotz fehlendem Bedarf und fehlender Nutzen Kosten Analyse. Eine Alternative wurde nicht geprüft. Es ist eine politische Entscheidung ohne demokratische Diskussion. Sich nicht vom Betroffenen zum Beteiligten machen lassen.

Nebenwirkungen: Schienenlärm, Gesundheitsstörungen, Schadstofferhöhung durch Großbaustelle, erhöhtes Verkehrsaufkommen. Keine Verkehrsentlastung. Flächenversiegelung. Verschwendung von Steuergeldern.

Wechselwirkungen: Landwirtschaftsflächen, Tourismus, Kulturlandschaft, Klimaschutz, Wirtschaftsförderung, Güterverkehr.

Dosierungsanleitung / Art und Dauer der Anwendung: Täglich hochgeschwindigkeits Personenzüge bei 230 km/h auf 2 Gleisen über 150 Jahre. 

Anwendungsfehler und Überdosierung: Eine neue Bahntrasse darf nicht gebaut werden, der Bestand ist nach neuesten Techniken zur Entlastung der Bevölkerung und Umwelt zu ertüchtigen. 

Hinweise und Angaben zur Haltbarkeit: Für die Ewigkeit

Themenseiten: 

- Brenner-Nordzulauf 

- Brenner-Basistunnel 

Facebook-Seite: 

- Brenner-Nordzulauf

Tragend im Vortrag war auch die Schätzung der Bahn, demnach täglich bis zu 400 Züge auf der Strecke fahren und die Kapazität der Bestandsstrecke dafür nicht ausreiche. Aber laut Schreiber sei diese Schätzung falsch und es seien noch ausreichend Kapazitäten vorhanden. "Aus einer kleinen Anfrage der Grünen an die Bundesregierung geht hervor, dass 2018 199 Züge pro Tag fahren. Hochgerechnet wären das 302, die Bahn rechnet aber einfach so mit knapp 100 Zügen mehr." 

Es schwebe laut Schreiber auch ein schwarzes Loch über dem Inntal, in dem alle Maßnahmen, den Transitverkehr auf die Schiene zu verlagern, wie Mautregulierung, sektorale Fahrverbote Anpassung der Trassenpreise zur Schienennutzung, Alpentransitbörse / LKW Obergrenze, Rücksichtnahme auf die Alpenkonvention usw. verschwunden seien. 

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