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Landtagsabgeordneter will helfen

„Wir haben keine Zeit mehr“: Warum die Pflegedienste in der Region ums Überleben kämpfen

Themenbild: Die Liste der Probleme der Pflegedienste wächst seit langem und verteilt sich über unterschiedliche Bereiche.
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Themenbild: Die Liste der Probleme der Pflegedienste wächst seit langem und verteilt sich über unterschiedliche Bereiche.

Eigentlich gibt es eine gute Nachricht: ab September steigt der Mindestlohn für Pflegekräfte. Doch die Pflegeeinrichtungen in Stadt und Landkreis Rosenheim stehen vor einem Problem. Sie wissen nicht, woher sie das Geld für die höheren Löhne nehmen sollen. Die Refinanzierung ist nicht geklärt.

Flintsbach – „Wir haben keine Zeit mehr“, sagt Stefan Mayer von Mayer-Reif-Scheck Ambulanter Pflege- und Betreuungsdienst. Die Träger der Pflegeeinrichtungen aus Stadt und Landkreis Rosenheim und der Arbeitskreis Pflege Pro Senioren Rosenheim hatten zu einer Pressekonferenz eingeladen. Die Kurzzeit- und Tagespflege sowie die ambulanten Pflegedienste befinden sich laut Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath, Leiter des Ausschusses Gesundheit und Pflege im Bayrischen Landtag in einer „Not- und Mangelsituation“.

Probleme nehmen zu

Denn eines wurde bei der Pressekonferenz klar. Die Liste der Probleme der Pflegedienste wächst seit langem und verteilt sich über unterschiedliche Bereiche. Die Anforderung an die Einrichtungen, ihr Personal nach Tarif oder das regionale Durchschnittsgehalt zu zahlen, war, laut Eva Faltner, Geschäftsleiterin des Christlichen Sozialwerkes Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach, der „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“.

Dabei spricht sich keiner der Anwesenden gegen eine bessere Bezahlung der Pflegenden aus. Ganz im Gegenteil „Der heutige Tag zeigt die Wertschätzung für die Pflege“, so Faltner. Was die Betreiber aber stört, bringt Karsten Hoeft von der mobilen Krankenpflege in Rosenheim auf den Punkt: „Es wird ein Gesetz verabschiedet, aber keiner macht sich Gedanken über die Refinanzierung.“

Einrichtungen fehlt Geld

Denn die Pflegedienste leiden sowieso schon: Fachkräftemangel, Bürokratie, steigender Pflegebedarf, die Corona-Pandemie und zuletzt noch die steigenden Gehälter. Kurzum, den Einrichtungen fehlt das Geld. Denn im Gegensatz zu den Bäckern, die einfach den Preis ihres Produktes erhöhen können, können die Pflegedienste ihre Kosten nicht einfach umlegen. Eine Refinanzierung vonseiten der Krankenkassen wurde, laut Faltner, noch nicht zugesagt.

„Auf dem Schreibtisch meines Chefs türmt sich ein eineinhalb Meter hoher Papierstapel mit Anträgen“, sagt Hannah Zenker vom Pur Vital Pflegezentrum in Oberaudorf. „Wenn wir Glück haben, wissen wir im November oder Dezember, ob wir die Gehälter in Teilen refinanziert bekommen.“ Hoeft spricht von Bittstellerei bei den Kassen.

„Das ist eine Verantwortungslosigkeit der Kostenträger“, sagt Mayer und im gesamten Raum klatschen die Zuhörenden. „Ich weiß nicht, wie ich die kommenden drei Monate überstehen soll.“

Es wurde viel diskutiert bei der Pressekonferenz in Raubling: (von links) Stefan Lederwascher, Bürgermeister Flintsbach, Bernhard Seidenath, Landtagsabgeordneter, Eva Faltner, Geschäftsleiterin des Christlichen Sozialwerkes Degerndorf-Brannenburg-Flintsbach, Landrat Otto Lederer, Alfred Repšys, Aufsichtsratsvorsitzender der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözsese München und Freising, Olaf Kalsperger, Bürgermeister Raubling.

Alleine ist er mit dieser Aussage nicht. Durch die Bank wird klar, dass kleinere Betriebe Opfer von großen Pflegekonzernen werden. Doch gerade die regionalen Betriebe sollen laut Faltner erhalten bleiben.

Es muss wirtschaftlich gearbeitet werden

Der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen in der Region zeigt sich laut Peter Moser vom NBH Rosenheim darin, dass Menschen, die Pflege benötigen durch das Raster fallen und sich die Betriebe nur „auf lukrative Fälle“ konzentrieren.

Deutlich wird das bereits bei Plätzen in der Kurzzeitpflege. Davon gebe es viel zu wenige, so Mdl Seidenath. Deswegen versuche das Land diese finanziell zu fördern.

Dass Plätze in der Pflege rar gesät sind, merkt vor allem Astrid Schenk vom Romed Klinikum Rosenheim. Sie ist zuständig für das Entlassmanagement. Der gesetzliche Auftrag in Sachen Pflege ist klar: „ambulant vor stationär“. Die Umsetzung sei derzeit jedoch schwierig und das liege nicht an dem Krankheitsbild der Patienten. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir können die Patienten nicht mehr abverlegen“, sagt Schenk. Um einen Patienten unterzubringen, müsse Schenks Team bis zu 40 Anrufe tätigen.

Fachkräftemangel steigt an

Dieser Patientenstau wird dann wiederum auf dem Rücken der Pflegenden ausgetragen: die Zahl der Ausbildungsabbrecher sei hoch. Fachkräfte sind Mangelware. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht erschwere die Situation zusätzlich. „Sie ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Michael Schlander vom Siebenbürgerheim.

Um Krankenstand und Ausfälle zu kompensieren, sollten wenigstens Ausnahmen gemacht werden. Unterstützung in der Sache bekommt Schlander vom Landtagsabgeordneten. „Wenn keine allgemeine Impfpflicht umgesetzt wird, dann darf es auch keine einrichtungsbezogene geben“, sagt Seidenath. Er hofft, dass das Gesetz Ende des Jahres ausläuft.

Abgeordneter will helfen

Nur ein kleiner Lichtblick für die Kurzzeit- und Tagespflege und ambulante Dienste in der Region. Denn so wie sie die Lage schildern, stellt sich eher die Frage, welche Einrichtungen es noch zu dem Zeitpunkt gibt, die das Auslaufen der Verordnung interessieren könnte.

Die Betreiber hoffen auf Mdl Seidenath, der abschließend sein Versprechen gibt, „alle Kanäle zu nutzen, die mir zur Verfügung stehen, damit es keine Existenzverluste gibt.“

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