Almmeister verteidigt Kühe nach Angriffen in Tirol

"Die Leute sind ohne Rücksicht auf Verluste durch die Herde gelaufen"

Innsbruck/Tannheim - Gleich zweimal war es am Brückentag (Freitag, 12. Juni) in Tirol zu heftigen Attacken von Kühen auf Wanderer gekommen. Mehrere Menschen, darunter auch ein vierjähriges Kind, wurden verletzt. Der zuständige Almmeister hat seine Tiere nun verteidigt.

Die insgesamt 44 Rinder, darunter auch 15 Kälber, hätten sich schon länger auf der besagten Weide in der Nähe des Vilsalpsees bei Tannheim aufgehalten. Am Freitag sei der Druck auf die Tiere jedoch massiv gestiegen - vor allem wegen des großen Ansturms von vielen Tagesgästen, die das schöne Wetter in den Bergen genießen wollten. Bereits um 7.30 Uhr in der Früh sei der Wanderparkplatz in der Nähe voll gewesen. "Das war ein Wahnsinn. Die Gäste sind durch die Viehherde gelaufen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir haben das nicht verhindern können", sagte Almmeister Ludwig Lochbihler jetzt dem Österreichischen Rundfunk (ORF).

Obwohl Schilder installiert gewesen seien, die vor der Gefährlichkeit der Mutterkühe warnten, seien hunderte Wanderer und Urlauber durch die eingezäunte Weide marschiert und hätten die Tiere oftmals auch fotografiert. "Ich kann den Tieren keine Schuld geben. Die Leute handeln für mich unverständlich. Außerdem ist momentan der Wanderweg wegen des Wasserstands des Vilsalpsees überschwemmt. Und deswegen sind die Gäste über den Weidboden gelaufen. Und ich meine, dass die Kuh nichts anderes gemacht hat, als ihr Kalb zu schützen. Und dass die ein oder andere Kuh mal auszuckt, ist für mich verständlich", so der Almmeister weiter.

Zwei Angriffe binnen eineinhalb Stunden

Zum ersten Angriff war es am Freitag gegen 12.30 Uhr gekommen. Ein Paar mit zwei Kindern durchquerte gerade die Weidefläche, als sich plötzlich eine Mutterkuh aus der Herde löste, die Frau angriff und zu Boden stieß. Ihr Ehemann versuchte erfolglos, das Tier zu verscheuchen. Die 37-Jährige musste mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik nach Immenstadt (Bayern) geflogen werden.

Rund eineinhalb Stunden später kam es zur zweiten Attacke. Nur 50 Meter vom Weidegatter entfernt liefen mehrere Kühe auf zwei Familien aus Deutschland zu. Dabei wurdenein 48-jähriger Vater und ein vier Jahre altes Kind zu Boden gestoßen. Der Mann wurde nur leicht verletzt, das kleine Mädchen musste jedoch von den hinzugerufenen Rettungskräften ins Krankenhaus nach Reutte gebracht werden.

In der Vergangenheit war es in Österreich immer wieder mal zu Kuh-Angriffen und damit verbundenen Unfällen gekommen. Im August 2019 wurde ein Paar (58, 56) bei Tulfes beim Wandern von einem Rind angriffen und stürzte daraufhin einen 20 Meter hohen Abhang hinunter. Die Frau (58) musste mit einem Notarzthubschrauber abtransportiert werden. In Obertauern im Salzburger Land war im Juli 2017 eine Mutter und ihr Kind von einer Kuhherde gar regelrecht überrannt worden.

Und im Sommer 2014 war eine 45 Jahre alte Hundehalterin aus Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) in Tirol von Kühen bedrängt und gar zu Tode getrampelt worden. Kühe verteidigen ihre Kälber gegen mögliche Feinde. Hinterbliebene hatten anschließend 360.000 Euro Schadenersatz gefordert.

mw

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