Marktplatz-Umbau: Bürgermeister "verheerende Informationspolitik" vorgeworfen - Buhrufe für Pawelke

An Kastanien scheiden sich weiter die Geister

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Rund 200 Besucher kamen zur Bürgerversammlung und verfolgten aufmerksam die Ausführungen des Bürgermeisters und die Diskussion um die Marktplatz-Neugestaltung.

Neubeuern - Die geplante Umgestaltung des Marktplatzes steht zwar grundsätzlich außer Frage, doch an den beiden Kastanien, die im Zuge des Umbaus fallen sollen, scheiden sich weiter die Geister.

Das haben Beifallsbekundungen bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend gezeigt. Angesichts der von 44 Neubeurern unterzeichneten Resolution, die der "Initiativkreis Oberer Marktplatz" vorgelegt hatte, wird das Thema nun erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderats gesetzt, möglicherweise bereits für die nächste Sitzung am Dienstag, 23. Oktober. Die einstündige Rederunde im voll besetzten Bürgersaal verlief dabei trotz des thematischen Zündstoffs insgesamt in recht geregelten Bahnen.

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Mit drei Forderungen war Alois Heibl, der Sprecher des kürzlich gegründeten Initiativkreises, ans Mikrofon getreten: eine 3-D-Darstellung auf Grundlage der Detailplanung von Städteplaner Klaus Immich, die Anfang Oktober im Gemeinderat vorgestellt worden ist (Heibl: "eine dürre Skizze"), samt Aufstellung der Umbaukosten; Erhalt der beiden gesunden Kastanienbäume am Hofwirtsbichl, die zu fällen eine sündteure Geldverschwendung bedeute; Erhalt der Parkplätze im Bereich der Bäckerei, des Geschäfts "Inn-Schrift" und des Reisebüros als Kurzparkzone. Eindringlich ersuchte er die Kommunalpolitiker, die Bäume "auf alle Fälle stehen zu lassen". Ihm lägen zudem Berechnungen von Fachfirmen vor, denenzufolge sich der Umbau - bei Erhalt des Hofwirtsbichl - mit rund 90.000 Euro bewerkstelligen ließe. Die Gemeindeverwaltung schätzt den Gesamtaufwand derzeit auf rund 250.000 Euro, aus dem Topf der Städtebauförderung hofft man auf einen Zuschuss von etwa 90000 Euro.

Vehement prangerte Heibl außerdem die "verheerende Informationspolitik" von Bürgermeister Josef Trost sowie den Ablauf der Gemeinderatssitzung vom 11. September an, die trotz des riesigen Besucherandrangs nicht in den Bürgersaal verlegt worden war. Immerhin sei der Marktplatz das "Herzstück" des Dorfes und entsprechend groß das Interesse der Bürger. Heibl: "Hier wäre eine Informationsveranstaltung angesagt gewesen."

Trost weist Vorwürfe zurück

Ein Vorwurf, den der Gemeindechef mit Nachdruck zurückwies: "Die Öffentlichkeit wurde immer eingeschaltet", hatte er bereits in seinem Rechenschaftsbericht betont und dabei auch die Notwendigkeit unterstrichen, die beiden Kastanien zu fällen. Auch wisse er die 550 Unterschriften für den Erhalt der Kastanien durchaus zu werten. Einblick in einen Marktplatz ohne die beiden Bäume hatte derweil ein retuschiertes Foto in der Beamer-Präsentation gegeben, wobei, wie Trost betonte, durchaus neue Bäume nachgepflanzt werden könnten. Auch blieben die Parkplätze im Bereich Bäckerei/ Schreibstube bestehen.

Die Art und Weise der allgemeinen Diskussion um den Umbau des Marktplatzes allerdings - "Eine Diskussion, die ich mir anders vorgestellt habe" - stößt dem Bürgermeister sehr sauer auf. "Das gefällt mir nicht", rief er seine Mitbürger zu einer sachlichen Auseinandersetzung auf. Zumal die schlechte Stimmung dem Image der Gemeinde schade.

Ganz energisch verwahrte er sich außerdem gegen Beschuldigungen, er spräche Drohungen gegen Bürger aus oder setze diese unter Druck. So habe er im Telefonat mit einer jungen Frau - anders als von deren Großvater bei der Versammlung geschildert - dieser nicht gedroht. Die Frau hatte Trosts Ausführungen zufolge in Facebook gepostet, die Kastanien müssten Parkplätzen weichen; er habe auf einer Entfernung dieser Falschmeldung bestanden und dabei auch rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen - für den Fall, dass dies nicht geschehe.

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Waren die Redner fast durchwegs um eine sachliche Atmosphäre bemüht, erntete Dr. Rainer Pawelke - er nannte sich "Arzt für das Leben und Retter für die Natur" - Buhrufe und Kopfschütteln, als er Josef Trost, einem leidenschaftlichen Laien-Theaterspieler, vielsagend "schauspielerische Talente" bescheinigte. Und sollte man sich "für die Macht des Geldes, gegen die Natur" entscheiden, stellte er Neubeuern in Aussicht, ein "weiteres Bürgerbegehren erleben zu dürfen". Dr. Josef Mager, als Replik auf seinen Vorredner nach eigenen Worten "bloß Dorfdoktor" und als solcher seit 1985 in Neubeuern ansässig, sprach sich klar für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Ortes aus. Auf dem "Marktplatz der Eitelkeiten" gehe es für manche doch gar nicht mehr um die zwei Bäume, sondern um Stimmungsmache gegen den Bürgermeister. Die Umgestaltung ohne Bäume hält er für "logisch und richtig" und wünscht sich deshalb, "dass der Gemeinderat zu seinem Beschluss steht".

Ebenso hat Dr. Hermann Hiemer wenig Verständnis für die teils durch die Berichterstattung in den Medien geförderte "künstliche Aufgeregtheit". Stattdessen forderte er mehr Besonnenheit, mehr Vertrauen und mehr Respekt den gewählten Gemeinderäten gegenüber. "Die große Mehrheit steht hinter dem Gemeinderat", ist er überzeugt.

Für Alois Heibl unterdessen ist das Thema noch nicht beendet, wie er gestern auf Anfrage erklärte. Bevor er aber weitere Schritte unternehme, wolle er auf jeden Fall das Ergebnis der kommenden Sitzung abwarten.

Oberbayerisches Volksblatt

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